Unreif, schwach, harmlos – Adjektive, die Lando Norris in dieser Saison oft verwendet hat. Während sein jüngerer Teamkollege monatelang die Formel-1-Weltmeisterschaft anführte und trotz mangelnder Erfahrung wie der erfahrenere Fahrer aussah, hatte der Brite im Jahr 2025 Probleme. Oscar Piastre wurde von vielen schon früh als eiskalt und makellos beschrieben. Bei Norris hingegen kamen nach ein oder zwei Fehlern immer häufiger Zweifel auf, ob der 25-Jährige das Zeug zum Weltmeister hat. Sein offener Umgang mit psychischen Problemen und die Hilfe, die er dafür bekam, taten ihr Übriges. Nach dem Wiederaufstieg von Red Bull in diesem Sport konzentrierten sich einige Leute immer noch auf das WM-Duell zwischen Piastri und Max Verstappen.
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Doch vier Rennen vor Saisonende wirkte der bereits verschrottete Millionärssohn von Bristol plötzlich wie der stärkste Fahrer im Feld – mit beeindruckender mentaler Stärke. In den letzten Wochen machte Norris kaum Fehler, fuhr Rennen für Rennen fast wie auf Schienen und holte sich mit großem Vorsprung den zehnten Grand-Prix-Sieg in Mexiko. Er folgte am Samstag mit einem Sprintsieg in einem chaotischen Rennen in Brasilien, der ihm nach dem Ausfall seines Teamkollegen einen Vorsprung von neun Punkten vor Piastre verschaffte. Bei McLaren scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Plötzlich fühlt sich Piastre sehr unsicher und kann dem Druck nicht mehr standhalten. Norris hingegen stellt sich den ständig steigenden Erwartungen an die gewaltige Aufgabe, Weltmeister zu werden, und geht als Favorit in den Grand Prix.
Scheitern als Trendwende
Nicht nur die Konkurrenz fragt sich, was auf die Wende des WM-Spitzenreiters zurückzuführen ist. Während einige Formel-1-Verschwörungstheoretiker das Rennen auf die Eroberung der internen Teamauswahl des britischen Rennfahrers bei McLaren zurückführen, sieht die Realität anders aus. Schließlich hätte Norris’ herber Misserfolg in den Niederlanden Ende August, als das Weltcup-Pendel endlich in Piastres Richtung zu schwingen schien, das Blatt bei der diesjährigen Weltmeisterschaft wenden können. Während der Australier einen großen Vorsprung nicht verkraften konnte, vertraute Norris auf seine alten Qualitäten. Frei und ohne Druck wirkte der 25-Jährige plötzlich aggressiver, was auch Piastre bei einem harten, aber fairen Überholmanöver in Singapur auffiel.
Das ist die Aggression, die nötig ist, um endlich die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Im Schatten von Verstappen stieg Norris in die Weltmeisterschaft ein und führte die Meisterschaft in Mexiko an. Logischerweise gehört er immer noch zu den schnellsten Autos in der Königsklasse des Motorsports. Norris hat in der Schlussphase der Saison bisher mit dieser Stärke gespielt, wie Vergleiche mit seinen Teamkollegen belegen. Das letzte Mal, dass Piastre vor Norris lag, war bei seinem Sieg in den Niederlanden – seitdem lag der Brite immer vorne.
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