Anfang November gelangte plötzlich ein oft unterdrücktes Thema an die Weltöffentlichkeit: In einem Beitrag auf seiner Kurznachrichtenplattform Truth Social stellte US-Präsident Donald Trump einen möglichen Militärschlag gegen Nigeria in Aussicht, sollte die Regierung in Abuja weiterhin „die Tötung von Christen zulassen“. Von Anfang an hat Trump die Eskalationsschraube ganz nach oben gedreht. Die USA „werden mit aller Kraft versuchen, islamische Terroristen in diesem beschämenden Land auszulöschen.“
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Die nigerianische Regierung, die von Trumps Drohung völlig überrascht war, versucht inzwischen, die Lage zu glätten, und die Angelegenheit hat für den US-Präsidenten offensichtlich etwas an Dringlichkeit verloren. Für die Christen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas hat sich jedoch wenig geändert. Besonders im Norden bedeutete das Christsein nicht nur Diskriminierung und Unterdrückung, sondern auch ein Leben voller Vertreibung, Gewalt und Tod. Zwischen 2019 und 2023 wurden mehr als 16.000 Christen getötet.
Eine gezielte Strategie zur Vertreibung von Christen
Bischöfe wie Gerald Mamman Musa und Habila Daboh berichten regelmäßig von gewalttätigen Angriffen auf christliche Gemeinden in Nigeria. Bewaffnete Angreifer stürmen Kirchen, während die Messe gefeiert wird, fangen Priester auf einsamen Landstraßen ab oder brechen nachts in christliche Häuser ein, um Bewohner zu entführen und sie später freizulassen, vielleicht gegen ein hohes Lösegeld.
Dahinter stecken vor allem islamistische Gruppen wie Boko Haram, die im Norden Nigerias immer mehr an Einfluss gewinnen, aber auch zunehmend Milizengruppen vom nomadischen Stamm der Fulani. Viele nigerianische Pfarrer betrachten Fulani-Angriffe auch als gezielte Strategie, um sesshafte christliche Bauern aus ihren angestammten Siedlungsgebieten zu vertreiben.
Allerdings ist Nigeria nur ein Beispiel für die aktuelle prekäre Lage der Christen in vielen Ländern. Nach Angaben des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“, auf dessen Initiative am Mittwoch zahlreiche Gotteshäuser in Österreich rot beleuchtet werden, sind derzeit mehr als 220 Millionen Christen in rund 50 Ländern mit Verfolgung, Gewalt und Diskriminierung konfrontiert. „Noch nie wurden in diesem Moment so viele Christen verfolgt“, sagt Tobias Pachmann, Leiter der „Kirche in Not“, der mit einem Aktionstag am Mittwoch ein weithin sichtbares Zeichen gegenüber der Klein Zeitung setzen will.
Besonders gefährdet für Christen sind neben Nigeria und anderen Sahelstaaten auch muslimisch dominierte Staaten wie Syrien und der Irak. Kirchenvertreter schlagen Alarm, insbesondere in Syrien, wo es in jüngster Zeit zu einer Welle von Entführungen, Morden und Einschüchterungen kam. Es besteht große Unsicherheit darüber, inwieweit die Übergangsregierung unter Präsident Ahmad al-Shar’a die verbleibenden 540.000 Christen des Landes schützen will. Laut Erzbischof Jacques Murad von Homs verlassen immer mehr Christen Syrien aus Angst vor konfessioneller Gewalt.
Doch nicht nur dschihadistische Gruppen drohen Christen mit Gewalt und Tod. Laut Pachman ist Mexiko derzeit der gefährlichste Ort der Welt für Priester. „Viele Priester werden dort von Drogenkartellen getötet, weil sie sich für den Schutz ihrer Gemeinden oder für die Rechte der Armen und Unterdrückten eingesetzt haben“, sagt der Leiter von „Hilfe für Kirchen in Not“.
Es gibt kein einziges Land mit einer positiven Einstellung
Eine wesentliche Verbesserung der Situation ist nicht zu erwarten. In einem Jahresbericht zur Religionsfreiheit von ACN berichtete von einer Gruppe von fast zwei Dutzend Ländern, in denen Christen besonders verfolgt werden, ebenfalls fast die Hälfte von einer Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr. In den übrigen Ländern bleibt die Situation dieselbe; Nirgendwo eine positive Entwicklung.
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Doch zumindest in Nigeria gibt es noch einen Hoffnungsschimmer. Viele Pfarrer dort haben herausgefunden, dass Verfolgung und Gewalt die Menschen nicht davon abhalten, ihren Glauben jeden Tag zu leben.
