„Manchmal so, manchmal so, dann wieder so oder so.“ Gleichzeitig versuchte Michael Gregorish mit den Händen zwischen Brust und Bauch die Höhen und Tiefen seiner Karriere zu demonstrieren. Es lohnt sich, an diejenigen zu denken, die auf dem Höhepunkt (noch) nicht vergessen haben, dass in den letzten anderthalb Jahrzehnten als Profi nicht immer alles so wunderbar war wie in der 77. Minute gegen Bosnien-Herzegowina, in der die rot-weiß-rote Fußballwelt einen Moment lang den Atem anhielt, als der Ball vom Spielfeld in die „Querlatte“ im positivsten Rücken prallte. Der Stürmer „übersprang“ die Situation schnell und drückte den Ball mit einem Halbvolleyschuss über die Linie zum 1:1-Ausgleich. So funktioniert ein Torwart.
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Ein Tor für die Geschichtsbücher. Ein Hit, den Zeitzeugen ihr Leben lang nicht vergessen werden. Eine schamlose Übertreibung in der Euphorie des Glücks? Gar nicht. Fragen Sie Herbert Prohaska, Tony Polster oder Andreas Herzog. Sie verhalfen Österreich auch zum Weltmeistertitel und noch heute muss über ihre Heldentaten berichtet werden. Am Dienstag ging eine gefühlt endlose 28-jährige Wartezeit ohne ÖFB-Teilnahme am gregorianischen Weltfußball-Klassentreffen zu Ende.
Willkommen zur Karriere-Achterbahnfahrt von Michael Gregorits!
Der Zug hält nach einer kurzen Fahrt scheinbar ganz nah am Himmel. Der wilde Ritt begann mit einem Blitz von 0 auf 100 in Sekundenschnelle fast am Höhepunkt. Mit 15 Jahren und 361 Tagen benötigte das Talent des Kapfenberger SV nach seiner Einwechslung nur eine Minute für ein Tor gegen die Austria Wien und war damit der jüngste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Ein bis heute gültiger Rekord, der theoretisch an jedem Spieltag gebrochen werden könnte, in der Praxis aber mangels Nachwuchseinsatz in so jungem Alter wohl noch eine Weile halten wird.
Zu den Trainern, die so früh den Mut hatten, Juwelen ins kalte Wasser der Bundesliga zu werfen? Papa Werner, der in den vergangenen Jahrzehnten den gregorianischen Namen fest in der lokalen Fußballszene verankert hat. Als Profistürmer führte er als Trainer den GAK zu Pokalsiegen und beförderte Mattersburg und Kapfenberg in die oberste Liga. Neben seinem Talent gab er auch die Liebe zu GAK an seinen Sohn weiter. Senioren werden es verzeihen, dass es nicht wirklich nötig ist, darüber zu diskutieren, wer für das Ziel in der Familie besser geeignet ist. Denn Junior brachte Systeme mit, die bald auch über die Landesgrenzen hinaus kein Geheimnis mehr blieben. Im Sommer 2011 erhielt die TSG Hoffenheim den Zuschlag, sie parkte den Teenager jedoch für ein weiteres Jahr beim KSV.
Mit 18 Jahren zog er schließlich nach Deutschland – das Land, das für die nächsten 13 Jahre seine Wahlheimat sein sollte. Es war der Beginn einer Achterbahnfahrt, die man im Zeitraffer so sehen kann: Nach Leihestationen in der zweiten Liga von Hoffenheim nach St. Pauli (eher schlecht) und Bochum (gut) sprang er im Sommer 2015 zum Hamburger SV in die deutsche Bundesliga (so funktioniert es). Zwischen 2017 und 2022 schoss er mit durchwachsenem Erfolg Tore für den FC Augsburg, unterbrochen von einer enttäuschenden Leihe zu Schalke. Die drei Saisons in Freiburg lassen sich als überwiegend erfolgreich zusammenfassen.
Gregorits bittere Karriere ist in seinen Augsburger Jahren deutlich zu erkennen. 13 Ligatore im ersten Jahr können als Bilderbuchstart gewertet werden. Nach einer guten zweiten Saison kam es zu Auswechslungen, Augsburg zeigte wenig Kooperation und plötzlich lohnte sich die Spielzeit nicht mehr. Ein legendäres „Hauptsache ist weg“-Interview im Rahmen des ÖFB-Lehrgangs provozierte anschließend ein schwieriges On-Off-Verhältnis. Nachdem Schalke nur ein Tor geschossen hatte, standen für Augsburg noch eineinhalb Spielzeiten an, wobei sich zumindest die letzte Saison mit neun Ligatoren als versöhnlich erwies.
Die Europameisterschaft 2021 hat gezeigt, wie nah Fluch und Segen für die Gregoriten liegen. Trotz einer enttäuschenden Saison in Augsburg nahm ihn der damalige Teamchef Franco Foda mit, was bei den Fans zu heftiger Kritik führte. Eine Entscheidung, die sich als richtig herausstellte. Der Steirer erzielte nach seiner Einwechslung beim 3:1-Sieg gegen Nordmazedonien das entscheidende zweite Tor und offenbarte in einem tränenreichen TV-Interview seine Gefühle: „Das bedeutet mir alles!“
Der 31-Jährige beherrscht nach wie vor die Kunst, sich von Problemen im Verein nicht auf seine Leistungen in der Nationalmannschaft auswirken zu lassen. Im Sommer beschloss Gregorits, von Dänemark nach Brøndby zu ziehen. Denn eines fehlt seiner Vereinskarriere definitiv noch: ein Titel. Die Chance bei einem Traditionsverein ist real, angesichts der begrenzten Spielzeit ist die individuelle Situation derzeit jedoch weniger gut. Aber vielleicht wäre es Gregorishs Karriere nicht gewesen, wenn nicht das goldene Nationalmannschaftstor die nächste Etappe gewesen wäre.
Hätte für den Routinier in seiner Karriere mehr möglich sein können? Vielleicht ja. Aber kann man wirklich unzufrieden sein? Das ist eine Frage des Ehrgeizes. Von außen betrachtet ist davon auszugehen, dass viele Profis umsteigen und sich für den Einstieg in die Tiefe der Gregorite als Highlight entscheiden werden. Mit 72 Länderspielen rückt der Torschütze nun in die Top 15 der österreichischen Fußballgeschichte vor, mit 23 ÖFB-Toren kratzt er als Elfter an den Top Ten. Wachstum in beiden Kategorien ist äußerst wünschenswert. Er kam auf 270 Einsätze in der deutschen Bundesliga. Nur einem Österreicher gelang dies öfter, nämlich David Alaba (298).
Bedeutsamer und nachhaltiger als trockene Daten und Fakten ist neben seiner sozialen Ader, wo er sich als Präsident des Spendenvereins Tor.Chance für Kinder und Jugendliche einsetzt, seine Fähigkeit, sich für besonders emotionale Momente verantwortlich zu fühlen. In beide Richtungen ist eine aufregende Achterbahnfahrt Teil der Fahrt. Die beste Nachricht: Es ist noch nicht vorbei. Weltmeisterschaft und solche Sachen. Vielleicht ist der absolute Höhepunkt noch nicht erreicht. Es gibt noch Platz für den Himmel auf Erden.
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