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Lange Rekrutierung: Wie wird die Regierung mit dem Gutachten umgehen?

    Lange Rekrutierung: Wie wird die Regierung mit dem Gutachten umgehen?

    Der 20. Januar ist ein denkwürdiges Datum für Österreichs Bundeswehr und Innenpolitik. An diesem Tag vor 13 Jahren sprachen sich fast 60 Prozent der Wahlberechtigten in einem Referendum für die Beibehaltung der Wehrpflicht und gegen eine Berufsarmee aus. An diesem Tag in diesem Jahr wird eine Expertenkommission ihr mit Spannung erwartetes Gutachten vorlegen – und möglicherweise die Weichen für künftige Militär- und Zivildienstzeiten stellen.

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    • Leitartikel: Springen Sie über den ideologischen Schatten

    Die Aufgabe des von Verteidigungsministerin Claudia Tanner (ÖVP) im Frühjahr 2025 gebildeten Gremiums besteht eigentlich darin, die Armee und die Einsatzbereitschaft der Armee zu stärken. Im Regierungsprogramm kündigte die Dreierkoalition an, sie werde eine „Expertengruppe zur Entwicklung eines Alternativmodells“ einrichten mit dem Ziel, „die volle Einsatzbereitschaft einer mobilen Bundesarmee schnellstmöglich wiederherzustellen“. Allerdings geriet die mögliche Ausweitung des Militärdienstes schnell in den Mittelpunkt der Debatte. Während die 23 Mitglieder der Kommission schweigen, wurden Teile ihrer Arbeit im Herbst öffentlich gemacht. Das vorgeschlagene Modell sieht daher eine Verlängerung des Militärdienstes von derzeit sechs auf zehn Monate vor, davon zwei bis vier in Form von Militärübungen. Gleichzeitig soll die Zivildienstzeit von zehn auf zwölf Monate verlängert werden.

    Eine Koalition in Schwierigkeiten

    Das bringt die schwarz-rot-rosa Koalition in Bedrängnis. „Eine Ausweitung des Wehrdienstes ist nicht Teil des Regierungsprogramms“, stellt Vereinsvorsitzender Yannick Shetty unverblümt in seiner Absage an Neos fest. Ähnliches ist von der SPÖ zu hören. Selbst Minister Tanner vermeidet es so weit wie möglich, Verständnis oder Sympathie für den gemunkelten Vorschlag seiner Kommission zu zeigen und verfällt in den Zustand der Realpolitik: Mit der Verlängerung des Militärdienstes geht nur eine lange Zivildienstzeit einher, die einer Zweidrittelmehrheit im Parlament bedarf. „Und ich sehe sie im Moment nicht“, sagte Tanner schließlich. Tatsächlich müsste man sich auf die Stimmen der FPÖ verlassen, die als einzige Partei eine lange Grundwehrpflicht befürwortet – idealerweise nach dem „8 plus 4“-Modell, so Militärsprecher Volker Reifenberger.

    Ob die Politik dem Vorschlag der Experten folgt oder, wie so oft, einen Kompromiss oder gar eine Scheinlösung eingeht, entscheidet sich womöglich nächste Woche. An den Gesprächen im Rahmen eines Mini-Regierungstreffens der Spitzen der drei Parteien sollen Berichten zufolge auch Verteidigungssprecher aller Parlamentsparteien beteiligt sein. Obwohl es in dieser Frage keine Chance auf einen Koalitionsbruch gibt, ist sich die Regierungsführung der enormen Konsequenzen ihrer Entscheidung bewusst. Aus diesem Grund wurde die ursprünglich für Mitte Dezember geplante Veröffentlichung des Berichts um einen Monat verschoben.

    Die Expertenkommission wird nun am 19. Januar zum letzten Mal zusammentreten und dann die endgültige Fassung ihrer drei Modelle an die Bundesregierung übergeben. Die Bevölkerung wird am nächsten Tag durch eine Pressekonferenz informiert. Am selben Tag veranstaltet die Plattform „Für die Verteidigung Österreichs“ traditionell ein hochkarätig besetztes Seminar zum „Tag der Wehrpflicht“ im Haus der Industrie in Wien. Generalmajor Erwin Hemseder, der Vertreter des Heeres und Vorsitzender der Expertenkommission, hat diese Terminweitergabe selbst angeregt und wird die Ergebnisse seiner Kommission bei der Veranstaltung näher erläutern. Auch Minister Tanner und der Verteidigungssprecher haben ihre Meinung. Der Ballsaal, der rund 300 Personen Platz bietet, ist längst ausgebucht.

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    Kritische Tage

    Milizoffizier Hemseder, in seinem zivilen Amt Generalstaatsanwalt des Raiffeisenverbandes, hat sich in der Vergangenheit für eine lange Wehrpflicht ausgesprochen und die Abschaffung obligatorischer Wehrübungen kritisiert (unter ÖVP-Verteidigungsminister Günther Platter im Jahr 2004). Für den Niederösterreicher, der als enger Vertrauter seiner Landsfrau Claudia Tanner gilt, werden dies auch entscheidende Tage in seiner Funktion als Wehrbeauftragter der Bundeswehr.

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