Ab Mittwoch werden die Eiskunstlauf-Europameisterschaften auf einer Bühne aus gefrorenem Wasser im englischen Sheffield ausgetragen, und Österreich wird zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder ein komplettes Team schicken. Neben Olga Mikutina (Damen) und Maurizio Zandron (Männer) repräsentieren auch Gabriela Izzo und Luc Meyerhofer im Paarlauf sowie die Geschwister Anita und Andreas Straub im Eistanz die Farben Rot-Weiß-Rot. Der letzte Fall ereignete sich im Jahr 2016, als Miriam Ziegler noch im Paarlauf auf dem Eis aktiv war. Der gebürtige Burgenländer ist nun für die sportliche Entwicklung des österreichischen Verbandes verantwortlich. „Im heimischen Eiskunstlauf hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan“, sagt der 31-Jährige. „Wir haben einen Generationswechsel erlebt, viele neue Gesichter, die noch viel Potenzial haben.“
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Vor etwa vier Jahren hat Ziegler seine Schlittschuhe an den Nagel gehängt. Seitdem versucht Ziegler, sich Karriere für Karriere daran zu gewöhnen. „Ich versuche herauszufinden, wie es nach dem Skaten weitergeht“, sagt sie auf ihrem Instagram-Kanal. „Es war eine große Veränderung“, gibt Ziegler zu. „Als ich noch aktiv war, dachte ich mir, dass ich neben dem Eiskunstlauf noch eine andere Einnahmequelle brauche. Doch gegen Ende meiner Karriere wurde mir noch mehr klar, dass ich nichts anderes machen wollte.“ Nach einem abgebrochenen Studium der Kulturwissenschaften verfügt Ziegler nun über einen Bachelor-Abschluss in Sportwissenschaften. Seit August arbeitet die vierfache Olympiateilnehmerin in ihrer neuen Funktion beim österreichischen Verband und ist außerdem als Eiskunstlauftrainerin tätig.
„Ich habe keinen klassischen Sportdirektorposten inne und bin auch kein Bundestrainer“, erklärt Ziegler. „Meine Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen und das Trainingsumfeld für unsere Sportler zu erweitern. Ich schaue mir an, wie der Verein funktioniert und wie die Zusammenarbeit mit den Schulen funktioniert und versuche, in diesen Bereichen zusammenzuarbeiten und zu fördern. Nicht im Gymnasium, sondern in der Unterstufe oder sogar in der Grundschule. Eiskunstlauf ist eine Sportart, die viel Training und Spezialisierung erfordert.“ Auf die größte Baustelle des heimischen Eiskunstlaufs: die Infrastruktur, hat es allerdings kaum Einfluss, glaubt Ziegler. „Wir haben sehr wenig Eiszeit für die Anzahl unserer Athleten. Die Mitgliederzahl wächst, das Interesse ist groß. Aber es gibt nur sehr wenige Eisbahnen, die im Sommer geöffnet und bezahlbar sind. Wenn junge Leute im Sommer drei Monate lang keine Eiszeit haben und sich nicht alle Eltern ein Trainingslager leisten können, sind wir international im Nachteil.“
Positiv: „Das Merkur-Eisstadion in Graz wird diesen Sommer erstmals geöffnet sein“, betont Ziegler. Schaut man sich jedoch die Nationalmannschaftslisten an, wird deutlich, dass die Steiermark und Kärnten im Vergleich zu den anderen Bundesländern klar im Rückstand sind. „Das sind die beiden Bundesländer, die neben dem Burgenland am meisten mit der Eiszeit zu kämpfen haben“, sagt Ziegler, der auch die Trainerarbeit des Vereins lobt. Während die steirische Perspektive mit Isabella Niederleitner (U16), Moheng Zhang, Yiwen Zhang (beide U13/alle Dynamo Sportveerin Graz) drei Athletinnen auf der Teamliste hat, hat Kärnten keine zu bieten. Ein Grund: „In allen Eissporthallen hat Eishockey immer Vorrang“, sagt Ziegler, weiß aber: „Es gibt überall ein Problem, dass Sportarten miteinander um Eiszeit konkurrieren.“
Miriam Ziegler: „Wir erleben eine aufregende Zeit“
Zum Vergleich: In Wien sind mehr als 30 Sportlerinnen und Sportler im Bundeskader vertreten, in Oberösterreich und Salzburg sind es ebenfalls jeweils mindestens zehn. Darüber hinaus gibt es ab 2023 Servicestützpunkte in Oberösterreich, Salzburg und Tirol mit bundesweiter Relevanz, ein Projekt, das weiterentwickelt werden soll. „Die Rückmeldungen sind äußerst positiv, die Sportler, die dort trainieren, profitieren enorm“, sagt Ziegler. Im besten Fall sollten dort die Mikutinas von morgen ausgebildet werden. Die heutige Mikutina wird am Mittwoch an der Europameisterschaft teilnehmen; Für das österreichische Aushängeschild wird es eine Generalprobe für die Olympischen Winterspiele. „Olga ist eine unglaubliche Athletin“, schwärmt Ziegler. „Sie hat so einen besonderen Laufstil, wenn ihre technischen Sachen gut funktionieren, kann sie ihren achten Platz ab 2024 definitiv toppen.“ Sollte die 22-Jährige unter die besten Zehn kommen, ist Österreich bei der nächsten Europameisterschaft ein zweiter Quotenplatz für die Damenkonkurrenz sicher.
Für Zendron (33 Jahre) ist es die letzte Europameisterschaft in seiner Abschiedssaison, während Izzo (24)/Meirhofer (23) und Anita Straub (18)/Andreas Straub (21) ihre EM-Debüts feiern. Zukünftig soll eine Vertretung in allen Disziplinen nicht nur bei der Europameisterschaft, sondern auch bei den Olympischen Spielen möglich sein, wo in diesem Jahr nur Mikutina vertreten ist. „Ziel des Vereins ist es, im Jahr 2030 an Mannschaftswettbewerben teilnehmen zu können“, sagt Ziegler. „Olga wird weiterlaufen, es wird spannend sein zu sehen, wer von den Männern nach dem Ende von Maurizios Karriere noch übrig bleibt. Es gibt viel zu tun in den Nachwuchsrängen bei Frauen und Männern – uns steht eine spannende Zeit bevor!“
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