Auch wenn Ostern noch weit entfernt ist, eine kleine Anekdote: Ich war damals fünf Jahre alt und saß mit Opa im Wohnzimmer. Auf dem Tisch stand eine Vase mit Kätzchen, an denen liebevoll bemalte, ausgeblasene Ostereier hingen. Irgendwann habe ich Opa gefragt, was passieren würde, wenn ich eins ausdrücken würde. Mein Großvater, ein aufrichtiger, gutmütiger Mann, sagte kurz und bündig, ich solle nicht reden, sondern es versuchen. Gesagt, früher getan als getan. Crrrtzzk! „Noch einer?“ „Wenn es dir Spaß macht.“ Nach einer Weile hingen nur noch traurige Fäden vom Osterstrauch und darunter bunte Eierschalenfetzen.
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Menschen, insbesondere diejenigen mit Y-Chromosomen, genießen die Zerstörung. Einige zerstören Sandburgen, andere fallen in Venezuela oder die Ukraine ein. Für andere reicht das Spiel. Der deutsche Handballtorhüter Andreas Wolff bezeichnete das österreichische Spiel kürzlich als äußerst hässlich. Wie immer, wenn jemand aus der eigenen Herde beleidigt wird, sinnt der Teil des Gehirns, der im Holozän lebte, sofort auf Rache und Rache. Den Österreichern ist es immer wichtig, was die Deutschen von ihnen denken, und Sticheleien wie diese machen uns Hotel-Bettwäsche-Teutonen so sympathisch, dass wir ihnen eine Würgeattacke mit im Tank ertränkten Schnitzeln wünschen.
Wandel als Leitmotiv
Wie schön war es, den kegelförmigen Fleck wie ein hohles Osterei zu zerdrücken. Jetzt ist Andreas Wolf nicht nur ein weiterer Beitrag unter Beiträgen, sondern einer der Besten. Damit hat er auch nicht unrecht, das 7:6, das die Österreicher gerne üben, ist eigentlich so cool wie die Anzeigetafel am Flughafen während eines Streiks. Aber auch in Deutschland gibt es keinen magischen Handball. Doch der Drang nach Rache blieb wie ein DHL-Paket irgendwo in der Post stecken. Die Fans vor Ort in Monaco sind davon begeistert. Adi Hutter wurde dort notgedrungen entlassen und ist seitdem nirgends zu sehen. Läuft! Ähnliches würde man sich auch für Real Madrid wünschen, wo Alonso entlassen wurde.
Rache ist ein Leitmotiv der Literatur: Moby Dick, Der Graf von Monte Christo, Charles Dickens, Thomas Bernard, fast alles in der Bibel… Doch dass Andreas Wolf nach dem deutschen Sieg einspringen musste, zeigt die schlechte Qualität des Sieges und ruft nach Rache. Die Germanen werden mit ihrem Zug schon genug bestraft, aber ein kleines Desaster ist immer möglich. Dem Skifahren wird auch eine heimliche Liebe zum Loslassen nachgesagt. Auch ein erfolgloser Einstieg aller Anschieber im amerikanischen Viererbob führte zu mehreren Klicks. War mein Großvater auch so? Als Oma die zerbrochenen Eier sah, seufzte sie nur: „Was hast du schon wieder gemacht.“ Kein Kinderspiel.
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