Seit Jahrzehnten sind die Sorgen um den Fortbestand der Nato nicht mehr so groß wie in den vergangenen zwei Wochen. Erst die Ankündigung von Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, er wolle Grönland nicht mit militärischer Gewalt erobern, löste bei den europäischen Verbündeten ein Aufatmen aus – zumindest kurzfristig. Ein konzertierter Versuch, dem US-Präsidenten die Stirn zu bieten, hatte sich offenbar ausgezahlt.
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Der Grönlandstreit hat deutlich gemacht, dass militärische Partnerschaften mit Europäern für die USA keine Priorität mehr haben, wie auch eine am Samstagabend veröffentlichte US-Verteidigungsstrategie deutlich macht. Die USA wollen Europa und der NATO zwar nicht völlig den Rücken kehren, sich aber in Zukunft bei der Verteidigung vor allem auf sich selbst und die umliegenden Regionen konzentrieren. Wichtige Punkte im Überblick:
Europa
Die Botschaft an Europa ist klar. Tanner: Ihre traditionelle Verteidigung liegt in erster Linie in Ihrer Verantwortung. Die USA wollen weiterhin eine zentrale Rolle in der NATO spielen – auch wenn sie ihre Präsenz in Europa neu ausrichten. „Mit kritischer, aber begrenzter Unterstützung durch die Vereinigten Staaten“, sagt er, müssen die US-Verbündeten in Europa die Führung übernehmen, um Bedrohungen zu begegnen, die für sie schwerwiegender sind als. In der Vergangenheit gab es häufig Diskussionen über eine Reduzierung der Truppenstärke in Europa.
Ende letzten Jahres verabschiedete der US-Kongress ein Gesetz für einen Verteidigungshaushalt, der eher dem traditionellen Ansatz bisheriger Verteidigungsprioritäten entspricht als einer nationalen Sicherheits- und Verteidigungsstrategie. Bezüglich der Präsenz von US-Truppen in Europa sieht das Gesetz vor, dass die Gesamtzahl der ständig im Zuständigkeitsbereich des Europakommandos stationierten Streitkräfte nicht weniger als 76.000 für mehr als 45 Tage betragen darf. Schätzungen zufolge sind derzeit mehr als 80.000 US-Soldaten in Europa stationiert.
Wie in der 34-seitigen Verteidigungsstrategie betont, ist für die USA das zentrale Thema, dass ihre Verbündeten das NATO-Abkommen zur massiven Erhöhung der Verteidigungsausgaben umgesetzt haben. Unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und auf Drängen Trumps hatte sich die Nato im vergangenen Juni darauf geeinigt, künftig mindestens 3,5 Prozent des nationalen BIP in die Verteidigung zu investieren. Für verteidigungsbezogene Ausgaben, etwa für die Infrastruktur, sollen dann weitere 1,5 Prozent hinzukommen.
USA und die „westliche Hemisphäre“
Ganz im Sinne von Trumps Slogan „America First“ sollte der Fokus der US-Verteidigung auf dem eigenen Land liegen. Durch das Raketenabwehrsystem „Golden Dome“, das Trump auf Grönland errichten will, müssen Grenzen gesichert und der Luftraum geschützt werden. Das Projekt deutet bereits an, dass sich die USA keineswegs auf die eigenen Landesgrenzen beschränken: „Gleichzeitig werden wir die Interessen Amerikas in der gesamten westlichen Hemisphäre aktiv und furchtlos verteidigen“, sagt er.
Es würde den militärischen und wirtschaftlichen Zugang zu Schlüsselgebieten sichern, insbesondere zum Panamakanal, Grönland und zum Golf von Mexiko, den das Pentagon als Golf von Amerika bezeichnet. Auch das Vorgehen des US-Militärs gegen mutmaßliche Drogenhändler hat Priorität.
Bereits aus der vor einiger Zeit vorgelegten Sicherheitsstrategie wurde klar, dass das Hauptaugenmerk der USA künftig auf der „Westlichen Hemisphäre“ liegen sollte. Gemeint ist damit meist der Doppelkontinent Amerika und die umliegenden Inseln. Trump hat den Dominanzanspruch seines Landes auf dem amerikanischen Doppelkontinent zuletzt mehrfach bekräftigt.
China
Die USA verfolgen einen Weg, der nicht auf eine direkte Konfrontation mit China setzt. Das zeigte bereits das Treffen zwischen dem US-Präsidenten und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping Ende Oktober in Südkorea, bei dem Trump seine guten Beziehungen zu Peking und einen sanfteren Ton im Handelskonflikt betonte.
Gleichzeitig macht die US-Regierung in ihrer Verteidigungsstrategie deutlich, dass sie China im Indopazifik durch Gewalt und nicht durch Konflikte abschrecken will. Die Rede ist von den Kräfteverhältnissen im Indopazifik, der als Handelsraum für die USA eine wichtige Rolle spielt. Die USA betrachten China nach den USA als das zweitmächtigste Land der Welt. Chinas Narrativ ist ruhig und zielt nicht auf Überheblichkeit ab: Sie wollen das Land nicht dominieren – aber sie wollen auch nicht dominiert werden. Pekings Macht wächst.
Russland
Im Gegensatz zu China betrachten die USA Russland als „systematische Bedrohung“ für die östlichen NATO-Mitglieder. Die USA sehen in der Unterstützung der ukrainischen Verteidigung die Hauptverantwortung der Europäer. Der russische Krieg gegen die Ukraine muss beendet werden, aber die Hauptverantwortung liegt auch hier bei den Europäern.
Moskau sei nicht in der Lage, die Hegemonie in Europa zu erlangen, heißt es. Es wird interessant sein zu sehen, wie Kremlchef Wladimir Putin darauf reagiert. Die USA bestehen darauf, dass die europäischen NATO-Mitglieder mächtiger seien als Russland. Allein die deutsche Wirtschaft stellt die russische Wirtschaft in den Schatten. Gleichzeitig zeige der Krieg in der Ukraine, dass Russland über riesige militärische und industrielle Reserven verfüge, sagt er. Russland verfügt über das größte Atomwaffenarsenal der Welt.
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