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Olympia-Eröffnungsserie: Seltsames Eishockey-Drama gefeiert

    Olympia-Eröffnungsserie: Seltsames Eishockey-Drama gefeiert

    Connor Story (links) und Hudson Williams spielen die Hauptrollen in der Serie Hot Rivalry. Foto: picture Alliance / ASSOCIATED PRESS | Sabrina Lantos

    Olympia-Eröffnungsserie: Seltsames Eishockey-Drama gefeiert

    „Heated Rivalry“ heißt die derzeit kälteste und heißeste Serie in Kanada: ein skurriles Eishockey-Drama, das in Nordamerika Einschaltquotenrekorde brach, in Russland zum illegalen Streaming-Hit wurde und jetzt in Deutschland startet. Die sechs Folgen, die ab Freitag, pünktlich zum Start der Olympischen Spiele, jede Woche auf dem neuen Streamingdienst HBO Max ausgestrahlt werden, werden Sportfans, die queere Community – und heterosexuelle Frauen – begeistern.

    Im Mittelpunkt stehen die beiden Topstars der North American Ice Hockey League: der japanisch-kanadische Golden Boy Shane Hollander (Hudson Williams) von den Montreal Metros und der russische Bad Boy Ilya Rozanov (Connor Storey) von den Boston Raiders.

    „Heiße Rivalität“ startet in Deutschland auf HBO Max

    Auf dem Eis sind sie erbitterte Rivalen, doch hinter verschlossenen Türen entwickelt sich eine geheime Beziehung zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Typen. Ilya sieht von außen mutig, übermütig und arrogant aus. Er trinkt Bier, raucht und nennt Shane immer wieder „langweilig“. Weil er ziemlich schüchtern, nachdenklich und belesen ist.

    Hudson Williams (links) und Connor Storey rücken Homosexualität im Profisport – und im Eishockey – in „Heated Rivalry“ ins Rampenlicht.

    Die Profis sehen sich zunächst nur alle paar Monate, wenn sie gegeneinander spielen oder gemeinsam auftreten. Deshalb bestehen insbesondere die ersten beiden Episoden aus teils gewaltigen Zeitsprüngen. Shane und Ilya bleiben hauptsächlich per Chat in Kontakt – in ihrem Telefonbuch nennen sie sich diskret Jane und Lily. Niemand darf merken, dass das Eis zwischen ihnen immer mehr schmilzt. Denn Homosexualität ist im Profisport noch immer stark tabu.

    Vom kanadischen Nischensender in die Welt

    Die Game Changers-Romanreihe der kanadischen Autorin Rachel Reid diente dem Autor und Co-Produzenten Jacob Tierney (46) als Vorbild. Seit seiner Einführung war „Heated Rivalry“ die meistgesehene Eigenproduktion des kleinen Streaming-Dienstes Crave in Kanada und erreichte in den USA die Spitze der Charts bei HBO Max.

    Schon vor der Premiere Ende November sorgten Trailer und eine viral geteilte Fitnessstudio-Szene für Aufsehen in den sozialen Medien. Und die einfühlsame Liebesgeschichte erhält Bestnoten in Bewertungsportalen.

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    Die bisher unbekannten Hauptdarsteller Williams, 24, und Story, 25, sind in den letzten Monaten zu Weltstars geworden. Sie sorgten mit einer humorvollen Laudatio bei den Golden Globes in Hollywood für Lacher, wurden zu Modenschauen in Paris und Mailand eingeladen und durften als Fackelträger an den Vorbereitungen für die Olympischen Winterspiele in Italien teilnehmen.

    Heiße Bettszenen in „Heated Rivalry“

    Aber woher kommt der Lärm? Die US-Medien diskutieren die Serie als Teil einer neuen Welle skurriler Liebesromanformate – von „Heartstopper“ bis „Red, White & Royal Blue“. Schwule Liebe wird oft noch verwässert, um sie für den Mainstream „verdaulich“ zu machen. „Erbitterte Rivalität“ ist hier falsch, weil darin explizit Sexualität zum Ausdruck kommt. Aber auch Softporno-ähnliche Szenen im Bett (oder unter der Dusche) erfüllen ihren Zweck.

    Sie zeigen, wie sich die Beziehung zwischen Shane und Ilya verändert – von einer rein sexuellen, eher dominant-devoten Dynamik hin zu einer zunehmend emotional engeren Beziehung. Die Musik und der Schnitt unterstreichen diese Transformation. Spätestens ab der dritten Folge dürften dem sensiblen Teil des Publikums die ein oder andere Träne fließen.

    Deshalb lieben Frauen heiße Rivalität

    Auch die Tatsache, dass vor allem heterosexuelle Frauen die Bücher und Serien verschlingen, bereitet den Machern Sorgen. The American Story, der in der Originalversion mit einem fast perfekten russischen Akzent spricht, erkennt die feministische Sicht auf die Liebesbeziehung an: „Deshalb lieben wir Romantik. Es geht nicht nur um den Sex, es geht um die Momente dazwischen. Wo wir Verlangen und diese Anziehungskraft von Verletzlichkeit und Anziehung sehen“, sagte er dem queeren US-Portal Them.

    Viele Frauen haben möglicherweise auch die Nase voll von der immer gleichen Darstellung heterosexueller Männlichkeit. „Sie sehnen sich nach einer Form der Männlichkeit, die sie interessant und zugänglich finden.“ Auch die Tatsache, dass die beiden Figuren teilweise auf ihre muskulösen Körper reduziert sind, stieß auf Kritik.

    Auch Politiker sprechen über die Erfolgsserie

    Der Erfolg der Serie, die 2027 in die zweite Staffel gehen soll, hat längst die politische Bühne erreicht: Der kanadische Premierminister Mark Carney posierte bei einer Gala in Ottawa mit dem kanadischen Hauptdarsteller Williams und lobte die Serie, insbesondere in dieser „gefährlichen, gespaltenen und intoleranten Welt“.

    Der Bürgermeister von New York City, Zohran Mamdani, riet den Menschen in seiner Stadt kürzlich, während des Schneesturms zu Hause zu bleiben und sich ein Buch auszuleihen. Und im eishockeyverrückten, homophoben Russland ist „Heated Rivalry“ einer der Hits auf illegalen Streaming-Seiten.

    Wie „Heated Rivalry“ zum Ausstieg führte

    Auch in den Umkleidekabinen der echten Ligen hat die Serie Wirkung: Ein ehemaliger amerikanischer Eishockeyspieler hat sich mit Hilfe der Serie öffentlich zu seiner Sexualität geäußert: „Ich kenne viele prominente Schwule in der Eishockeywelt, die vom Erfolg von ‚Heated Rivalry‘ stark betroffen waren“, sagte Jesse Courtwem gegenüber dem Out-Magazin. „Ich hätte nie gedacht, dass aus einem so männlichen Sport etwas so Positives und Liebevolles entstehen könnte.“

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    Auch im deutschen Sport ist der kanadische Schlager ein Thema, auch wenn er hier noch nicht zu sehen ist. Der Deutsche Eishockey-Bund teilte der dpa mit, man habe die Serie noch nicht gesehen, aber davon gehört.

    Die Sportschau postete auf Instagram Ausschnitte älterer Fußballspiele, in denen konkurrierende Profis wie Marco Reus (Borussia Dortmund) und Robert Lewandowski (Bayern München) sich vertraut anlächeln und schrieb: „Heiße Rivalität – DFB-Pokal-Ausgabe.“

    Die Olympischen Winterspiele sind seltsamer denn je

    Im deutschen Profifußball hat sich – ebenso wie im Eishockey – noch kein aktiver Profi als schwul geoutet. Bei den Olympischen Winterspielen, die an diesem Freitag zeitgleich mit dem Serienauftakt in Deutschland beginnen, gibt es mehr offen queere Sportstars als je zuvor. Nach Angaben des amerikanischen Portals Outsports treten dort mehr als 40 Sportler an, die sich als nicht-heterosexuell identifizieren.

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    Merkwürdig ist, dass Eishockey den größten Anteil hat (22), aber kein einziger Mann darunter ist. Schwule Liebe auf Eis bleibt also (vorerst) reine Fiktion. (dpa/lam)

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