Ein seltenes Bild: Ein lokaler Fußballer (hier Mathias Pereira Lage) bekommt eine gelbe Karte. Foto: imago/Jan Hübner
Immer noch kein Gelb! Der ehrlichste Verteidiger der Liga kommt aus der Nachbarschaft
„Die zweite Halbzeit hat einfach gelitten“, sagte Trainer Alexandre Blessin über die zweiten 45 Minuten des wichtigen 1:0-Sieges gegen den Tabellendritten Hoffenheim. Zum zweiten Mal in Folge musste sein Team den knappen Vorsprung irgendwie verteidigen. Wie Sie wissen, sind taktische Fouls und starkes Eingreifen in solchen Fällen bewährte Mittel. Aber das war überhaupt nicht nötig. Anzumerken ist, dass St. Pauli in der Fairness-Tabelle weit oben steht. Und obendrein haben sie den ehrlichsten Defensivspieler der Liga in den eigenen Reihen.
Zieht man die offizielle Fairness-Tabelle von transfermarkt.de aus der diesjährigen Bundesliga-Saison heran, ist der FC St. Pauli garantiert in der Champions League dabei: auf dem zweiten Platz mit nur 35 Gelben Karten und einer zumindest diskussionswürdigen Roten Karte für Eric Smith im Heimspiel gegen Heidenheim (2:1). Nur der SC Freiburg sah in der Saison weniger gelbe Karten (34), nur RB Leipzig hatte in der Gesamtberechnung aller Karten (gelbe Karte = 1 Punkt, gelb-rot = 3 Punkte, rot = 5 Punkte) weniger Punkte (36, St. Pauli 40).
Die letzten beiden Siege auf St. Pauli gegen Bremen (2:1) und das erwähnte Triple in Sinsheim waren Sinnbild für die ehrliche Spielweise der Kiezkicker. Beide Male sah man zwei Gelbe Karten, zweimal wegen Meckerns (Saliakas in Bremen, Sinani gegen TSG) und einmal wegen unsportlichen Verhaltens (Fujita wegen Ballblocken, auch gegen Hoffenheim). Eine Ausnahme bildete die unnötige Sturheit von Kaars gegen Bremen.
FC St. Pauli: Hauke Wahl weiterhin ohne Vorwarnung
„Wenn wir eines können, dann ist es, uns zu verteidigen“, sagte Hauke Wall nach dem Spiel gegen das Team von Christina Ilzer. „In der zweiten Hälfte war es pures Überleben.“ Ein überaus faires Überleben, vor allem wenn man sich die Zahlen der Hamburger anschaut, die in der Liga ihresgleichen suchen: Als einziger Verteidiger der Liga, der mindestens 20 Spiele und 1.500 Spielminuten absolviert hat, wurde die St. Pauli-Nummer fünf nicht einmal verwarnt! Auch am Wochenende gewann Wall 56 Prozent seiner Bullys, beging aber kein einziges Foul.
Betrachtet man nicht nur die Verteidiger, sondern alle Feldspieler, ist Val (20 Spiele, 1755 Minuten) immer noch in den Top 3: Lediglich zwei Dortmunder Daniel Svensson (24 Spiele, 1878 Minuten), Cousin des St. Pauli-Mittelfeldspielers Mathias Rasmussen und Nationalspieler Felix Nmecha (24 Spiele, 1805 Minuten) haben in dieser Saison mehr Spielminuten gesammelt, ohne einmal eine Gelbe Karte zu bekommen.
Tatsächlich gelang es dem ehemaligen Kieler, in 53 Spielen für St. Pauli in der ersten Liga stolze 52 Mal ohne Gelbe Karte davonzukommen. In der Bundesliga wurde er nur einmal verwarnt – beim 2:1-Auswärtssieg bei seinem Ex-Klub Kiel im April 2025.
Wenige gelbe Karten – aber zwei Spielern droht bald eine Strafe
Und Wall ist mit seiner ehrlichen Spielweise nicht der Einzige in der Abwehrreihe von St. Pauli. Auch die anderen Startelfspieler der vergangenen Wochen finden sich selten in den Notizbüchern der Schiedsrichter wieder: Smith (3), Saliakas (3), Pirka (3), Mets (2) – ein Spieler, der tatsächlich über seiner körperlichen Stärke liegt, und der erst im Winter zum Team gestoßene Ando (0) glänzen mit gutem Positionsspiel und gesunder Zweikampfausdauer. Louis Opie, der derzeit nur wenig Spielzeit bekommt, wurde in seinen bisherigen 18 Einsätzen noch nicht einmal verwarnt.
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Lediglich Adam Dzigala wurde in dieser Saison bereits wegen seiner letzten und fünften Gelben Karte gesperrt. Vorsicht ist bei den Kiezkickers dennoch geboten: Joel Chima Fujita und James Sands drohen mit bislang vier Gelben Karten eine Sperre für das nächste Vergehen.
