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Rücktritt von Weissmann: ORF-Kuratorium will „umfassende Aufklärung“

    Rücktritt von Weissmann: ORF-Kuratorium will „umfassende Aufklärung“

    Nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weissmann solle es zu einer „umfassenden Aufklärung des Falles“ mit all seinen Aspekten und Hintergründen kommen. Das wollen Heinz Lederer, Vorsitzender des ORF-Kuratoriums, und sein Stellvertreter Gregor Schütze. Dem Compliance-Büro des ORF droht bald der Vorwurf der sexuellen Belästigung, den Weissman jedoch bestreitet. Darüber hinaus sollte eine Task Force eingerichtet werden, die sich mit der Führungskultur im Unternehmen befasst.

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    Das ORF-Kuratorium wird die künftige Geschäftsführung – ORF-Radiodirektorin Ingrid Turner wird am Donnerstag die kommissarische Leitung der Geschäfte übernehmen – bitten, eine solche Task Force einzurichten. Lederer weist darauf hin, dass sich die betroffene Frau nicht an die Whistleblower-Hotline oder die Gleichstellungskommission des ORF gewandt habe, sondern sich direkt an einen Anwalt gewandt und Kontakt zum Kuratorium aufgenommen habe: „Wir wollen wissen, warum sie diesen gemeinsamen Weg nicht gegangen ist. Warum Frauen Angst haben, diesen Weg zu gehen.“ Er fragt sich, ob die für solche Fälle konzipierten ORF-Tools vielleicht etwas langweilig sind.

    Weissmans Zukunft ungewiss

    Weissman selbst ist derzeit beurlaubt. Ob er wieder eine Stammposition beim ORF einnehmen wird, ist ungewiss und dürfte von der weiteren Entwicklung in der Compliance-Stelle abhängen. Lederer und Schütze haben ein Treffen mit ihm vereinbart und wollen den Sachverhalt ausführlich erläutern. Wir überlegen auch, ein externes Unternehmen mit der Aufklärung zu beauftragen.

    Lederer betonte erneut, dass man nach der Kontaktaufnahme durch die Frau „schnell“ gehandelt habe. Anwälte waren in jeder Phase anwesend und es gab keinen Druck auf Weissman, als Generaldirektor zurückzutreten. Weissman selbst sieht das anders und gab am Dienstag über seinen Anwalt bekannt, dass Lederer „Lügen“ verbreite.

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    ORF „voll funktionsfähig“

    Theoretisch sei der ORF trotz des Rücktritts „voll einsatzfähig“, sagte Lederer. Auch mit dem Eurovision Song Contest (ESC) im Mai sieht der Kuratoriumsvorsitzende kein Problem. Dahinter steht ein umfassendes Team, das rund um die Uhr im Einsatz ist.

    Turner wurde zur vorläufigen Generaldirektorin gewählt, weil sie über „öffentlich-rechtliche DNA“ verfügt. Sie stellte immer die Unabhängigkeit an erste Stelle und war eine hervorragende ORF-III-Chefredakteurin und nun auch Radio-Intendantin. Thurnher wolle weiterhin als Radiodirektor arbeiten, sagte Schütz. Die Frage ist nur, ob diese Stelle auch ausgeschrieben werden muss. Anwälte kümmern sich darum.

    Sondertreffen zur Ausschreibung

    Die erste Ausschreibung für die Stelle des Generaldirektors bis Ende 2026 soll nun „ab sofort“ starten. Lederer wollte sich nicht auf den Zeitpunkt der Auftragserteilung festlegen, sagte aber, dass dies bereits im Juni der Fall sein könnte. Eine zweite Ausschreibung für die eigentliche nächste Amtsperiode ab 2027 wird Anfang Mai stattfinden. Im April wird eine Sondersitzung des Kuratoriums stattfinden, um die Ausschreibungskriterien zu vereinbaren und vorzustellen. Lederer und Schütze hoffen, dass sich möglichst viele bewerben – und zwar für beide Amtszeiten.

    Neben dem Rücktrittschaos wird sich der ORF-Stiftungsrat am Donnerstag auch mit der neuen Geschäftsordnung des Obersten ORF-Gremiums befassen. Das Verhalten des von der FPÖ in den Kuratoriumsvorstand berufenen Peter Westenthaler sorgte in den vergangenen Sitzungen mehrfach für Unmut unter anderen Vorstandsmitgliedern.

    Ordentliche Diskussion im Kuratorium

    Künftig wolle man aus „Effizienzgründen“ ein „strengeres Gesprächsmanagement“ einführen. Auch Wiederholungsanträge können ab sofort zu Wort kommen. „Es kann nicht sein, dass die Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden. Es wird also die Möglichkeit von Ordnungsrufen geben. Ich werde sie sehr bescheiden nutzen“, sagte Lederer und betonte, dass die Änderungen der Geschäftsordnung keine „alleinige Anstrengung“ seien, sondern breit diskutiert würden.

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    Führungskräfte wollen zu Ausschusssitzungen keine Keulen und Peitschen mitnehmen. Es setzt auch voraus, dass Ordnungsrufen Folge geleistet wird und Kollegen nicht mehr angeschrien oder unter Druck gesetzt werden. Sollte dies nicht der Fall sein, sieht die künftige Geschäftsordnung auch einen Entzug des Rederechts und eine Unterbrechung der Sitzung vor.

    Auch der ORF-Stiftungsrat will den „Zukunftstag“ erneut durchführen. Diesmal wolle man sich im Mai oder Juni mit der Frage des öffentlichen Dienstauftrags befassen, erklärte Schütz. Schließlich hat die Bundesregierung hierzu eine große Reformdebatte angekündigt.

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