Freiburgs Trainer Julian Schuster (links) und St. Pauli-Trainer Alexander Blessin verstehen sich gut. Foto: WITTERS
Farce nach dem St. Pauli-Spiel: Plötzlich taucht ein entschuldigender Trainer auf
Verrückte Premiere am Millerntor: Erstmals fand die obligatorische Pressekonferenz nach dem Spiel zweimal statt. Zunächst nur mit St. Pauli-Trainer Alexander Blessin und ohne seinen Freiburger Amtskollegen Julian Schuster, worüber der Kiezkicker-Trainer überrascht und nicht sonderlich begeistert schien. Schuster sei mit seiner Mannschaft bereits auf dem Weg zum Flughafen, begründeten die Gastgeber bei der Einleitung. Kein Wunder, dass die Verärgerung noch größer war als etwa fünf Minuten später bei Blessins Runde mit den Hamburger Medienvertretern, die immer nach der offiziellen Pressekonferenz beginnt. Plötzlich war Shuster im Raum Er stand da und sah genauso verwirrt aus wie alle anderen.
Blessin wollte nach der bitteren und vermeidbaren 2:1-Niederlage seiner Mannschaft nicht wirklich scherzen, weil es weh tat, aber es gab immer noch Raum für etwas Ironie. „Zuerst möchte ich Julian zu seinem Sieg gratulieren“, sagte der 52-Jährige mit einem selbstgefälligen Lächeln, bevor er über das Podium im Pressekonferenzraum des Millerntorstadions blickte, wo der immer für den Gasttrainer reservierte Stuhl leer blieb. Herzlichen Glückwunsch in Abwesenheit.
Blessin über Schuster-Ausfall: „Das ist mir noch nicht passiert“
Auf die Frage, ob er die Abwesenheit von Schuster als respektlos empfinde, sagte Blessin: „Ich gehe nicht von etwas Schlechtem aus. Trotz des Zeitdrucks schaffte er es nach Auswärtsspielen immer zur Pressekonferenz. „Irgendwann haben wir sogar gesagt, wir müssten schnell nach Hause fliegen, aber wir haben es trotzdem überstanden.“
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Der offizielle Teil der live auf YouTube übertragenen Einzelpressekonferenz war schnell überlegt und für beendet erklärt, und dann begann der kleinere Kreis mit den Hamburger Medien – bis Schuster mit großen Augen, sichtlich verlegen, entschuldigend, aber scheinbar unentschlossen in den Raum stürmte.
Die Pressekonferenz auf St. Pauli startet zum zweiten Mal
“Komm her!” Blessin schrie laut durch den Raum und grinste breit. Er schien Schuster nicht böse zu sein. Anschließend besprach das St. Pauli-Medienteam mit den Technikern, wie das Problem organisatorisch gelöst werden könnte. Fazit nach hektischem Treiben: Die Pressekonferenz startete zum zweiten Mal. Mit zwei Trainern auf dem Podium – wie es sein sollte. Mit diesem Unterschied in der Etikette wurde dem Gasttrainer, anders als üblich, der zweite Stock gegeben, nachdem Blessin seine Aussage bereits bei der Pressekonferenz Nummer eins abgegeben hatte.
„Zuerst muss ich mich für die Umstände entschuldigen“, sagte Schuster ins Mikrofon und erklärte, dass die Umstände wahrscheinlich hauptsächlich auf eine Kommunikationsstörung zurückzuführen seien. „So einfach war es nicht. Wir hatten einen Flugslot, bei dem das Team schnell nach Hause musste.“ Aber er selbst wird die Nacht in Hamburg verbringen. „Morgen haben wir eine Trainerkonferenz in Düsseldorf und deshalb bleibe ich hier.“ Es blieb unklar, ob dies von Anfang an geplant war oder kurzfristig beschlossen wurde.
Freiburgs Trainer Julian Schuster lobt den FC St. Pauli
Dazu gab es nette Worte. „Ich habe es letztes Jahr getan und ich sage es jetzt noch einmal“, stellte Schuster am Sonntag vor. „Ich hoffe und wünsche mir wirklich, in der nächsten Saison wieder hier auswärts spielen zu können, weil ich das Stadion, diese Fans, diese Mannschaft und auch euch so schön und großartig finde. Nicht nur deshalb, sondern weil ich die Qualität in den Spielen sehe, bin ich überzeugt, dass man das schaffen kann.“ Dann wandte er sich wieder direkt an Blessing und blickte auf sein unteres Gegenstück hinunter. „Ich wünsche dir, Alex, viel Kraft und Energie und Zusammenhalt mit deiner Mannschaft, damit du es gut hinbekommst und auch im nächsten Jahr Teil der Bundesliga bist.“
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Blessin freute sich über die Worte, aber wenn er die Wahl gehabt hätte, hätte er sicherlich lieber auf Schusters Anwesenheit auf dem Podium verzichtet und statt warmer Worte Punkte in der Tasche gehabt. Schön: Trotz der meist überbewerteten Momente, in denen eine Panne schnell zum Skandal wird, nahmen alle Beteiligten und Anwesenden die Sache mit Humor und als das, was sie war: ein Kuriosum.
