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Leitartikel: Gemischte Signale zur Haushaltsumstrukturierung

    Leitartikel: Gemischte Signale zur Haushaltsumstrukturierung

    Gemischte Signale wurden letzte Woche von Bundeskanzler Christian Stoker aus Neu-Delhi gesendet, der das Arabische Meer überquerte und dabei irgendwie die gesperrte Straße von Hormus nach Österreich umging. Einerseits wollen die ÖVP-Chefs im im Juni zu beschließenden Doppelhaushalt eine zusätzliche Milliarde einsparen, andererseits wollen sie dieses Mal aber nicht den Sparstift zücken, wenn es um Rentenanpassungen geht.

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    Wie hoch der gesetzlich ermittelte Anpassungsfaktor für die Renten im nächsten Jahr ausfallen wird, ist noch nicht bekannt, die bisherige Entwicklung der Inflationsrate deutet jedoch auf mindestens drei Prozent hin. Bei Vollentschädigung bedeutet dies einen Mehraufwand für das Rentensystem in Höhe von rund einer Milliarde Euro, der teilweise vom Bund durch Zuschüsse aus dem Landeshaushalt getragen wird.

    Beitrag der Rentner

    Wo die Kanzlerin Recht hat: Die Senioren haben im vergangenen Jahr bescheiden zur Konsolidierung beigetragen. Nicht nur höhere Renten, auch die Krankenversicherungsbeiträge stiegen unter die Inflationsrate. Wichtig für das Gesamtbild sind aber auch die früheren Jahre, in denen die ÖVP zunächst mit der FPÖ und dann mit den Grünen den rechtlichen Anpassungsfaktor noch etwas erhöht und auch weitere Maßnahmen ergriffen hat, die jährlich mehr als 1,5 Milliarden Euro kosten. Diese Berechnung wurde vom Haushaltsdienst des Parlaments erstellt. Auch die Rentenverträge der letzten Regierungen haben wesentlich dazu beigetragen, dass jetzt so viel gespart werden muss.

    Während die Kanzlerin auf dem Weg nach Neu-Delhi war, beschloss die Regierung im Ministerrat außerdem, einen Fonds in Höhe von 370 Millionen Euro für erwerbstätige Rentner bereitzustellen. Angesichts der demografischen Herausforderungen ist es sinnvoll, Rentner im Arbeitsmarkt zu halten. Das bekräftigte AMS-Chef Johannes Kopf am Wochenende in einem Interview für den ORF-Hörfunk. Doch in Zeiten wie diesen erscheinen die Kosten dieser Maßnahme etwas weniger vertretbar.

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    Ein Doppelhaushalt wird politisch schwierig

    Am vergangenen Mittwoch stellte ÖVP-Klubchef August Wöginger eine Berechnung vor, nach der sich jemand mit einer Rente von 2.000 Euro und einem Einkommen von 2.000 künftig 7.000 Euro pro Jahr sparen würde. Es ist keine Gießkanne mehr, es ist mehr als ein Schwimmbad, ein echter Luxus auf Kosten des Staates. Wir müssen die Bewertung dieser Maßnahme abwarten, aber die Mitnahmeeffekte und die Umverteilung von unten nach oben und von jung nach alt können erheblich sein.

    Es kann nicht der Eindruck entstehen, dass die Regierung noch nicht vollständig begriffen hat, wie schwierig ein Doppelhaushalt sein würde. Die Haushaltslücke ließe sich zwar auch ohne Rentenkürzungen schließen, allerdings müsste dann an anderer Stelle deutlich mehr gespart werden. Eine gerechte Lastenverteilung wird weiterhin eine schwierige Aufgabe bleiben. Und vielleicht sogar ein Knackpunkt für diese Koalition?

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