Als Abigail Spanberger 2014 mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter die Zukunftspläne der jungen Familie besprach, war Virginia für die Diskussion noch nicht wirklich bereit. Mit einem Spielzeugglobus in der Hand schlug die damalige CIA-Agentin Länder wie Großbritannien, Costa Rica oder Kenia für ihren nächsten Auslandseinsatz vor, doch die Fünfjährige zog es in den US-Bundesstaat südwestlich der Hauptstadt Washington. Schließlich lebten dort nicht nur die Großeltern, sondern auch alle anderen, die der Familie wichtig waren.
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Elf Jahre später hat Spanberger in Virginia nun zweimal Geschichte geschrieben. Die 46-Jährige ist nicht nur die erste Gouverneurin des Staates, sie besiegte ihre republikanische Gegnerin bei der Wahl am Dienstag auch mit einem Rekordvorsprung von fast 15 Prozent.
Spanberger gewann mit einem speziellen Zentrumsprogramm, das sich auf die alltäglichen Anliegen der Menschen in Virginia konzentriert. Der Wahlkampf der ehemaligen Kongressabgeordneten konzentrierte sich auf die Erhöhung der Lebenshaltungskosten, bessere Schulen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Obwohl sich Spanberger im Wahlkampf für das Recht auf Abtreibung aussprach und ankündigte, dass die örtlichen Polizeikräfte die Einwanderungsbehörde ICE bei Razzien gegen illegale Einwanderer nicht unterstützen würden, wahrte der künftige Gouverneur in seiner Rhetorik und seinen Argumenten stets einen sicheren Abstand zum linken Flügel seiner Partei. Sie hatte dies bereits 2020 scharf kritisiert, als die Demokraten trotz des Wahlsiegs von Joe Biden das Repräsentantenhaus verloren. Spanberger sagte damals, dass die Partei nie wieder das Wort Sozialismus verwenden dürfe.
Spanberger ist in ganz Amerika übertragbar, Mamdani nicht
Die Tochter eines Polizisten und einer Krankenschwester ist vielleicht das stärkste Versprechen der Demokratischen Partei für die Zukunft, wenn es darum geht, ein Rezept gegen die Übermacht von US-Präsident Donald Trump zu finden, der lange Zeit als Unterdrücker galt. Denn während der künftige New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani in einer stark linksorientierten Stadt gegen schwache Konkurrenz siegte, ist Virginia für die Demokraten nicht unbedingt ein Heimspiel. Kamala Harris gewann hier die Präsidentschaftswahl 2024, Spanbergers Vorgänger Glenn Youngkin ist jedoch Republikaner.
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Viele Politikstrategen sehen in Spanberger daher ein Vorbild, das sich – anders als Mamdani – auf den Rest der USA übertragen lässt. Während New Yorks Shooting Star für Wähler außerhalb einiger Großstädte ein Warnsignal darstellt, dürfte Spanbergers pragmatischer und pragmatischer politischer Kurs neben Demokraten und Unabhängigen auch gemäßigte Republikaner ansprechen.
