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Blaues Hoch: Droht Österreich, dass die FPÖ zur autoritären Republik wird?

    Blaues Hoch: Droht Österreich, dass die FPÖ zur autoritären Republik wird?

    Zumindest für Nächsten Samstag Meteorologen sagen, dass es oben keinen strahlend blauen Himmel gibt Kärnten Voraus, aber Wolken, Regen und ein paar Schneeflocken in höheren Lagen. Die Stimmung in der Klagenfurter Messehalle könnte gegensätzlicher kaum sein, wenn Herbert Kickle und die FPÖ an diesem Tag zu ihrem traditionellen Neujahrstreffen einladen. Die Freiheitliche Partei hat sich seit mehr als zwei Jahren als stärkste Kraft im Land etabliert – und die Kluft wird immer größer.

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    Liegt das „nur“ an der Schwäche der Konkurrenz, insbesondere der Dreiparteienkoalition aus ÖVP, SPÖ und Neos – oder ist die FPÖ wirklich so stark, wie die Umfragen vermuten lassen? „Beides und weil das eine das andere braucht“, ist Christoph Pochinger überzeugt. Der Politikberater steht der FPÖ nahe und kennt die Partei in all ihren Ablegern. Als Grund für den anhaltenden Aufstieg der Blauen nennt er das Gefühl vieler Wähler, dass die FPÖ möglicherweise die letzte Chance sei, die Dinge zum Besseren zu wenden. Die FPÖ dient für viele als ultimative Lebensader, ohne dass sie, wie Potchinger kritisch anmerkt, „die Wahrheit dieser Hoffnungen erst noch beweisen muss“. Interessanterweise sieht sich die Dreierkoalition in den Augen ihrer Anhänger und in ihrem eigenen Selbstverständnis in derselben Rolle.

    Wie steht die FPÖ zu Identifikatoren?

    Dass Kickal Anfang 2025 seine Chance auf die Kanzlerschaft verpasst hat, stört die Partei angesichts seiner wachsenden Beliebtheit in den Umfragen nicht mehr. Doch will Kickal angesichts einer Fülle unpopulärer Entscheidungen, von Sparpaketen bis hin zu Sanktionen gegen Russland, überhaupt Kanzler werden? „Ja, klar“, sagt Potchinger und verweist auf sein verändertes Auftreten in Anzug und Krawatte nach der Nationalratswahl.

    Strategisch und inhaltlich sieht der FPÖ-Experte die Freiheitlichen auf dem Weg zu einer Mitte-Rechts-Partei, die alle rechten und konservativen Kreise ansprechen und umfassen will. Wie passt das zu der geradezu provokativen Inszenierung rechtsextremer Identitärer und ihres Aushängeschilds Martin Sellner, von dem sich Kickels Vorgänger Heinz-Christian Strache und Norbert Hofer scharf distanzierten? Auch Pöchinger bezeichnet diesen Kurs als „Gratwanderung“, doch die FPÖ wolle alle Besonderheiten im rechten Spektrum ansprechen. Identitäre sind also wirklich „so etwas wie eine NGO von rechts“, wie Kickl es 2021 formuliert. Der FPÖ-nahe Berater sieht eine Überschneidung zwischen Partei und Identitären, die aber in der öffentlichen Darstellung überschätzt wird: „Mit dieser Debatte versucht die politische Konkurrenz, die FPÖdische als gefährliche Partei darzustellen.“

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    Aber ist Kickal nicht selbst dafür verantwortlich, etwa durch seine Unterstützung für US-Präsident Donald Trump und den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán? Obwohl Österreich als FPÖ-Kanzler „sicherlich keine autoritäre Republik werden wird“ und Kickl selbst „nicht das Monster sein wird, als das seine Gegner ihn darstellen“, ist sich Potchinger sicher und verweist einmal mehr auf seine Fähigkeit, sich an veränderte Bedingungen anzupassen – Stichwort: Regierungsfähigkeit. Allerdings ist sich der FPÖ-Obmann bewusst, dass die Wahlen auch einen deutlichen Wandel bringen müssen und nicht einfach nur mit anderen Parteien und Menschen weiterreden müssen, sonst wird die Unterstützung für die FPÖ schnell wieder einbrechen.

    Im Zweifelsfall für Landwirte

    Vor allem die beiden blauen Kernländer Steiermark und Oberösterreich würden stark vom Mercosur-Freihandelsabkommen profitieren, doch die FPÖ lehnt das Abkommen immer noch lautstark ab. Pöchinger räumt ein, dass die FPÖ hier vor einem Dilemma steht. Im Zweifelsfall priorisiert die Partei die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Österreich. Ein Austritt aus der EU steht nicht zur Debatte, weder Orbáns Neinsagerkurs noch das „letzte Wort der Weisheit“ von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, sondern es geht darum, den Nettozahlerstatus stärker als Verhandlungshebel zu nutzen.

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