Nicolai Müller verletzte sich am 19. August 2017 schwer – nach einem Tor für den HSV gegen Augsburg. Foto: imago images/Sven Simon
„Blöde“ Verletzung gegen Augsburg: Das macht Ex-HSV-Profi Nicolai Müller jetzt
Das letzte Heimspiel des HSV gegen den FC Augsburg fand neun Monate vor dem endgültigen Abstieg aus der Bundesliga statt und endete aus Hamburger Sicht eigentlich positiv. Beim 1:0-Sieg im Volkspark am 19. August 2017 kam es jedoch zu einem herben Rückschlag: Nicolai Müller, der beste Torschütze der Vorsaison, zog sich einen Kreuzbandriss zu. Und das auf dramatische Art und Weise – bei gleichzeitigem Jubel über das einzige Tor.
Nach seinen eigenen Toren veranstaltete Müller gerne eine „Helikopter-Feier“, bei der er sich mit ausgestreckten Armen um die eigene Achse drehte. Und das tat er nach seinem frühen Führungstreffer (8.) gegen Augsburg im ersten Spiel der Saison 2017/18. Nachdem Müller eine Flanke von Wallace ausgenutzt hatte, um FCA-Torwart Marvin Hitz ins kurze Eck zu schlagen, drehte sich der Torschütze um und lief in Richtung der Eckfahne zwischen Süd- und Ostseite des Volksparkstadions. Bei einer seiner Pirouetten blieb er jedoch im Gras stecken.
Kreuzbandriss im letzten Heimspiel des HSV gegen Augsburg
Müller schrie, umklammerte sofort sein rechtes Knie und kämpfte unter Schmerzen damit, die Glückwünsche von Kyriakos Papadopoulos, Andre Hahn und Co. entgegenzunehmen. Der Angriffsmann wurde von den HSV-Ärzten behandelt, kehrte auf den Platz zurück, verlief jedoch nicht reibungslos – und wurde bereits sieben Minuten nach der Pause ausgewechselt. Der HSV gewann sein erstes Spiel ohne Müller, verlor aber einen seiner torgefährlichsten Spieler seit langem. Denn nach dem Sieg kam die niederschmetternde Diagnose: Kreuzbandriss. Mindestens sechs Monate frei.
Auf hsv.de erinnerte sich Müller kürzlich an einen der bittersüßsten Momente seiner Karriere. Es war schlimm, wie die Verletzung passiert ist, dachte er. „Es war sehr schwierig, da draußen zu sein und nicht helfen zu können.“ Zumal Ex-HSV-Trainer Markus Gisdol einen festen Plan für die Saison hatte, die letztlich im Abstieg endete. „Ich hatte meine Rolle in der Mannschaft und war einer der Führungsspieler“, erklärte Müller. „Und ich wusste, wie viel es den Fans und der Stadt bedeutet, dass der HSV in der Bundesliga spielt.“ Ein Jahr nach dem Knie-Drama gegen Augsburg war dies nicht mehr der Fall. Erst in Spiel 33 konnte Müller erneut eingreifen – und konnte den erstmaligen Aufstieg des HSV in die Zweitklassigkeit nicht verhindern. Im Sommer 2018 wechselte er zu seinem Heimatverein Eintracht Frankfurt.
Ehemaliger HSV-Profi erinnert sich: „In der Reha habe ich viel gelernt“
Damit blieben dem HSV in insgesamt 88 Pflichtspielen 17 Tore und 15 Assists. Sein wichtigstes Tor mit der Raute auf der Brust war sicherlich der 2:1-Sieg nach Verlängerung im Relegationsrückspiel gegen den Karlsruher SC am 1. Juni 2015. Er wurde zusammen mit dem 1:1-Torschützen Marcelo Diaz zum Hamburger Helden. Doch auch eine schwere Knieverletzung, nach der er sein altes Leistungsniveau nicht mehr halten konnte, prägte Müller nachhaltig. „Ich habe in der Reha viel über mich selbst gelernt und Erfahrungen gemacht, die ich vorher nicht hatte“, erzählte der heute 38-Jährige kürzlich. „Seit ich klein war, habe ich in Mannschaften gespielt, aber während der Reha war ich auf mich allein gestellt. Ich musste jeden Tag diszipliniert sein, um wieder auf das Feld zu kommen.“
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Nach seinem Abschied vom HSV war Müller in der Rückrunde 2018/19 weder in Frankfurt noch bei seinem Leihverein Hannover 96 richtig glücklich. Also ging er, zog mit seiner Familie nach Australien und spielte nacheinander für die beiden Erstligisten Western Sydney Wanderers (2019 bis 2021) und Central Coast Mariners (2021 bis 2022) und nach anderthalb Jahren Pause für den Unterligisten Hills United (Februar bis November 2024). Dann beendete der ehemalige Hamburger Fußballspieler seine aktive Karriere. Mueller lebt weiterhin mit seiner Frau Jessica und den gemeinsamen Kindern „Down Under“. „Das Leben ist hier viel ruhiger als in Deutschland“, sagte der zweifache Familienvater vor sechs Wochen zu hsv.de. „Und das Wetter ist ein großes Plus.“
Muller ist jetzt Trainer beim australischen Verein Macarthur FC
Müller bleibt dem Fußballgeschäft treu: Seit nunmehr zwei Saisons ist er Trainer der zweiten Mannschaft des australischen Erstligisten Macarthur FC. Seit mehreren Monaten begleitet er die Profis als Co-Trainer. „Ich besuche jedes Training und sitze bei Heimspielen auf der Bank“, erklärte er und verriet: „Ich möchte so viel wie möglich von meiner Erfahrung an die jüngeren Spieler weitergeben. Es ist ein tolles Gefühl, wenn es zwei, drei Jungs zu den Profis schaffen, und dazu konnte ich ein wenig beitragen.“ Beim HSV spielte er am 19. August 2017 unter anderem an der Seite der damaligen Jungprofis Rick van Drongelen und Gideon Jung. Müller hingegen galt bereits als Routinier, als er sich fünf Wochen vor seinem 30. Geburtstag einen Kreuzbandriss zuzog.
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Der Trainer des FC Augsburg war damals übrigens derselbe wie heute: Manuel Baum. Michael Gregoric, der zuvor zwei Jahre für den HSV spielte, gehörte damals wie heute ebenfalls zum Kader der Fuggerstädter. An diesem Samstag (15:30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) kehrt der FCA zum ersten Mal seit fast 104 Monaten wieder in den Volkspark zurück.
