Sparen darf nicht zu Lasten armutsgefährdeter Menschen gehen: Diesen Appell richten österreichische Bischöfe nun an die Politik. „Geordnete Staatsfinanzen, die künftige Generationen nicht ungerecht belasten, sind dem Gemeinwohl verpflichtet und Ausdruck verantwortungsvoller Politik“, heißt es in dem Papier, das diese Woche bei ihrer Generalversammlung in der Oststeiermark verfasst wurde. Sie fordern eine besondere Berücksichtigung armutsgefährdeter Menschen bei der geplanten Haushaltskonsolidierung; Ziel sollte es sein, die Armut zu reduzieren und nicht den Druck auf die Betroffenen zu erhöhen – auch international. Die Bischofskonferenz forderte einen „maßvollen“ Umgang mit Budgeteinsparungen in der Entwicklungszusammenarbeit, um bewährte und international anerkannte Programme nicht „nachhaltig zu schädigen“.
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Ein Grundprinzip der katholischen Soziallehre
Obwohl die Bischöfe die Bedeutung solider öffentlicher Finanzen betonen, die „ein Ausdruck des Gemeinwohls und einer verantwortungsvollen Politik“ seien, sei auch ein starkes Sicherheitsnetz notwendig. „Es gehört zur politischen Erfolgsgeschichte Österreichs in der Zweiten Republik, dass wichtige Kräfte in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei wichtigen Entscheidungen und notwendigen Veränderungen auf Kooperation und Kompromisse setzten.“ Ein Ansatz, der auch den Grundprinzipien der katholischen Soziallehre entspricht.
Unterstützung für Familien
In dem Papier verweisen die örtlichen Schäfer auch auf den großflächigen demografischen Wandel, den auch AMS-Chef Johannes Kopp diese Woche thematisierte: Angesichts sinkender Geburtenraten, Einsamkeit und eines drohenden „demografischen Winters“ fordern sie eine stärkere Unterstützung von Familien und eine kinderfreundlichere Gesellschaft. „Wo Kinder willkommen sind und Familien unterstützt werden, wächst nicht nur das persönliche Glück und der Sinn im Leben, sondern auch die Hoffnung auf ein gesellschaftliches Miteinander und Füreinander“, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Text der Österreichischen Bischofskonferenz, der auch eine stärkere Beteiligung der Väter an der Betreuungsarbeit fordert.
Die Folgen dieser Entwicklungen sind Arbeitskräftemangel, sich verändernde Regionen und Fragen zur Alterssicherung, zu Staatsfinanzen sowie zu Gesundheits- und Pflegesystemen. Darüber hinaus wird Einsamkeit immer mehr zu einem kollektiven Phänomen.
„Stoppt den Krieg“
Darüber hinaus sind die Hirten vor Ort schockiert über das Leid, das der Iran-Krieg über den Nahen Osten und die Golfregion gebracht hat. Sie warnen vor einem noch größeren Aufflammen, wenn die Kämpfe nicht bald enden. „Stoppt den Krieg!“ Dies ist auch der Aufruf des Bischofs. „Krieg allein ist nicht die Lösung und kann keine Demokratie aufbauen, aber er sät oft die Saat für noch mehr Hass und neue Gewalt“, hieß es wörtlich in der Erklärung. Eine auf Gewalt basierende Weltordnung kann jedoch niemals eine stabile und mit Sicherheit gerechte und friedliche Ordnung schaffen. Es gibt keinen Ersatz für das Völkerrecht, die Arbeit internationaler Organisationen und die Diplomatie.
Das Beileid und die Gebete der Bischöfe gelten „der unvorstellbaren Zahl der Opfer und ihren Familien der friedlichen Demonstrationen im Iran zu Beginn des Jahres“ sowie den zivilen Opfern und ihren Familien der aktuellen Feindseligkeiten. Das Anliegen der Bischöfe gilt insbesondere auch den christlichen Gemeinschaften in kriegszerrütteten Ländern. In Konflikten und Kriegen sind Minderheiten immer die ersten Opfer. Die Warnungen katholischer Patriarchen und Bischöfe im Nahen Osten vor einem weiteren Exodus von Christen aus ihren Heimatländern sollten ernst genommen werden. „Das christliche Leben, das seit der frühen Kirche zweitausend Jahre lang existierte, läuft Gefahr, völlig zu verschwinden“, heißt es in der Erklärung.
„Religionsunterricht wird von der Mehrheit genutzt“
Shepherd betonte in dem Papier auch, dass gemeinschaftlicher Religionsunterricht auch im Jahr 2026 noch relevant sei: „Gerade in einer vielfältigen Gesellschaft, in der es um das Zusammenleben geht, ist er als Lernort für die Mehrheit unverzichtbar.“ Aktuellen Statistiken zufolge ist die Beteiligung am Religionsunterricht weiterhin hoch: Mehr als 90 Prozent der katholischen Schüler besuchen den Unterricht; Etwa 40.000 Menschen melden sich für das Wahlpflichtfach Religion an, obwohl sie keiner Religionsgemeinschaft angehören.
Neue Verantwortlichkeiten
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Bei seinen Beratungen in St. Johann bei Herberstein wurden auch Änderungen in den Zuständigkeiten einzelner Bischöfe vorgenommen. Erzbischof Franz Lechner ist nun auch für die Medien zuständig, Bischof Manfred Scheuer für die Weltkirche und Bischof Egidius Zsifkovics für die Ökumene. Die Europaeinteilung wurde dem Militärbischof Werner Freistetter übertragen. Bischof Hermann Glattler ist nun für die neu geschaffene Abteilung „Soziales Engagement“ verantwortlich, zu der auch Laieneinrichtungen gehören. Weihbischof Stefan Tarnowski betreut das Ressort „Beziehungen, Ehe und Familie“ und Weihbischof Johannes Freytag ist für die Kinder- und Jugendseelsorge zuständig.
