„Gianni Infantino regiert wie ein Sonnenkönig. Ich habe von der FIFA gehört, dass er nicht begrüßt werden möchte, wenn er in der FIFA-Zentrale erscheint, was selten vorkommt. Denn irgendwann soll ihn jemand mit ‚Bonjour, Monsieur Blatter‘ angesprochen haben“, sagte Joseph Blatter in einem Interview mit „Sport Bild“. Die Schweizer waren empört über den Zustand des Weltverbandes.
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„Wer ist die FIFA heute? Sie besteht nur noch aus ihrem Präsidenten Infantino. Die FIFA ist eine Diktatur! Der etwa 40-köpfige FIFA-Rat hat nichts zu sagen“, fuhr der Schweizer fort. Blatter selbst war von 1998 bis 2015 FIFA-Präsident. Am 10. März trat der 90-jährige Blatter nach Korruptionsermittlungen zurück. Auch seine Amtsführung war höchst umstritten.
Blatter kritisierte außerdem, wie sich Infantino und insbesondere US-Präsident Donald Trump im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada in diesem Sommer in der Öffentlichkeit verhalten würden. „Natürlich wird Trump sich inszenieren, das tut er schon! Dafür braucht er seinen neuen Freund, FIFA-Präsident Gianni Infantino“, sagte Blatter. „Das Wort ‚Begleiter‘ ist passender als ‚Freund‘.“ Blatter sieht Infantino als Trump unterwürfig. „Als Subjekt.“ Infantino schmeichelt Trump, weil er es muss.
Die FIFA kontert: Die Arbeit der Verbandsbosse wird in mehr als 200 Ländern positiv gesehen und ist beliebt und geschätzt. Tatsächlich sorgte er in seinem ersten Jahrzehnt als FIFA-Chef für mehr weltweite Teilnahme an Wettbewerben und an vielen Orten für physische Sicherheit. Karl-Heinz Rummenigge sagte in einem Interview mit dem Weltverband, dass Infantino „das Herz des Fußballs“ habe. „Ihn interessieren nicht nur die Vorwürfe auf der Einnahmenseite, sondern er interessiert sich wirklich für den Fußball“, versicherte der Aufsichtsrat des FC Bayern München, der sich in verschiedenen Funktionen mit Infantino befasste.
FIFA betont Fortschritte unter Swiss
Derzeit gibt es keinen Fußballgegner wie Blatter. Anders als die Medien und das Fanlager sind Kritiker des Fußballgeschäfts weitgehend zurückgeblieben. Infantinos Dominanz wird nun akzeptiert. Bei seiner Wahl stellte der heute 55-Jährige eine jugendliche, pragmatische und fußballorientierte Abkehr von den Skandaljahren der Blatter-Ära dar. Zu ihrem Jubiläum nannte die FIFA mehrere selbst identifizierte Erfolgsbereiche: Fußballentwicklung, globale Expansion, Entwicklung des Frauenfußballs, technologischer Fortschritt und gute, transparente Unternehmensführung.
Die Amtszeit Infantinos nimmt kein Ende. Nächstes Jahr könnte er für weitere vier Jahre zum FIFA-Chef ernannt werden. Vor diesem Hintergrund wurden die Gesetze präzisiert und die ersten drei Jahre der Ablösung Blatters nicht als volle Amtszeit gewertet. Allerdings ist kein Oppositionskandidat in Sicht.
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