St. Pauli-Aufstiegsheld Marcel Hartel trifft zum ersten Mal seit seinem Abschied wieder auf seine alte Liebe. Und er ist nicht der einzige Kiezclub-Experte bei Hannover 96.
Es sind noch die Utensilien von früher vorhanden. Trikot, Shorts und Socken von Marcel Hartel vom 12. Mai 2024 warten immer noch auf einen besonderen Platz im noch zu bauenden Zuhause seiner Familie. An diesem Tag gelang ihm mit dem FC St. Pauli durch einen 3:1-Sieg gegen den VfL Osnabrück der Aufstieg in die Bundesliga und rund zweieinhalb Jahre später kam es zum ersten Wiederaufeinandertreffen. Nämlich in der voraussichtlich ausverkauften Heinz von Heiden Arena in Hannover, wo am Samstag das Spitzenspiel der zweiten Liga zwischen 96 und Kiezklub stattfindet.
„Abgesehen vom Derby gegen Braunschweig war das das Spiel, bei dem ich mir sofort angeschaut habe, wann es läuft“, sagt Hartel. „Natürlich ist das ein ganz besonderes Spiel für mich, weil ich eine sehr schöne Zeit auf St. Pauli hatte. Ich kenne dort immer noch viele Leute und das Personal ist größtenteils gleich geblieben.“ Einige Kollegen halten noch heute Kontakt. An Eric Smith, an den jetzigen Wolfsburger Hauke Wahl – und an Elias Saad, was angesichts der Umstände ganz besonders gilt.
Hartel und Saad tauschen sich regelmäßig aus
Hartel und Saad hatten in den letzten Wochen und Monaten viel zu besprechen gehabt, denn der eine konnte sich immer qualifizierten Rat vom anderen holen. „Elias und ich telefonieren oft“, verrät Hartel. „Er rief mich im Sommer an und wollte ein paar Dinge über die USA und die Stadt Nashville wissen.“ Aufgrund seiner Erfahrung mit St.Louis in der MLS war Hartels Fachwissen natürlich gefragt, aber meistens war das Gegenteil der Fall.
Einerseits wurde Saad in der Rückrunde der vergangenen Saison an Hannover 96 ausgeliehen. Und andererseits war es kein Geringerer als Hartels neuer Trainer Sandro Wagner, der ihn im Sommer 2025 zum FC Augsburg schickte. „Als klarer wurde, dass ich nach Hannover gehe, habe ich ihn angerufen und etwas über 96 herausgefunden“, sagt Hartel. „Als Sandro zu uns kam, war das auch ein Problem. Elias hat sehr lobend über ihn gesprochen.“
Und tatsächlich gibt es noch weitere Zusammenhänge zwischen „Roten“ und Braun-Weißen. Fabio Morena, langjähriger Kapitän des FC St. Pauli, ist seit langem der Teammanager von Dr. Hauke Front-End. Und dann gibt es noch einen Kick.
Großes Lob für den ehemaligen St. Pauli-Talent Franz Roggow
Franz Roggow machte zwischen 2018 und 2023 in den U17-, U19- und U23-Mannschaften von St. Pauli auf sich aufmerksam und machte mit der Reserve von Borussia Dortmund den nächsten Schritt. Der 24-Jährige ist mittlerweile in seinem zweiten Jahr als Profi in Hannover und kam in dieser Saison bereits auf fünf Einsätze. So zum Beispiel letzten Samstag in Magdeburg, als ihm nach drei Minuten ein schrecklicher Fehler unterlief, der zu einem Rückstand von 96 Punkten führte. Am Ende stand es 0:3.
„Ich habe Franz jetzt seit sechs Wochen im Training gesehen, ich habe ihn in Testspielen gesehen, er ist ein herausragender Spieler“, sagte Hartel. „Er hat im Training Woche für Woche Qualität gezeigt, aber leider war er am Wochenende nicht zu 100 Prozent auf dem Platz. Aber das gehört zum Fußball dazu.“ Er ermutigte Roggow sofort nach seinem Fehler, und viele Kollegen folgten ihm. „Franz muss das hinter sich bringen und die Fassung bewahren. Aber ich weiß es auch zu schätzen, dass es ihm bereits gelungen ist.“
Und deshalb ist er bereit für ein Duell, in dem für Sentimentalität kein Platz ist. Denn während St. Pauli (Hartel: „Sie hatten Anfangsschwierigkeiten, aber jetzt sind sie im Wandel“) sich höher etablieren will, muss Hannover dort zunächst andocken. „Volle Konzentration auf St. Pauli“, verkündete Hartel damals. „Wir werden alles geben. Mit den Fans im Rücken, ein tolles Spiel, Samstagabend – es gibt wirklich nichts Schöneres, als zu Hause drei Punkte zu holen.“ Egal wie der Gegner heißt.
