Die Zeiten der zufälligen Spaziergänge sind für Julia Scheib längst vorbei. Vor Jahren nur findigen Skiexperten bekannt, ist der Weststeirer heute vielleicht der größte Shootingstar des ÖSV – das beweist nur das übergroße Werbeplakat seines Hauptsponsors Rauch, das den 27-Jährigen in Wien einige Tage lang zum Schmunzeln brachte. Authentisch, aggressiv und äußerst erfolgreich – kein Wunder, dass sich nicht nur der Getränkehersteller über die Zusammenarbeit mit dem neuen Gesicht der Marke freut. Auch seine Followerzahl in den sozialen Netzwerken ist riesengroß. Rund 40.000 Menschen folgen Frauenthaler auf Instagram, die ständig aktualisiert werden.
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Für Scheib kein Mehraufwand, aber vor allem eines: Spaß. „Aber das war nicht immer so“, verrät sie und macht keinen Hehl daraus, dass in den sozialen Medien nicht alles Gold ist, was glänzt. „Aber ich denke, unser Spiel hat so viel zu bieten und zeigt trotzdem so wenig. Ich möchte ein besseres Verständnis vermitteln. Aber alles, was ich tue, ist ehrlich und das bin ich. So soll es sein.“
Scheib bleibt seinen Wurzeln treu
Scheib nimmt keine Anpassungen vor, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Sie bleibt nicht nur ihrer eigenen Linie treu, sondern auch ihren Wurzeln. Der Lebensmittelpunkt der Weltcup-Spitzenreiterin im Riesenslalom liegt nach wie vor in der Weststeiermark, auch wenn sie vor allem im Winter oft in die Ferne reist. Noch besser ist es, wenn der eigene Fanclub aus Frauental aktiv zu den Rennen reist. „Es ist schön, eine Community zu haben, die bei einem Skirennen Zeit miteinander verbringt und Spaß hat. Noch schöner ist es, wenn man als Fan schon vor dem Rennen mit Erfolgen flirten kann.“
Der dreimalige Saisonsieger gehört definitiv zur neuen Sportlergeneration im Alpinen Skiweltcup. Der Blick reicht weit über jedes Tal hinaus. Das ÖSV-Ass weiß nicht nur, dass Neuerungen in seinem Spiel weitgehend fehlen, sondern auch Einblicke hinter die Kulissen. Seit er Max Verstappen am Red Bull Ring kennengelernt und getroffen hat, wünscht sich Scheib eine Art „Überlebensdrang“ in seinem Spiel. „Und ich denke auch, dass die FIS in diese Richtung gehen möchte. Sie braucht es. Man sieht immer das Gleiche, aber hinter den Kulissen passiert so viel, was man sich nicht einmal vorstellen kann. Es wird auf jeden Fall gut angenommen.“
Darmübelkeit verstehen
Doch bei allem Innovationsgeist und Elan des steirischen Shootingstars teilt sie viele Ansichten mit etablierten Sportlern des Sports. Als junges Talent blickte sie zu Anna Veith und Eva-Maria Brem auf und zeigt nun Verständnis für die Ansichten einer der Besten des Sports. Bevor sich Lara Gut-Behrami schwer verletzte, hatte sie sich beim Saisonauftakt in Sölden heftig geäußert und vor allem Nachwuchssportler kritisiert. Der Schweizer sagte damals: „Ich werde wütend, wenn ich junge Skirennfahrer sehe, die sich nicht qualifizieren und sich trotzdem so verhalten, als sei alles in Ordnung.“
Ein Ansatz, den Scheib durchaus teilt. „Als ich das sah, musste ich schmunzeln, weil ich vor zwei, drei Wochen den gleichen Gedanken hatte“, verrät Scheib. „Da ist auf jeden Fall etwas dran. Wir alle geben so viel für dieses Spiel und dann ist es nicht in Ordnung, wenn man es nicht in die zweite Runde schafft, aber dann ist für einen kurzen Moment alles eine Katastrophe.“ Aber es sei wichtig, „bei dieser Frage nicht alle über einen Kamm zu scheren. Es ist definitiv nicht für alle das Gleiche.“
Haben Sie keine Angst vor dem Super-G
Als sie jünger war, versuchte sie immer, etwas von etablierten Sportlern zu lernen. „Es könnte heute und jederzeit danach passieren.“ Ob sie in Vorbereitung auf ihr Super-G-Debüt am Sonntag einiges von ihren ÖSV-Kolleginnen abgeschaut hat, wollte Scheib nicht verraten. „Bei Nummer 50 bin ich nicht am Start. Es kommt aber noch mehr auf meine Technik an und darauf, dass ich sauber auf den Skiern stehe. Wenn mir das gelingt, wird sich das auf jeden Fall im Ergebnis widerspiegeln.“ Um Österreichs alleinigen WM-Spitzenreiter muss sich aber vorerst niemand Sorgen machen. Das Debüt in der schnellen Disziplin ist schon lange geplant und gut durchdacht. „Es gibt Respekt, aber auf keinen Fall Angst. Es hat keinen Sinn, mit Angst Ski zu fahren, und ich würde es auch nicht tun.“
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