In den letzten vier Spielen spielte Robert Glatzel (32) nur die Rolle eines Zuschauers. Seine Bilanz: 14 Ligaeinsätze, drei Startelfeinsätze, ein Tor Foto: WITTERS
Nach einem Interview mit MOPO: Gut für den geliebten HSV Glatzel! Das sagt Polzin
Robert Glatzel wollte nicht länger schweigen. Das konnte er nicht, weil seine Situation beim HSV „extrem frustrierend“ war und ist. Also öffnete sich der Angreifer und sprach bei MOPO so offen wie nie zuvor. Eine seiner Hauptbotschaften: „Ich möchte die Situation der letzten neun Monate auf keinen Fall noch einmal durchleben. Das ist mir klar.“ Wo ist seine Zukunft? Dies ist noch offen. Merlin Polzin reagiert auf das Interview seines Profis am Donnerstag.
Sanktion? Ignorieren? Suspension? Für den HSV-Trainer war klar, dass er zum Fall Glatzel befragt werden würde. Also hat er sich etwas ausgedacht. „Ich sehe das anders. Jeder Spieler hat ein Recht auf die Meinung, die Bobby hat. Und es ist für mich nichts Neues, dass auch Spieler, die mit ihrer Spielzeit oder ihrer Rolle unzufrieden sind, das zur Sprache bringen. Das ist völlig legal“, sagte Polzin. „Die andere Sache ist der Prozess. Bobby hat sich bewusst dafür entschieden, es so zu machen. Das entspricht nicht den Regeln in unserem Verein. Also haben wir es intern geklärt und klare Worte gefunden.“
Glatzel wird vom HSV wegen MOPO-Interviews mit einer Geldstrafe belegt
Laut MOPO erhält Glatzel eine Geldstrafe. Der Grund liegt nicht in erster Linie im Inhalt, sondern darin, dass das Interview mit dem HSV nicht vereinbart und abgelehnt wurde. Hierzu sind die Spieler vertraglich verpflichtet. Der Angreifer entschuldigte sich intern dafür. „Meiner Meinung nach ist es nicht der richtige Weg, sich ohne Rücksprache so zu äußern“, betonte Polzin. „Bobby hat das gesehen.“
Dass es sportliche Konsequenzen geben wird, ist zwar unwahrscheinlich, dennoch bleibt die Frage offen. „Man kann in alle Richtungen denken. Aber die Aufstellung für das Wochenende steht noch nicht fest“, sagte Polzin und fügte hinzu: „Es ist nicht so, dass ich ihn für die nächsten Wochen ausgeschlossen habe.“ Glatzel muss keine Sperre befürchten wie Jean-Luc Dompe, der wegen Trunkenheit am Steuer eine Strafe erhielt.
Ob der 32-Jährige zum Spiel nach Dortmund reist, wird am Freitag entschieden. Nach vier 90-minütigen Ausfällen in Folge dürfte er im Signal Iduna Park jedenfalls nicht in der Startelf stehen. Mehr noch, wie Glatzel in MOPO anmerkte: „Wenn man sich das Heidenheim-Spiel noch einmal anschaut, sind es jetzt fünf von sieben Spielen, in denen ich komplett auf der Bank gesessen habe, obwohl ich wieder zu 100 Prozent fit bin.“ Nach der 0:1-Niederlage gegen Leverkusen wandte er sich an Polzin und verlangte eine Erklärung. „Er hat mir seine Gründe genannt. Ich möchte nicht öffentlich darüber reden“, hielt er sich bedeckt. „Das sind interne Probleme.“
Glatzel betonte, dass es um den Verein gehe und der Klassenerhalt an erster Stelle stehe: „Ich möchte kein Feuer machen oder mich über die Mannschaft stellen.“ Gleichzeitig sagte er: „Ich möchte einfach ein paar Dinge loswerden und mich positionieren.“ Er war sich bewusst, dass seine Äußerungen Konsequenzen haben würden. Und auch, dass er ein Gespräch mit Polzin führen wird. Zwei Tage nach der Veröffentlichung erklärte der HSV-Trainer: „Wir haben auf mehreren Ebenen Gespräche geführt, um einen Haken dahinter zu setzen.“ Auch die Vereinsbosse beteiligten sich an den Gesprächen. „Das ist ein Thema, das eine Ebene höher geht“, bestätigte Polzin und betonte: „Letztendlich haben wir als HSV das gemeinsame Ziel, den Verein in die Oberliga zu bringen.“
Das Mannschaftstraining verlief diese Woche ganz normal
Glatzel trainierte am Mittwoch und Donnerstag ganz normal mit der Mannschaft. Im Training will er sich trotzdem nicht unterkriegen lassen. „Wer mich kennt, weiß, dass ich ein absoluter Profi und Vollblutfußballer bin. Ich würde nie etwas dafür geben“, stellte er klar. Und auch wenn ein Einsatz im Saisonfinale unwahrscheinlich ist: „Das Happy End ist für mich auf jeden Fall, dass wir die Liga halten. Das ist das Wichtigste und das möchte ich noch einmal ganz deutlich betonen.“
Die Aussichten des HSV auf den Klassenerhalt sind gut. Glatzels Spielchancen dürften sich mit dem Interview kaum verbessert haben. „Bobby weiß, was für sein Spiel funktioniert und was nicht“, sagte Polzin, der sich lieber auf die Laufqualitäten und die Geschwindigkeit von Ransford Königsdörffer und Damion Downs verlässt und weniger auf die Abschlusskraft und Sicherheit von Glatzels Kombination. „Das Thema ist durch seine Aussagen jetzt wieder sehr groß. An der künftigen Ausrichtung hat sich für mich aber wenig geändert. Mich stört das nicht.“
Polzin macht sich keine Sorgen – wo ist die Zukunft von Glatzel?
Der Torschütze kennt seine Stärken und Schwächen. Aber er „kann nicht ganz verstehen“, warum es nicht so gut in das System des Spiels passen sollte wie die klassische Neun. „Generell kann ich nachvollziehen, dass es auch Spiele gibt, bei denen andere Tugenden gefragt sind“, sagte er. „Andererseits konnte ich in den drei Spielen, in denen ich in der Startelf stand, deutlich zeigen, dass ich der Mannschaft helfen kann.“
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Glatzels Vertrag beim HSV läuft noch etwas mehr als ein Jahr, also bis Ende Juni 2027. Ob er bis dahin bleibt, ist allerdings offener denn je. Er könnte im Winter gehen. Und nicht nur Polzin und die Fans wissen, dass er mit seiner Rolle unzufrieden ist, sondern auch viele andere Vereine.
