„Ich kann Ihnen sagen, das stört mich genauso sehr, wie mich die Kälte schon die ganze Woche geplagt hat“, sagte Eva-Maria Holzlatner am Freitag vor Medienvertretern vor dem SPÖ-Präsidium. Was den Wissenschaftsminister sehr verärgert hat, sind seine eigenen Kollegen (keine Rasse erforderlich), die diese Woche mit einem bemerkenswerten Auftritt erneut den desaströsen Gesundheitszustand der SPÖ bloßstellten.
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Nach monatelangen Unheilsprophezeiungen tauchte Anfang der Woche ein Gerücht auf. Christian Kern, der 2016 bei der Übernahme einer zuletzt unter Werner Faymann ins Straucheln geratenen Partei als Retter gefeiert wurde und ihn zwei Jahre später mit seinem überstürzten Abgang überraschte, will auf den Chefsessel zurückkehren. Es hieß, er könne bei einer Vorstandssitzung als Gegenkandidat zum Vorsitzenden Andreas Babler für den Parteitag im März nominiert werden.
Unzufriedenheit und Eitelkeit
Für diese Überlegungen gab es hinreichende Gründe. Die Unzufriedenheit mit Babler und seinem deutlich linkeren Parteiansatz wird mittlerweile zunehmend offen zum Ausdruck gebracht, insbesondere von einigen Landesparteiführern. Kern erwartete mehr Realpolitik, mehr Wirtschaftsfreundlichkeit, mehr Begeisterung für eine Regierungsreform und mehr rhetorische Brillanz. Diese Lob- und Flehenshymnen stießen bei dem selbstbewussten Manager auf offene Ohren. Schließlich zog sich Kern noch zurück; Die mächtige Wiener Landespartei und der Wiener Bund weigerten sich, ihn zu unterstützen.
Ein Spektakel, das die langjährige Malaise der SPÖ noch einmal verstärkt. Aus der einst visionären Landespartei ist ein politischer Fiebertraum geworden. Offene Irritationsquellen in den eigenen Reihen machen eine Heilung unmöglich und tragen maßgeblich dazu bei, dass die Partei in den Umfragen unter der 20-Prozent-Marke zu kämpfen hat. Dass Dissidenten nun plötzlich beschwören, dass sie nach Kerns Abgang nie Fans der Personaldebatte gewesen seien, gleicht einem Pflaster über einer offenen Fleischwunde.
bittere Pille
Babler, der seinen Kampf um die Führung mit dem Rezept für Frieden und vor allem für die Vereinigung einer bereits gespaltenen Partei begann, hatte es nach seinem Amtsantritt nicht besonders eilig, die fragliche Droge zu verabreichen. Das rächt sich jetzt. Dass er mangels Optionen (vorerst) als einziger Kandidat für den Spitzenposten in den Parteitag einzieht, ist eine bittere Pille, die er schlucken muss.
Ob es jedoch eine langfristige Wirkung haben wird, ist mehr als zweifelhaft. Bublers Aussage bei einer Präsidiumssitzung am Freitag, er werde die Arbeit einer sozialdemokratischen Regierung „mit einem Team an meiner Seite“ fortsetzen, klingt weniger nach der Behandlung interner Infektionsquellen als vielmehr nach strikter Selbstisolation.
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