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Oberst Reisner in ZiB 2: „Deshalb ist der Krieg so elend, wie wir ihn jetzt erleben“

    Oberst Reisner in ZiB 2: „Deshalb ist der Krieg so elend, wie wir ihn jetzt erleben“

    Oberst Markus Reisner vom Österreichischen Bundesheer analysierte im Gespräch mit Martin Thur in „Zeit im Bild 2“ die aktuelle Lage des Ukraine-Krieges. Was ursprünglich als schnelle „Sonderoperation“ Russlands geplant war, entwickelte sich zu einem erbitterten Stellungskrieg. Dass „die Ukraine diesen Defensiverfolg wirklich erreichen könnte“, hatte zunächst kaum jemand erwartet. Allerdings hatte sich das Land acht Jahre lang auf einen möglichen Angriff vorbereitet – ein entscheidender Faktor für den anfänglichen Widerstand. Es wurde schnell klar, dass es sich um einen Zermürbungskrieg handelte, „der in erster Linie von den Ressourcen beider Seiten entschieden werden würde“.

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    Ein zentraler Punkt sind kolossale Verluste auf beiden Seiten. Reisner hält die kolportierte Zahl von rund 220.000 russischen Soldaten für „absolut realistisch“. Man muss die Toten, Vermissten, Verletzten und Traumatisierten hinzufügen. Demographisch ist Russland mit etwa 148 Millionen Einwohnern deutlich wahrscheinlicher als die Ukraine mit etwa 39 Millionen. Während die Ukraine zunehmend Schwierigkeiten hat, neue Truppen zu rekrutieren, erhält Russland monatlich 35.000 bis 40.000 neue Soldaten. Deshalb versucht die Ukraine, diesen Teufelskreis mithilfe von Drohnen zu durchbrechen und so hohe russische Opferzahlen zu erreichen.

    „Das macht den Krieg so trivial.“

    Drohnen haben die Kriegsführung grundlegend verändert. „In Zukunft werden unbemannte Drohnen und unbemannte Objekte immer häufiger gegeneinander kämpfen“, sagt Reisner. Der weit verbreitete Einsatz dieser Systeme führt dazu, dass beide Seiten sich ständig gegenseitig beobachten und nur selten größere Schritte unternehmen können – das macht den Krieg „schmerzhaft“. Auch Technologien wie Starlink spielen eine Rolle, sind aber nicht der einzige entscheidende Faktor. Obwohl der Zugang zum Satelliteninternet für die Kommunikation und den Drohneneinsatz wichtig ist, konnten bisher keine eindeutig messbaren Auswirkungen einzelner Abschaltungen festgestellt werden.

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    Auf dem Schlachtfeld sieht Reisner derzeit, dass Russland einen leichten, aber stetigen Geländevorteil erlangt. Der Krieg war ein Wettlauf um industrielles und politisches Durchhaltevermögen. Trotz Sanktionen kann Russland regelmäßig schwere Luftangriffe durchführen, während die Ukraine stark auf westliche Unterstützung angewiesen ist. Sollte dieser fallen, werde sich die Lage „zu Ungunsten der Ukraine entwickeln“. Ein baldiges Ende hält Reisner für möglich, aber nicht sicher: Es werde erstmals wieder zu diplomatischen Mitteln kommen, doch seien die beiden Seiten noch nicht bereit, entschlossen aufeinander zuzugehen. Auf einen Waffenstillstand sei weiterhin zu hoffen – „denn nach vier Jahren Krieg wird dieses Sterben endlich ein Ende haben“.

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