Quizfrage: Was ist die bisher größte Leistung der österreichischen Fußballnationalmannschaft in der Geschichte? A) Vierter Platz in der Weltmeisterschaft. B) Dritter Platz in der Weltmeisterschaft. 10:0 gegen C) Córdoba D) San Marino. Mit einem Fifty-Fifty-Joker können wir C) und D) aus dem Rennen eliminieren. Letzteres erinnert an die jüngsten Siege der aktuellen ÖFB-Generation, die sich anschickt, neue WM-Heldentaten zu schreiben. C) Es gibt eine Stadt mit über einer Million Einwohnern in Argentinien, in der Österreich einst ein für die eigene Mannschaft ohnehin bedeutungsloses Spiel gewann und den Sieg jahrzehntelang feierte. Aber dazu später mehr.
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Damit bleiben A) und B) als zwei mögliche Antworten übrig, vorausgesetzt, dass Österreich nicht nur einmal, sondern zweimal das WM-Halbfinale erreicht hat. Nehmen wir uns einen Moment Zeit und stellen wir uns vor, was im Land der Berge passieren würde, wenn so etwas noch einmal passieren würde. Okay, genug mit dem Tagträumen. Kommen wir zur Auflösung. 1934, nach der offiziellen Wunderteam-Ära, belegte Österreich den vierten Platz, bevor es im Halbfinale gegen Gastgeber Italien mit 0:1 verlor. Also ist B) wahr. 1954 wurde Österreich Dritter bei der Weltmeisterschaft. Wow!
Ein historischer Sieg, der heute nur noch selten gewürdigt wird, nicht nur wegen der immer geringeren Zahl an Zeitzeugen, sondern auch, weil ein solch epischer Erfolg damals nicht realisiert wurde. Im Viertelfinale besiegte das ÖFB-Team den Gastgeber Schweiz mit 7:5. Die „Hitzeschlacht von Lausanne“ ist das bisher torreichste Spiel der WM-Geschichte und – diese Randbemerkung muss leider gesagt werden – immer noch das letzte von Österreich gewonnene K.-o.-Spiel bei einem Großereignis. Als Favoriten gingen Spieler wie Ernst Ockwerk, Ernst Heppel und Gerhard Hannappi ins Halbfinale gegen Deutschland.
Man kann verstehen, dass die 1:6-Niederlage dort kein großer historischer Moment war und dass das Spiel ein kleiner Trost war, den dritten Platz gegen Uruguay zu gewinnen (3:1). Aus heutiger Sicht war die Weltmeisterschaft 1954 eine spannende Weggabelung. Denn unsere deutschen Nachbarn schlugen im Finale überraschend Ungarns Goldene Generation mit 3:2. Wie anders wäre die Fußballgeschichte verlaufen, wenn Österreich und Ungarn im Finale der K-12-Weltmeisterschaft gegeneinander um den Fußballthron gespielt hätten?
Das kann kein Telefonjoker der Welt beantworten, also bleiben wir bei der Tatsache, dass beide Nationen danach ein Schattendasein im Weltfußball führten. Fünf weitere Male qualifizierte sich Österreich für die Weltmeisterschaft, konnte jedoch nicht an die frühen Erfolge anknüpfen. Nach der ersten Runde mussten wir 20 Jahre auf die nächste Teilnahme warten, bevor 1958 die letzte Station war. Die Weltmeisterschaften 1978 und 1982 wurden nach einem System mit Zwischenrunden ausgetragen, wobei Österreich jeweils auch erreichte. Allerdings lässt sich diese Geschichte ohne „Hintern“ nicht sehr gut erzählen.
Lassen Sie den Publikumsjoker darüber entscheiden, wie beeindruckend der 3:2-Sieg Österreichs über Deutschland in der besagten argentinischen Stadt war. Und um Himmels willen und um Hans Krenkels willen ist dies keineswegs ein Versuch, diese Leistung zu schmälern. Einen Doppeltorschützen hätte er nicht verdient. Allerdings darf man nicht vergessen, dass Österreich nach einer 1:5-Niederlage gegen Ernst Heppels niederländische Mannschaft (ebenfalls in Córdoba!) und einer 0:1-Niederlage gegen Italien längst ausgeschieden war. Der größte Skandal in den folgenden Jahrzehnten war der dumme Umgang von Football Austria mit dem Vorfall. Im Vorfeld der Heim-WM 2008 stellte sich die Frage, welches Mitglied der Cordoba-Generation den Cordoba-Helden Krenkel als Teamchef ablösen sollte – Josef Hickersberger, Kurt Jara oder Walter Schachner? Herbert Prohaska hatte seine Pflicht getan.
Doch die Geschichte der Weltmeisterschaft 1982 wurde als „die Schande von Gijón“ geschrieben, als Österreich und Deutschland einen Nichtangriffspakt einigten, nachdem das DFB-Team mit 1:0 in Führung gegangen war und das Ergebnis zum Weiterkommen beider Gegner reichte. Es war sehr unbequem, aber andererseits ist man nach mehr als vier Jahrzehnten geneigt zu akzeptieren: Solche Probleme wollen wir jetzt haben. Kinder und Jugendliche wuchsen in den 80er und 90er Jahren mit dem bedauerlichen Irrglauben auf, dass Österreich sich nicht für die Weltmeisterschaft qualifiziert habe.
Auch 1990 und 1998 nahm die Nationalmannschaft teil und scheiterte in Italien an Toto Schillacis „Goldkopfchen“ und Tony Pfeffers „Tinfoot“. In Frankreich 1998 erwies es sich als bedauerlich, dass die Fußballspiele nur gut 90 Minuten dauerten und gerade zu dem Zeitpunkt endeten, als Österreich wirklich auf dem Vormarsch war. Der „Overtime-Weltmeister“ punktete in allen drei Gruppenspielen spät. Für die Torschützen Toni Polster, Ivica Vastic und Andreas Herzog war das toll, reichte aber nicht für den Einzug ins Achtelfinale.
Herzogs Elfmeter gegen Italien ist Österreichs letztes Tor bei der WM. Wer denkt, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt für neue WM-Kapitel in Österreich ist, mag die österreichische Nationalmannschaft oder zumindest ihre aktuellen Spieler wirklich nicht. Bei den beiden bevorstehenden Qualifikationsspielen gegen Zypern (heute, 18 Uhr) und Bosnien-Herzegowina (Dienstag, 20.45 Uhr) geht es um neue WM-Erlebnisse, über die noch Jahrzehnte gesprochen werden wird. 28 lange Jahre des Wartens sind sicherlich genug.
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