In „Zeit im Bild 2“ erklärte die USA-Expertin Sandra Navidi, dass Donald Trumps Interesse an Grönland weniger mit Sicherheitspolitik als vielmehr mit persönlichen und wirtschaftlichen Motiven zu tun habe. Trump selbst gab zu, dass es für ihn ein „psychisches Bedürfnis“ sei – er müsse etwas haben, „es musste seins sein“. Hinter dem Antrieb stehen einflussreiche US-Milliardäre und Tech-Unternehmer, die in Grönland Rohstoffe abbauen oder sogenannte „Netzwerkstaaten“ möglichst ohne Steuern, Regulierungen und Umweltauflagen gründen wollen. Eine wirkliche Sicherheitsbedrohung durch Russland oder China sieht Navidi jedoch nicht: „Das ist völlig weit hergeholt.“
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Navidi betont, dass Grönland bereits eine offene Marktwirtschaft sei, in die sogar US-Unternehmen investieren könnten. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im Besitz des Territoriums: Wer das Territorium annektiert, muss sich nicht mehr an strenge Umwelt-, Arbeits- oder Verbraucherschutzregeln halten und kann die Rohstoffpreise selbst festlegen. Sie zieht Parallelen zu Trumps Umgang mit Venezuela, wo er die Öltransaktionen zentral steuern will. Gleichzeitig widerspricht Trumps angebliche Angst vor Russland seinem eigenen Kurs, da er offen über eine Zusammenarbeit mit Moskau spricht.
„Trump lügt und täuscht wie immer“
Besonders besorgniserregend ist Trumps Verhalten gegenüber Europa und der NATO. Navidi sprach von einem Embargobruch, nachdem die USA einem europäischen Nato-Mitglied indirekt Gewalt angedroht hatten. Ihrer Einschätzung nach hat Trump die NATO eigentlich schon ignoriert: Er „verhält sich wie jemand, der es nicht wagt, sich zu trennen, und verhält sich deshalb so schlecht, dass der andere es tut.“ Europa muss daher – auch im Geheimdienstbereich – äußerste Vorsicht walten lassen und sich auf mögliche wirtschaftliche Konflikte vorbereiten, etwa durch Strafzölle.
Schließlich zeichnet Navidi ein düsteres Bild von Trumps politischem Stil. Er hat sich nie verändert, aber er verhält sich heute genauso wie früher: „Er lügt und er täuscht“ und tut regelmäßig das Gegenteil von dem, was er bewirbt. Ihre Nähe zu Autokraten, Drohungen gegen Europa und der Weg des Aufstiegs nach innen und außen sind Ausdruck einer Politik ohne klare Grenzen. Navidi glaubt, dass Beschwichtigung fehl am Platz sei: Trump macht weiter Fortschritte, gerade weil ihm „niemand die Grenzen zeigt“ – und Grönland ist nur eine von mehreren Stationen auf seiner politischen „Speisekarte“.
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