Stefan Kunz war ab Sommer 2024 Sportdirektor des HSV. Unter seiner Führung gelang dem Verein die Rückkehr in die Bundesliga. Foto: imago/Jan Hübner
Sexuelle Belästigung? Heftige Vorwürfe gegen Ex-HSV-Boss Kuntz
Noch vor wenigen Tagen waren viele HSV-Fans erstaunt und ein wenig traurig. Einen Tag nach Jahresende gab der Verein die Trennung von Sportdirektor Stefan Kunz bekannt – aus „persönlichen familiären Gründen“, wie es damals hieß. Tatsächlich wird behauptet, dass der Aufsichtsrat des Vereins völlig andere Argumente für die Beendigung der Zusammenarbeit gehabt habe. Wie die Bild berichtet, soll es gegen Kunz schwere Vorwürfe seitens der HSV-Verantwortlichen geben, die dem 63-Jährigen sexuelle Belästigung vorwerfen.
Kurz nach Mitternacht am Sonntagabend explodierte die Medienbombe und versetzte den gesamten HSV in Aufregung. Demnach soll ein HSV-Funktionär Anfang Dezember Kontakt zum Aufsichtsrat aufgenommen und Kuntz deutlich belastet haben. Die Frau soll sich verbal und sexuell belästigt gefühlt haben.
Zunächst wollte der HSV-Aufsichtsrat den Vertrag von Kuntz verlängern
Äußerst schwerwiegende Vorwürfe, angeblich unabhängig von drei weiteren Personen bestätigt, sorgten offenbar für die entscheidende Wende im Vertragspoker der Bosses mit Koontz. Der Vorstand hatte zunächst geplant, den bis Sommer 2026 laufenden Vertrag des Sportdirektors vorzeitig zu verlängern, bevor die Gespräche im Dezember scheiterten.
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Statt den Vertrag von Kuntz zu verlängern, soll der Aufsichtsrat eine externe Anwaltskanzlei eingeschaltet haben, die Gespräche mit dem betroffenen HSV-Mitarbeiter führte. Im Zuge des Austauschs soll auch der Name eines weiteren Mitarbeiters gefallen sein, der Anwälten angeblich von ähnlichen Erfahrungen mit Kunz erzählt haben soll. Mittlerweile sollen weitere betroffen sein. Als HSV-Aufsichtsratschef Michael Papenfuß Kunz mit den Vorwürfen konfrontierte, kündigte er an, Stellung beziehen zu wollen. Aber das ist nie passiert.
Der ehemalige HSV-Sportdirektor Kuntz lebt im Saarland
Was ist an den Vorwürfen wahr? MOPO versuchte erfolglos, eine Stellungnahme von Kuntz zu erhalten. Allerdings behaupten Personen, die dem ehemaligen Profi nahestehen, dass die Behauptungen falsch seien. Stattdessen läuft eine Hetzkampagne. Die Trennung vom HSV erfolgte auf Wunsch von Kuntz, da er an seinem Wohnort im saarländischen Neunkirchen aus familiären Gründen häufig gebraucht wurde und sich nicht damit abfinden wollte, dass er dem HSV nicht mehr 100 Prozent seiner Ressourcen zur Verfügung stellen konnte. Alles oder nichts.
Wenn man sich im Volkspark umhört, reden die Leute etwas anders, zumindest hinter verschlossenen Türen. Unmittelbar nach der Vertragsauflösung machten Gerüchte die Runde, der Verein wolle seinem Sportdirektor die Möglichkeit einer eleganten Lösung anbieten, die nach außen einen klaren Bruch verkünden würde. Tatsächlich sahen die Sowjets selbst das Ende der Zusammenarbeit als unausweichlich an. Auch außerhalb Hamburgs wurde in der Fußballszene schnell über die wahren Gründe für Kunz‘ Abgang gerätselt und philosophiert. Der Verdacht möglicher rassistischer Vorfälle sorgte schnell für Gesprächsstoff in der Stadt.
Der HSV versucht weiterhin, den Fall aufzuklären
Der HSV bemüht sich weiterhin um Aufklärung in dieser Angelegenheit. Kunz hat, wie Bild berichtet, Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft Hamburg eingereicht. Er soll seit Ende Juli mehrere anonyme Nachrichten von einem Fan erhalten haben und sich zunehmend Sorgen machen. Der Bericht von Kuntz soll Tage nach dem internen Mitarbeiterbericht des HSV erfolgen.
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Die Vorwürfe gegen Kunz überschatteten jedenfalls das Ende der Zusammenarbeit. Unter der Leitung des Sportvorstandes kehrte der HSV im Sommer nach sieben erfolglosen Anläufen schließlich in die Bundesliga zurück und akklimatisierte sich dort nach anfänglichen Problemen schnell. Erfolge, die, zumindest für den Moment, völlig in den Hintergrund gedrängt werden.
