Felix Zweier musste beschützt werden, als er nach dem Spiel gegen Frankfurt die Kabine betrat. Foto: WITTERS
St. Pauli-Fans wütend über Schiedsrichter Zweier – Blessin „sehr verärgert“.
Es mag eine gewagte Aussage sein. Aber Felix Zweier wäre wahrscheinlich nicht in die FIFA-Schiedsrichterliste aufgenommen worden, wenn nur seine Leistung am Millerntor zur Beurteilung herangezogen worden wäre. Es gibt immer jemanden, der sich über den Berliner Schiedsrichter oder den FC St. Pauli ärgert, wie beim Sieg gegen Kiel in der letzten Saison, als Zweier der Heimmannschaft ein weißes Tor verweigerte. Oder mal der Gast, wie beim letzten HSV-Derby aus der zweiten Liga, als Zweier vor einem St. Pauli-Tor ein klares Foul völlig verschätzte.
Am Sonntagnachmittag machte der Aufruhr nach dem 0:0 gegen Frankfurt deutlich, wer diesmal mit dem Schiedsrichter verärgert war. Ein schrilles Pfiffkonzert begleitete Zwayer und seine Assistenten in die Katakomben, und das Trio wurde durch Regenschirme vor möglichen Bierschauern geschützt. Die Leute hatten den Überblick – und der Trainer auch. „Es gab viele Situationen, in denen ich einfach aufgeregt war“, gab Alexander Blessin auf der Pressekonferenz zu. „Es fühlte sich an, als ob jede 50:50-Situation gegen uns ausgepfiffen wurde.“ Frankfurt hatte „sehr großes Interesse“ daran, ein St. Pauli-Trikot zu bekommen, so intensiv und konsequent arbeiteten die Hessen in vielen Zweikämpfen mit den Händen.
Sie könnten auch interessiert sein an: Schiedsrichterwechsel und großer Durchbruch
Zwayer hatte nie wirklich das Gefühl, dass er solche Vergehen ahndete, während andererseits fast jeder Körperkontakt als Foul gewertet wurde. „Die Linie war ziemlich einseitig, wir konnten nur in eine Richtung laufen“, sagte der 52-Jährige und fügte hinzu: „Durch solche Entscheidungen kann sich ein Spiel sehr schnell drehen.“ Zwayers Doppelmoral führte jedenfalls zu einer zunehmenden Hektik – mit Folgen.
Alexander Blesin sieht eine gelbe Karte
Zum einen für Blessin selbst, der in der dritten Minute der Nachspielzeit seine zweite Gelbe Karte der Saison erhielt. Und andererseits für Tomoya Ando. Er hatte wegen eines Fouls an Jonathan Burkard Gelb gesehen, was nur mit viel Fantasie passierte (62.) und stand nach seinem ersten echten Foul zwei Minuten später plötzlich am Rande einer Gelb-Roten Karte! Konsequenz: Der Japaner musste durch Adam Dzigala ersetzt werden, um weiterhin in ausgeglichener Besetzung spielen zu können.
Probleme beim Wechsel von St. Pauli aufgrund falscher Entscheidung
Was wiederum enorme Auswirkungen auf die weiteren Personalentscheidungen hatte, denn es gab zwei weitere Vorfälle, gegen die Zwayer nichts unternehmen konnte. Einerseits die Muskelverletzung von Manolis Saliakas kurz nach der Pause, andererseits der schmerzbedingte Abgang von James Sands nach 81 Minuten. Das bedeutete, dass alle drei verfügbaren Wechselslots genutzt wurden.
Kiezklub schlug Mathias Pereira Lage
„Es geht auch um Energie und Frische“, sagte Blessin. „Wir mussten dreimal vorzeitig wechseln, das war nicht geplant und das tut natürlich weh.“ Normalerweise schiebt man den letzten der drei Slots immer weiter nach hinten, weil man nie weiß, was passieren wird. „Und ich habe auch wegen der Situation mit Mathias Pereira Lage nach Luft geschnappt.“ Nach einem Abwehrangriff, der nicht der Stil des Franzosen ist, wurde er zunächst liegen gelassen (84.). Danach sammelte er jedoch alles und hielt bis zum Schluss durch – obwohl Pereira Lage mehrfach Opfer des ruppigen, aber ungestraften Vorgehens der Eintracht wurde.
