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Weniger Lateinunterricht: Die Lateinlehrplangruppe tritt zurück

    Weniger Lateinunterricht: Die Lateinlehrplangruppe tritt zurück

    Eine vom Bildungsministerium eingesetzte sechsköpfige Latein-Lehrplangruppe legt ihr Mandat nieder. Grund sei eine „grundsätzliche Meinungsverschiedenheit mit dem Ministerium über die Entwicklung des neuen Lehrplans“, heißt es in einer Mitteilung. Bis Ende April muss die Gruppe einen fertigen Lehrplan für eine geplante Reduzierung von zwölf bis acht Stunden pro Woche im Gymnasium vorlegen.

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    Laut Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) soll der Informatikunterricht an der AHS weiter ausgebaut und das Fach Künstliche Intelligenz ergänzt werden. Außerdem möchte er das Thema „Medien und Demokratie“ vorstellen. Im Gegenzug sollen je nach Schulart der Lateinunterricht oder die Stunden für eine zweite lebende Fremdsprache gekürzt werden. Im Falle von Kürzungen muss der Lehrplan angepasst werden – mit dieser Aufgabe wurde die Lehrplangruppe beauftragt.

    Europäische Vergleichbarkeit gefährdet

    Aus Sicht von Lateinexperten „gefährdet der faktische Niedergang des Faches in der gymnasialen Oberstufe die europäische Vergleichbarkeit und den Ruf Österreichs als Bildungsstandort“. Latein droht, seinen Stellenwert als zentrales Studienfach zu verlieren.

    Von Anfang an sei „klar gezeigt worden, dass die notwendige Stundenverkürzung eine völlig neue Lehrplanstruktur erforderte – bei gleichbleibend hohem Niveau an fachwissenschaftlichen und didaktischen Standards“, argumentiert Latin. Dies betrifft beispielsweise gemeinsame Bildungsziele, die Integration interdisziplinärer Kompetenzen, die Berücksichtigung sprachlicher und literarischer Bildung, den kritischen Umgang mit analogen, digitalen und KI-gestützten Medien sowie die Neuformulierung fachspezifischer Bildungsziele unter Berücksichtigung demokratischer Bildung als zentrale Bestandteile zeitgemäßer Lateinbildung. Aus Sicht der Curriculum Group dürfen diese inhaltlichen Kernbereiche „auf keinen Fall geschwächt werden“.

    Zeitrahmen sehr eng

    Die Curriculum Group stellt fest, dass der vorgegebene enge Zeitrahmen „im Widerspruch zu wissenschaftlichen und didaktischen Qualitätsstandards“ stehe. „Die für eine fundierte Lehrplanentwicklung notwendigen Qualitätssicherungsprozesse und Evaluationsschleifen wären unter den gegebenen Bedingungen nicht ausreichend umsetzbar gewesen.“ Diese Standards wurden vom Ministerium selbst während des ursprünglichen Bauprozesses gefordert.

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    Laut Lateinexperten betonte das Ministerium eine verbindliche Zusage, den endgültigen Lehrplan bis Ende April 2026 vorzulegen. „Aus den oben genannten Gründen sieht sich die Lehrplangruppe nicht in der Lage, die Aufgabe entsprechend ihrem wissenschaftlichen und pädagogischen Selbstverständnis verantwortungsvoll umzusetzen.“

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