„Hier bei uns riskieren die Kunden nicht, mit Trumps Unterstützung nach Hause zu kommen“, verkündet Alfred Josephsen – ein Mann, der sich gerne mit gefalteten Händen fotografieren lässt. Der Besitzer der dänischen Supermarktkette „Alma“ hat kürzlich alle amerikanischen Waren aus den Regalen genommen. „Es lohnt sich nicht, die Produkte dieses Landes aus einem Land zu bewerben, das uns mit Krieg droht und Donalds Nachfrage bedroht.“ Für Grönland.
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Der Widerstand nimmt weiter zu
Boykottaufrufe kursieren seit Monaten in den sozialen Medien Dänemarks, doch mit dem Druck aus den USA wächst in den vergangenen Wochen auch in dem skandinavischen Land der Widerstand an Supermarktkassen. Hilfreich sind dabei Apps wie „Made O’Meter“ oder „UdenUSA“ („Ohne USA“), mit denen Waren per Smartphone-Kamera „gescannt“ und anschließend analysiert werden: Kommt sie aus den USA, leuchtet ein rotes Warnsymbol auf.
UdenUSA ist mittlerweile die viertbeliebteste App im Königreich, vor ChatGPT mit Sitz in den USA, einer amerikanischen App, die jede Woche von 800 Millionen Menschen weltweit genutzt wird. Boycott Software wurde von zwei Männern Anfang Zwanzig entwickelt, die den Boykottaufruf auf Facebook vor neun Monaten kritisierten, weil es keine technische Möglichkeit gab, den US-Ursprung der Artikel zu ermitteln. Ihre App hebt auch alternative Produkte hervor, die nicht „Made in USA“ sind.
„Wir bieten die Möglichkeit, etwas mehr Überblick zu haben – und dann liegt es an den Kunden, was sie tun möchten“, sagt der 21-jährige Mitgründer Jonas Pieper. Und Boykottwillige scheint es genug zu geben – im März waren es laut einer damaligen Umfrage 47 Prozent. Die fast sechs Millionen Einwohner des Königreichs dürften keinen wirklichen wirtschaftlichen Einfluss haben – etwas mehr als ein Prozent der Lebensmittel in den dänischen Regalen werden direkt aus den USA importiert.
Vor allem der therapeutische Einsatz
Psychologen sehen einen weiteren therapeutischen Nutzen: Dänen können ihrem Ärger Luft machen, indem sie nicht einkaufen. Ein schwerwiegenderer Schritt wäre ein Rückzug aus der Weltmeisterschaft, die dieses Jahr in den USA, aber auch in Kanada und Mexiko stattfinden wird. Das dänische Team muss sich erst im März qualifizieren. Die Debatte darüber, ob die Teilnahme abgesagt werden sollte, wird – wie auch anderswo in Europa – schon seit längerem geführt.
Einen Boykott hat die Regierung in Kopenhagen bisher ausgeschlossen, Mogens Jensen, Kultur-, Medien- und Sportsprecher der regierenden Sozialdemokratischen Partei, sagte der Deutschen Welle jedoch, dass Gespräche unausweichlich seien, wenn Trump tatsächlich „militärische Mittel“ einsetze, um Grönland an „seine“ USA zu annektieren.
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