Es ist unwahrscheinlich, dass sie mehr Freunde werden: HSV-Profi Nikolaj Remberg (links) und Mainzer Dominik Kor führten hitzige Diskussionen. Foto: WITTERS
Zoff nach Abpfiff: Hätte HSV-Tor in Mainz nicht zählen müssen?
Vielleicht ist es gut, dass es eine Weile dauern wird, bis sie sich wiedersehen. Zu sagen, dass zwischen dem HSV und Mainz 05 etwas klemmt, ist keine besonders steile These, zu belastend und diskussionswürdig waren die Ereignisse rund um das 1:1 am Freitagabend. Und während Hamburg die Schuld vor allem auf Schiedsrichter Robin Braun schob, waren die Gastgeber doppelt verärgert – über den Schiedsrichter und über das Verhalten des HSV nach dem Schlusspfiff.
Ein stürmischer Abend in Mainz, der auch am nächsten Tag noch für viel Gesprächsstoff sorgte. Die Gastgeber kamen zweimal mit einer Augenprellung davon; Sowohl Silas (39.) als auch Dominic Corr (53.) hätten nach heftigen Tacklings vom Platz gestellt werden können. „Das sind zwei glasklare gelbe und rote Karten“, sagte HSV-Verteidiger Jordan Torunarigha. Doch kein Hamburger war verärgerter als Miro Muheim, der erklärte: „Ich habe schon lange nicht mehr gegen eine so starke Mannschaft gespielt.“ Aber die Schweizer merkten auch an: „Ich kann ihnen überhaupt keinen Vorwurf machen. Sie stecken im Abstiegskampf, genau wie wir. Aber dass die Schiedsrichter nicht eingreifen, ist für mich verrückt, das ist für mich unverständlich.“
Die Mainzer werfen dem HSV übertriebene Theatralik vor
Vor allem Muheims Worte kamen bei Mainz überhaupt nicht gut an. Der Vorwurf gegen die Hamburger: Ständige Theatralik und Abdrängungsversuche, die jeden groben Spielzug für übertriebene Flugbewegungen nutzen. Auch in den Katakomben sorgte es nach dem Schlusspfiff für Diskussionen. „Beide Mannschaften haben gekickt, da sollte man nicht mit dem Finger auf die anderen zeigen“, sagte Mainz-Stürmer Philipp Tietz.
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Tatsächlich gab Muheim auch zu, dass die HSV-Profis mit Kohr (mittlerweile alleiniger Rekordhalter der Liga mit 138 Verwarnungen) und Silas ihre Grenzen ausloteten. „Man schaut immer, wer eine Gelbe Karte hat, und dann versucht man, eine Eins-gegen-eins-Situation zu suchen“, sagte der Verteidiger, der sich kurz nach der Pause nicht von seiner Meinung zu Kors Tackling abbringen ließ: „Er geht mit dem rechten Fuß rein. Am Ende hat er sehr, sehr viel Glück und ich kann ihn einfach nicht verstehen.“
Vieira erzielte in Mainz den Ausgleich – war das illegal?
Auch auf der anderen Seite hatte Urs Fischer kein Verständnis. Nach dem Schlusspfiff beschwerte sich der Mainzer Trainer wütend darüber, dass der 1:1-Ausgleich der Hamburger nicht hätte annulliert werden dürfen. Der Grund: Als Fabio Vieira einen direkten Freistoß parierte (64.), stand sein HSV-Kollege Nicolai Remberg mitten in der Mainzer Mauer.
„Es gibt eine Regel, die besagt, dass gegnerische Spieler, die eine Angriffswand bilden, einen Meter von der gegnerischen Wand entfernt sein müssen“, bemerkte Fischer und forderte die anwesenden Journalisten auf: „Man muss sich die Bilder ansehen. Der HSV-Spieler steht tatsächlich bei uns in der Wand. Wenn das so ist, sollte das Tor meiner Meinung nach eigentlich nicht zugelassen werden. Das ist eine klare Regel und dann würde es bedeuten, dass uns ein indirekter Freistoß zugesprochen wird.“
Ein berechtigter Punkt der Schweizer. Tatsächlich sehen die DFB-Regeln vor, dass gegnerische Spieler bei der Ausführung von Freistößen einen Mindestabstand von einem Meter zur Wand einhalten müssen, wenn diese aus drei oder mehr Spielern besteht. Allerdings ist auf den TV-Bildern deutlich zu erkennen, dass Remberg mitten in Mainz steht. Insofern hatte der HSV Glück, dass das Tor zählte.
Der Trainer des HSV Polzin verteidigte Schiedsrichter Brown
Weniger umstritten war, dass das 1:1-Ergebnis ein faires Ergebnis war. Polzin war versöhnlich und verteidigte Brown zumindest teilweise. „Es war von beiden Seiten sehr emotional und für den Schiedsrichter war es nicht so einfach“, sagte der HSV-Trainer. „Er hat Urs und mich zur Halbzeit noch einmal daran erinnert, Ruhe zu bewahren. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen.“
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Wir werden uns höchstwahrscheinlich nächste Saison wiedersehen. HSV (zehn Punkte aus den letzten sechs Spielen geholt), aber man kann sagen, dass Mainz im Kampf um den Klassenerhalt gute Karten hat. Und man kann das Ganze mit einer Prise Humor vertragen, so wie User „X“ „Flipper statt Capri-Sonne.“ Für die nächsten Spiele hat er seine Idee: „Kor sollte grundsätzlich in Gelb ins Spiel starten.“
