Um in der Liga zu bleiben: Merlin Polzin muss beim HSV noch einige Punkte sammeln. Foto: imago images/Philipp Szyza
Gefährliche Beispiele! So viel Prozent bleibt der HSV in der Liga
Merlin Polzin zog am Samstagabend eine nüchterne Bilanz zum 1:1 gegen den 1. FC Köln: „Wir werden einen Punkt mit auf die Reise nehmen.“ Durch das Unentschieden hat der HSV nach 26 Spieltagen nun 30 Punkte auf dem Konto – ein ordentliches Ergebnis. Aber auch einer, der den Abstieg in die Nähe bringt? Die Geschichte der Bundesliga gibt den Hamburgern vor allem Hoffnung, birgt aber auch ein paar gefährliche Beispiele.
Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel in der Saison 1995/96 gab es insgesamt 76 Absteiger aus der höchsten deutschen Spielklasse. Für 73 (zum Teil identische) Vereine ging es direkt in die 2. Liga – und der Bundesligist verlor in den 2008/09 erstmals ausgetragenen Relegationsspielen dreimal und musste somit absteigen. In den meisten Fällen wird zu Beginn der Saison klar, wer nach 34 Spieltagen fehlt.
Acht Abstiege trotz immerhin 30 Punkten nach 26 Spielen
Aber es gibt Ausnahmen. Und sie sollten dem HSV hier und jetzt als mahnendes Beispiel dienen. Konkret befanden sich unter den 76 Absteigern acht Vereine, die – wie aktuell Hamburg – nach 26 Spieltagen mindestens 30 Punkte auf dem Konto hatten, letztlich aber den Klassenerhalt nicht schafften. Der 1. FC Köln war der erste Bundesligist, der in der Saison 1997/98 dieses Schicksal ereilte: 31 Punkte nach 26 Spielen reichten den Domstädtern nicht, stattdessen kletterten sie am Saisonende mit 36 Punkten auf den 17. Tabellenplatz. weg. Auch in den Folgejahren mussten der SV Ulm (1999/2000, 13. bis 16., danach kein Abstieg), Arminia Bielefeld (2002/03, 12. bis 16.) und 1860 München (2003/04, 12. bis 17.) drastische Rückgänge zum Saisonende hinnehmen.
Besonders dramatisch wurde es in der Saison 2006/07 zu Hause: Zwei Vereine konnten sich trotz mindestens 30 Punkten nach 26 Spielen nicht den Klassenerhalt sichern. Mainz 05 fiel in der vorletzten Saison ohne Abstieg vom 13. auf den 16. Platz. Alemannia Aachen traf es jedoch noch härter. Acht Spieltage vor Schluss lag der Tivoli-Klub mit 33 (!) Punkten auf dem neunten Tabellenplatz, holte sich aber bis zum 34. Spiel nur einen Punkt und rutschte auf den vorletzten Platz ab. Am Ende verlor Aachen klar mit 0:4 gegen den HSV. Das Packers-Duo Ivica Olic und Juan Pablo Sorin schoss Hamburg nur knapp in den UI Cup. Die Alemannia hingegen erlebte ihren bisher bittersten Einbruch, wenn man sich die Entwicklung nach dem 26. Spiel anschaut.
Zuletzt waren Werder und Stuttgart im Saisonfinale aneinander geraten
Doch auch im letzten Jahrzehnt wurden noch zwei Traditionsvereine mit dem finalen Schlag brutal zerschlagen. Der VfB Stuttgart holte in den ersten 26 Spielen der Saison 2015/16 tatsächlich respektable 32 Punkte und hätte als Tabellenelfter meinen können, schon auf der sicheren Seite zu sein. Danach gewannen die Schwaben kein einziges Spiel, hatten nur ein Unentschieden und fielen auf den 17. Platz zurück. Das Ergebnis: direkter Abstieg aus der ersten Liga.
Etwas Ähnliches passierte Werder Bremen fünf Jahre später. 2020/21 hatte der SVW nach 26 Spieltagen gute 30 Punkte auf dem Konto, acht Spiele später hatte er jedoch nur noch einen mickrigen Punkt mehr (31). Schließlich bedeutete der 17. statt des zwölften Platzes ein paar Wochen zuvor die schmerzhafte Reise ins Unterhaus. Einen solchen Fall hat es seit Bremen nicht mehr gegeben. Werder war einer von bisher acht Vereinen, die trotz mindestens 30 Punkten nach 26 Spieltagen abstiegen. Dies entspricht einem Anteil (gerundet) von 89,47 Prozent der insgesamt 76 Absteiger.
Die Chancen des HSV auf den Klassenerhalt liegen bei 89,47 Prozent
Mit anderen Worten, und jetzt sollten HSV-Fans aufmerksam lesen: Legt man die betreffenden Kalkulationsspiele zugrunde, kann sich die Mannschaft von Merlin Polzin derzeit zu fast 90 Prozent sicher sein, dass sie bleiben. Die Abstiegsgefahr liegt derzeit gerade einmal bei 10,53 Prozent – wenn man sich die acht Warnbeispiele anschaut.
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An dieser Möglichkeit dürfte der HSV-Trainer kein Interesse haben. Polzin ist kein Freund von Rechenspielen und möchte dem leichten Sieg gegen Köln schnellstmöglich die nächsten drei Punkte folgen lassen. Die Chance dazu gibt es am Samstag in Dortmund (18:30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de). Und nach diesem Spiel wird die Prozentzahl wieder etwas anders aussehen. Eines ist klar: Die Folgen des HSV sind keineswegs ausgeschlossen.
