...
Skip to content

Ist der ORF noch zu retten?: „Krise als Chance zur Rettung des ORF“.

    Ist der ORF noch zu retten?: „Krise als Chance zur Rettung des ORF“.

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist in Österreich in aller Munde – aber nicht so, wie viele es erwarten würden. Der unfreiwillige Rücktritt von Roland Weissmann als Generaldirektor vor zehn Tagen hat sich zu einem vielschichtigen Konflikt entwickelt, der nicht nur für Außenstehende verwirrend ist. Weissman geriet in eine Beziehung mit einem ehemaligen Mitarbeiter, der ihm laut „Falter“ „aggressives“ und „schreckliches Verhalten“ vorwarf; Er hat jegliches Fehlverhalten bestritten und bei der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung gegen mehrere Personen eingereicht. Ebenfalls im Fokus: ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer (SPÖ), von dem Weismann Rücktrittsdruck verspürt, sowie der langjährige ORF-Manager Pius Strobl, der sich Berichten zufolge wegen eines 2,4-Millionen-Euro-Pensionsvertrags mit dem General überworfen hat. Dass Strobl und die Frau denselben Anwalt haben, verleiht der ohnehin schon deftigen Suppe am Kunigalberg nur noch mehr Würze.

    Hinterlassen Sie eine Anzeige

    So gesehen war es nicht ganz unangemessen, dass am Mittwochabend in Wien „Kunigelberg zwischen Macht, Intrige und Dauerkrise – ist der ORF noch zu retten?“ wurde besprochen. Gemeinsam eingeladen waren „Courier“, „Profile“, „Press“ und die Klein Zeitung. Auf dem Podium: FPÖ-Kuratorium Peter Westenthaler, Neos Media-Sprecher Henrik Brandstötter, „Kronheit“-Geschäftsführer Philipp König, „Profil“-Chefredakteurin Anna Thalhammer und Medienmanager Hans Mahr. Heinz Lederer stimmte zunächst zu und widerrief dann.

    Hat der Stiftungsratschef seine Befugnisse überschritten?

    Gleich bei seiner ersten Rede nahm Westenthaler den Kuratoriumsvorsitzenden Heinz Lederer ins Visier: Dieser habe – zusammen mit seinem Stellvertreter Gregor Schütze (ÖVP) – seine Befugnisse überschritten, weil sich das gesamte Gremium in dem Fall mit einer missbräuchlichen Zusammenarbeit befassen müsse und sich die beiden Streitparteien anhören sollten.

    SEE ALSO  Wie macht der Bürgermeister von Paris sein Stadtklima?

    Medienrechtler König, der in den Medien häufig als möglicher Kandidat für den ORF-Chefvorsitz genannt wird, sah keinen Anlass, die Krise negativ zu beurteilen. Politiker sollten es stattdessen als Chance für mutige Reformen begreifen. Die genaue Richtung ließ der Radiomanager der Familie Dichand offen. Hans Maher, ebenfalls mit „Krone“-Vergangenheit, sprach Klartext: Er plädierte für eine Größenänderung des ORF, etwa bei der Werbezeit: „Wir brauchen in Österreich einen besseren, sparsameren öffentlich-rechtlichen Sender, der weniger auf Intrigen setzt“ – vor allem, weil er im Vergleich zu Deutschland über viel Geld verfügt.

    Die Mission des ORF wird nicht mehr vorangetrieben

    Auch Neos-Politiker Brandstötter nannte den gesetzlich definierten Gemeinwohlauftrag des ORF „mittlerweile Aktualität“. Der ORF macht nicht mehr alles, was er heute macht; Insbesondere die „Pflicht zur Zusammenarbeit mit privaten Anbietern“ sei dringend erforderlich. Für „Profile“-Chef Thalheimer ist der ORF als „Teil der kritischen Infrastruktur“ unersetzlich, braucht aber dennoch eine bessere Kombination aus Qualität und Vielfalt für jeden Geschmack.

    Westenthaler, der sich im Kuratorium einen Ruf als Agitator erworben hat, wollte diesen Optimismus nicht teilen. Der ehemalige Politiker (zuerst FPÖ, dann BZÖ) bezweifelt, dass der ORF noch über die nötige Basis verfügt und hat sein Augenmerk auf eine Vielzahl von Spitzenverdienern zu Lasten der Gebührenzahler gerichtet. Sie plädiert dafür, den Gebührenpool des ORF für alle Medien zu öffnen, die öffentlich-rechtliche Inhalte produzieren.

    Ist es realistisch, das kommerzielle Angebot des ORF, insbesondere ORF 1 und Ö3, zu privatisieren? König glaubt nicht, dass solche linearen Angebote à la Netflix zum Zeitpunkt des Streamings einen relevanten Kaufpreis erzielen können. Er rechnet auch nicht damit, dass Werbebeschränkungen für den ORF auf private Anbieter übergreifen. Die meisten davon werden auf internationalen Plattformen laufen.

    SEE ALSO  AK-Chef Enderal gegen Reichensteuern und Wehrdiensterhebungen

    Thalheimer ist überzeugt, dass Interims-Generaldirektorin Ingrid Turner vor der gewaltigen Aufgabe steht, ihre eigenen Mitarbeiter neu zu motivieren und für Transparenz zu sorgen, die mit Blick auf die bisherige Führung und das Kuratorium von einer „machttrunkenen Elite“ sprach. Auch deshalb besteht Brandstötter auf der Beendigung der Alleinführung; Dafür ist der ORF zu groß.

    Wie viel Politik verträgt der ORF?

    Dann kam das Thema der Rolle der Politik. Für Westenthaler ist der Zusammenschluss von Parteien – gemeinhin als „Freundeskreise“ bekannt – keine schlechte Sache, dürfe aber nicht die Politik dominieren; Die Drei-Parteien-Koalition verfügt derzeit über eine Dreiviertelmehrheit im Kuratorium. Auch zu politischen Besetzungen im Kuratorium sah Maher keine Alternative. Brandstötter hingegen sprach sich dafür aus, das obere Führungsgremium möglichst aus der Politik zu entfernen, um die Bildung einer überwiegend männlichen Gruppe zu Lasten der Frauen zu verhindern; König setzt auf eine gesunde Mischung aus Politik, Zuhörern und Zuschauern sowie der Zivilgesellschaft. Thalheimer wiederum will eine bestimmte Berufsgruppe nicht dort sitzen sehen: PR-Vertreter wie Lederer und Schütz, eine rot-schwarze Doppelspitze im Aufsichtsrat.

    Dann kam die entscheidende Frage aus dem Publikum: Wie kann der gesamte Medienraum, der bekanntlich viel mehr als nur der ORF ist und teilweise in finanziellen Schwierigkeiten steckt, am Leben erhalten werden? Als Ausgangspunkt für groß angelegte Reformen nannte Brandstötter einen für Herbst geplanten Kongress. Mahr wiederum lieferte eine Erklärung dafür, dass ÖVP und SPÖ medienpolitisch weitgehend untergetaucht seien: „Die beiden großen Regierungsparteien wollen sich bei diesem heiklen Thema nicht die Finger verbrennen.“

    Und wer soll künftig an der Spitze des ORF stehen? Sollte Turner jetzt arbeiten dürfen, „sollte sie es auch bleiben, wenn es ihr gut geht“, sagte Maher. Westenthaler versprach: „Meine Stimme ist ein Leichtes für jeden Kandidaten, der die Haushaltssteuer abschaffen will.“ Brandstötter drängte auf Führung bei der digitalen Transformation, während König betonte, dass die Antwort auf die Frage nach der richtigen Person davon abhängt, welcher ORF es sei.

    Source link