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Gute Beziehungen: Wie Viktor Orbán Putins Freund wurde

    Gute Beziehungen: Wie Viktor Orbán Putins Freund wurde

    Am 16. Juni 1989 brüllte ein aufgeregter 26-jähriger Dissident mit langen Haaren vor Tausenden Menschen auf dem Budapester Heldenplatz folgende Worte in ein Mikrofon: „Wenn wir an unsere eigene Stärke glauben, sind wir in der Lage, die kommunistische Diktatur zu beenden (…). Wenn wir die Idee der Regierung nicht verlieren können, wird sie Verhandlungen über den sofortigen Abzug der russischen Truppen eröffnen.“

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    Die kühnen Worte wurden bei der feierlichen Umbettung von Ministerpräsident Imre Nagy gesprochen, der 1958 während eines Volksaufstands hingerichtet wurde. Name des hitzköpfigen Dissidenten: Viktor Orbán. Orbáns damalige Rede wird heute im Volksmund „Russische Heimat!“ genannt. bekannt als Zur Erinnerung: 1989 waren noch sowjetische Truppen in Ungarn stationiert. Orbán ist nun der am längsten amtierende Regierungschef Ungarns seit dem Ende des De-facto-Sozialismus 1989/90 (1998–2002, 2010 bis heute).

    Jetzt wettert Orbán gegen die EU

    Und er hat sich vom ausgesprochenen Kritiker Russlands zum Partner Russlands entwickelt – mit direktem Draht zu Wladimir Putin, der als russischer Präsident einen verheerenden Angriffskrieg gegen die Ukraine anordnet. Auf Geheiß der Kreml-Chefs wettert Orban gegen EU-Sanktionen gegen Russland und hat sich wiederholt dagegen ausgesprochen, Kiew mit Krediten und Waffenlieferungen zu helfen.

    Natürlich sagte Orbán einige Jahre vor seinem zweiten Amtsantritt als Premierminister im Jahr 2010 mit absoluter Überzeugung: „Öl kommt aus dem Osten, aber Freiheit kommt aus dem Westen.“ Nach der militärischen Invasion Russlands in Georgien im Jahr 2008 donnerte er als Oppositionsführer, dass Ungarn „seine Stimme klar und unmissverständlich“ gegen jede Verletzung der Souveränität des unabhängigen Staates erheben müsse. Als russische Truppen im Februar 2022 in die Ukraine einmarschierten, kamen solche Worte nicht aus dem Mund des ungarischen Ministerpräsidenten.

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    Wie haben sich die Einstellungen verändert?

    Doch woher kommt der Wandel in Orbáns Haltung gegenüber Russland? Der Historiker Kristian Ungwerri stellt fest, dass sich Orbáns Haltung nach einem persönlichen Treffen mit Putin im November 2009 in St. Petersburg grundlegend geändert habe. Obwohl Orbán zu diesem Zeitpunkt noch in der Opposition war, wurde bereits vorhergesagt, dass er und seine Fidesz-Partei die Parlamentswahlen im Frühjahr 2010 gewinnen würden. Über den Inhalt des Gesprächs zwischen Putin und Orbán schweigen beide bis heute.

    Was seitdem zweifellos zu beobachten ist, ist, dass Orbán einen außen- und wirtschaftspolitischen Kurs verfolgt, der zu Russland und Putin passt. Seit 2009 haben sich Orban und der Kremlchef mehr als ein Dutzend Mal getroffen. In Ungarn wird spekuliert, dass Putin über kriminelles Geheimdienstmaterial gegen den ungarischen Ministerpräsidenten verfügt und es zur Erpressung von Orbán nutzt.

    Was sind die Vorteile?

    Orbáns plötzliche Hinwendung zu Russland im Jahr 2009 spiegelt sich auch im wirtschaftlichen Bereich wider. Während Westeuropa weitgehend auf russische Energielieferungen verzichtet hat, bezieht Ungarn billiges Öl und Gas immer noch fast ausschließlich aus Russland. Hinzu kommt der Ausbau eines Kernkraftwerks im zentralungarischen Paks.

    Im Jahr 2014 beschloss Orban unter Umgehung europäischer EU-Partner und des ungarischen Parlaments aus eigener Initiative, die Anlage um zwei Reaktorblöcke des staatlichen russischen Nukleartechnikunternehmens Rosatom zu erweitern. Kosten: Etwa 12,5 Milliarden Euro. Darüber hinaus wird der Ausbau größtenteils durch russische Kredite finanziert. Russland profitiert doppelt. Die Regierung ihrerseits verkaufte als „Deal des Jahrhunderts“ die damals teuerste Investition in der Geschichte Ungarns.

    Schließlich gibt es verblüffende Ähnlichkeiten zwischen den Systemen Putins und Orbáns. Laut dem Historiker Ungveri eiferte der ungarische Ministerpräsident dem Kreml-Chef in vielerlei Hinsicht nach. Unter Orban ist in Russland eine loyale Oligarchenkaste entstanden. Darüber hinaus hat der ungarische Ministerpräsident auch die Demokratie in Ungarn schrittweise untergraben und relevante Medien unter seine Kontrolle gebracht. Und wie Putin setzt sich Orbán ständig gegen den Niedergang und Zerfall des Westens und der LGBTQI-Gemeinschaft und der Migranten ein.

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