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Förderung des Journalismus: Eine Formel für den Systemwechsel

    Förderung des Journalismus: Eine Formel für den Systemwechsel

    Im Zuge der ORF-Krise gewinnen auch überfällige Reformen der Medienförderung für Privatverlage an Fahrt. Am Donnerstag stellte Medienminister Andreas Babler (SPÖ) eine von ihm in Auftrag gegebene Studie vor, die die Grundlage für die bevorstehenden Verhandlungen in der Koalition bilden soll. Ab 2028 sollen jährlich 110 Millionen Euro als Grundfinanzierung und für gezielte Innovationsprojekte eingesetzt werden. Am Freitag präsentierte die ÖVP-Politikakademie eine radikale Alternative: Präsident Wolfgang Sobotka sprach von einem „Systemwechsel“ für die Existenz unabhängiger Medien, obwohl „der Staat nicht die Aufgabe hat, den Journalismus zu beurteilen“.

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    Im Mittelpunkt des vom Medienmanager und ehemaligen „Presse“-Geschäftsführer Reinhold Gumenbauer verfassten Konzepts steht die Schaffung eines Mediendienstleistungsfonds für die Republik Österreich, der die Arbeit des Journalismus als demokratische Dienstleistung „nach klaren, transparenten und verständlichen Formeln“ in den Mittelpunkt stellt. Dies geschieht vor dem Hintergrund eines massiven Wandels des Medienmarktes, der etablierte Medien um ihr Überleben kämpfen lässt.

    Wer in Journalismus investiert, soll mehr profitieren

    Konkret schlägt Gmeinbauer vor, die bestehende Medienförderung des Bundes und die Förderung der öffentlichen Werbung zu bündeln – insgesamt 350 Millionen Euro pro Jahr. Das Recht darauf sollten alle Medien haben, ob gedruckt, digital, Audio oder Video. Zu den Förderkriterien gehören die redaktionelle Unabhängigkeit, ein journalistischer Kernauftrag, der Einsatz professioneller Redaktionsteams und gleichberechtigter Strukturen, Transparenz und Marktrelevanz (nicht zu verwechseln mit möglicherweise aufgekaufter Reichweite) sowie die Einhaltung journalistischer Grundsätze. „Medien, die mehr in Journalismus investieren, und Journalisten agieren demokratischer und dürften daher stärker profitieren“, erklärt Gumminbauer. Dies basiert auf festen Formeln; Dabei kommt es nicht primär allein auf die Größe an, sondern auf die Leistungsfähigkeit des Journalismus im Verhältnis zum Markt.

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    Das neue Konzept zielt vor allem darauf ab, die in Österreich weit verbreitete Berichterstattungskorruption zumindest auf Bundesebene zu stoppen, wo die öffentliche Hand mit Steuergeldern Einfluss auf die Berichterstattung nehmen kann. Zukünftig sollen geförderte Medien durch die Bereitstellung von Werbeflächen für werberelevante Informationen eine klar definierte Rendite an die öffentliche Hand erbringen. Ziel des Media Performance Fund ist es, die bisher weitgehend undurchsichtige Vergabe von Werbeinhalten zu ersetzen und jegliche Einflussnahme auf die Redaktion zu verhindern.

    Keine lokale Anzeigenbeschädigung mehr

    30 bis 35 Millionen Euro sollen für innovative Projekte wie Start-ups und neue Formate reserviert werden. Die Fördergrenze beträgt 10 Prozent der Höhe des Medienleistungsfonds, also 35 Millionen Euro. Die Mittelvergabe soll auf Grundlage der Haushaltseinnahmen des ORF erfolgen. Der öffentlich-rechtliche ORF erhält dadurch derzeit jährlich rund 710 Millionen Euro.

    Es bleibt die Frage, wie realistisch die politische Umsetzung des Konzepts ist. Die kommenden Wochen und Monate werden es zeigen. Allerdings drängt die Zeit: Längst fließen die meisten inländischen Werbegelder über digitale Plattformen ins Ausland und die anhaltende Inflation verschlechtert den Zustand des unabhängigen Journalismus.

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