Joel Chima Fujita hatte in Heidenheim gerade einmal 24 Ballkontakte. Foto: picture Alliance / Eibner-Pressefoto | Janie Pless
King-Transfer in der Krise: Wird Fujita zum größten Problem von St. Pauli?
Er ist wohl einer der besten Kicker im Kader des FC St. Pauli, wenn nicht sogar der beste, was Können und Potenzial angeht. Der japanische Nationalspieler mit seinen besonderen Qualitäten war lange Zeit ein Leistungsträger, unersetzlich und daher von höchster Priorität. Doch in den letzten Spielen zeigte die Leistungskurve von Joel Chima Fujita nach unten. Ausgerechnet in der entscheidenden Phase des Klassenkampfs ist der königliche Transfer von St. Pauli in einer schlechten Verfassung und wird möglicherweise zum berühmtesten schwierigen Fall in den letzten drei Spielen der Saison. Doch können sich die Kiezkickers das Opfer und die möglichen Konsequenzen leisten?
Die bittere 0:2-Niederlage in Heidenheim war nicht nur ein Tiefpunkt für die Mannschaft, sondern auch für Fujita selbst. Er wurde zur Halbzeit ausgewechselt – früher als je zuvor in dieser Saison. In den ersten 45 Minuten erreichte er im Angriff auf dem linken Flügel wenig, wirkte in seinen Aktionen inkonsequent und war nicht gut in Zweikämpfen und Laufverhalten und hatte zu viele Bälle und Fehlpässe verloren. Zu wenig Energie, Aggressivität, Konstanz. Kurzum: Das Kraftwerk war völlig überfordert.
FC St. Pauli: Joel Chima Fujita ist in schlechter Form
Es wäre ein Fehler, Fujita als einen der Hauptverursacher des Scheiterns herauszugreifen, denn in Heidenheim hatte kaum ein St. Paulianer die Normalform erreicht, doch bei wenigen Spielern war an diesem schicksalhaften Samstagnachmittag in der Voith-Arena die Kluft zwischen Können und Leistungsgrenze auf der einen und Leistung auf der anderen ebenso groß und daher spürbar wie die des 24-Jährigen. Nicht nur gegen Heidenheim.
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Betrifft ihn der Abstiegskampf und der damit verbundene Druck? Das wäre menschlich und nicht überraschend. Auf jeden Fall scheint er in seinem Handeln weder frei noch klar zu sein. Fujita, der im vergangenen Sommer für 3,5 Millionen Euro vom belgischen Erstligisten VV St. Truiden zum Kiezklub wechselte und dessen Marktwert inzwischen auf satte 10 Millionen Euro geschätzt wird, ist noch ein junger Profi und spielt seine erste Saison in einer europäischen Topliga. Lange Zeit wirklich gut, teilweise herausragend.
Negativer Trend: Fujitas Spielzeit ist in letzter Zeit zurückgegangen
Fujita hat in dieser Saison 29 von 31 Spielen bestritten, 28 von Beginn an – das gilt für alle vier DFB-Pokalspiele. Er verpasste ein Spiel verletzungsbedingt (und wurde im nächsten ausgewechselt), und im letzten Heimspiel gegen Köln (1:1) wurde er verwarnt, weil Michael Olisse ihn im Heimspiel gegen Bayern München (0:5) zu einem unnötigen Foul provozieren ließ, und wurde ausgewechselt, um keine Gelb-Rote zu riskieren.
In den letzten Spielen hat Fujitas Spielzeit stetig abgenommen. Nach 90 Minuten gegen Freiburg (1:2), waren es 73 gegen Union Berlin (1:1), 66 gegen die Bayern und nun 45 Minuten nach der Zwangspause im Spiel gegen Köln.
Muss Fujita im Heimspiel gegen Mainz 05 auf der Bank sitzen?
Im kommenden Heimspiel gegen Mainz 05 könnte Fujita bei völliger Fitness zum ersten Mal auf der Bank sitzen, was schon allein aus leistungstechnischen Gründen verständlich wäre. Andererseits ist der Personalbestand knapp und adäquate Alternativen rar. Die Tatsache, dass Trainer Alexandre Blessin es sich möglicherweise nicht leisten kann, den äußerst talentierten Spieler aus der Startelf zu streichen, spricht Bände für die aktuelle Situation, die durch den kürzlichen Abgang von Stürmer Mathias Pereira Lage für diese Saison noch verschärft wurde.
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Die Fujita-Frage könnte zur wichtigsten und größten Schwierigkeit werden. Was würde mit Fujita passieren, wenn er gegen Mainz zum ersten Mal auf der Bank sitzen müsste? Wird es den sehr ehrgeizigen Profi ermutigen oder ihn für immer behindern und entmutigen? Und was würde das alles für die Zukunft des Weltcup-Fahrers im Kiezklub bedeuten?
Eine schwierige Entscheidung für Alexander Blessin
Eine schwierige Entscheidung für Trainer Alexander Blessin, der darauf setzte, dass Fujita mit viel Einsatz und der richtigen Einstellung auf die Strecke zurückkehren und aus der Krise herauskommen würde. Der Trend geht in die andere Richtung. Den King aus Leistungsgründen auf die Bank zu setzen, wäre sicherlich ein Signal – in viele Richtungen, auch intern, Stichwort: Leistungsprinzip. Das macht die Entscheidung noch schwieriger.
