Und langsam wuchs es! Es sollte nicht der Titel von Wolfgang Ambroses wunderbarem Lied „Bleib weg“ sein, es sollte auch das Motto der Europäischen Union sein. Die Reise ist das Ziel, mit einem kleinen, aber kleinen Unterschied in Ambroses Liebeserklärung. Für die 26 Mitgliedsstaaten gilt jedoch, was Songwriter es so ausdrückt: „Obwohl wir meistens das Gleiche tun, denken wir selten das Gleiche.“
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Diese Zeilen kommen mir in den Sinn, wenn die EU-Kommission nun ankündigt, das Reisen mit der Bahn europaweit vereinfachen zu wollen: Online-Ticketplattformen sollen dazu verpflichtet werden, Angebote neutral und transparent darzustellen; Unternehmen sollten ihre Tickets auf Online-Plattformen denjenigen zur Verfügung stellen, die sie verkaufen möchten; Sie müssen vor allem Fahrkarten für Strecken anbieten, die von anderen Betreibern genutzt werden.
Züge sind zu teuer, um komplex zu sein
Mit dieser Initiative öffnet Brüssel sicherlich die Tür zu den Millionen von Touristen, die sich nicht nur als Transportobjekte in den Händen höherer Mächte sehen, sondern als Kunden von Dienstleistungsunternehmen, die darüber hinaus von Steuergeldern in Milliardenhöhe gesponsert werden.
Die Realität sieht derzeit anders aus: Die Buchung von Zugfahrten mit unterschiedlichen Etappen und Fahrkarten bei verschiedenen Bahnbetreibern kann sehr kompliziert sein – und das ist manchmal eine Untertreibung. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Es gibt kein einheitliches Buchungssystem, weil die zahlreichen Bahngesellschaften mittlerweile keinen Anreiz mehr haben, ein solches zu schaffen. Und Preistransparenz und Vergleichbarkeit gibt es schon gar nicht. Für viele hat die Digitalisierung die Dinge nicht nur einfacher, sondern auch komplizierter gemacht.
Europa muss sich nützlich machen
Warum Behörden, Politiker und Unternehmen so lange untätig blieben, ist ein gut gehütetes Rätsel. Und das gilt umso weniger, wenn man bedenkt, dass mit immer leistungsfähigeren Hochgeschwindigkeitsstrecken quer durch den Kontinent so viele öffentliche Gelder eingesetzt werden, um möglichst viele Menschen zum Umstieg vom Auto oder Flugzeug auf die Bahn zu bewegen. Und es ist staufrei, klimafreundlich und – hoffentlich! – Zeitersparnis, da die Züge einigermaßen zuverlässig sind und im Herzen der Städte ankommen und abfahren.
Nationalstaaten sind eine unüberwindbare Realität, wenn es um die tatsächliche Machtverteilung in der EU geht, vor allem aber als Identitätsanker der Menschen. Dies setzt die Brüsseler Verwaltungs- und Gestaltungsmaschinerie unter Rechtfertigungsdruck hinsichtlich der Alltagsrelevanz. Die Union sollte das Leben ihrer Bürger einfacher, sicherer und möglichst wohlhabend machen. Dabei geht es sowohl um das große Ganze als auch um die vielen kleinen Details. Die Erleichterung von Bahnreisen in der EU entspricht diesem Anforderungsprofil. Jetzt gibt es nur noch Arbeit. Der Kunde ist also endlich König.
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