Andre Trulsen und Andreas Bergman standen vor dem Spiel gemeinsam auf dem Spielfeld. Foto: IMAGO/Jens Doden
Altona 93 verliert das Finale gegen Trulsen – der neue Trainer steht bereits in den Startlöchern
Andre Trulsens Reise als Cheftrainer von Altona 93 ist zu Ende. In seinem Abschiedsspiel – das gleichzeitig das letzte in der Regionalliga war – verlor seine Mannschaft vor 1.675 Zuschauern mit 1:3 gegen die Kickers Emden auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Nach dem Spiel sprach Trulsen über den unerwarteten Abgang und wie es dazu kam.
Zu Beginn der Partie zeigte Altona viel, aber nicht das Gesicht eines Absteigers. Nach 90 Sekunden passte Marcel Sobota einen Wurf auf Pascal El-Nemr, der aus 15 Metern abfeuerte und ihn an Emdens Torwart Moritz Schulze vorbei zum 1:0 schob.
Während sich die Ränge – wohl bedingt durch das letzte Bundesligaspiel und den Abstieg von St. Pauli – nach und nach füllten, gab Altona nicht auf. Doch Gianluca Przondziono (13.) und Rasmus Tobinski (14.) nutzten ihre Chancen nicht. Kurze Zeit später wurde es erstmals gefährlich auf der anderen Seite, wo Michael Ambrosius den ersten Schuss der Emder abwehren konnte. Der Schwung lag nun mehr auf der Seite der Besucher, die von den rund 100 mitgereisten Fans stets lautstark unterstützt wurden.
Emden gleicht aus – Altona 93 fordert einen Elfmeter
Wenige Augenblicke später fiel Altonas Netzwerk zum ersten Mal aus. Allerdings wurde die Flagge schnell gehisst – ein Hinterhalt. Der verdiente Ausgleich fiel tatsächlich in der 31. Minute. Mika Eickhoff schlug eine Flanke ein, die sich in die Länge zog und schließlich den Kopf von Marten Schmidt fand, der als Erster an den Ball kam, bevor AFC-Schlussmann Dennis Lohmann unter den Ball gelangte.
Altona ließ sich davon nicht beeindrucken. Sekunden später hätte es 2:1 für die Gastgeber stehen müssen. Peer Manke spielte im eigenen Strafraum einen katastrophal schlechten Pass auf Tobinski. Sein Schuss ging durch die Beine von Schulze, der den Ball hinter seinem Rücken fing und zum 1:1 führte.
Am Ende der ersten Halbzeit kam es zu einem offenen Schlagabtausch mit reichlich Angriffsaktionen und Torschüssen im Minutenverlauf. Das war in der 43. Minute der Fall, als Moritz Gottel im Zwei-gegen-Zwei-Spiel einen gut getimten Pass auf Tobinski spielte, der wiederum nach Kontakt mit den Füßen zu Boden fiel. Allerdings verzichtete Schiedsrichter Tim-Alexander Strampe auf einen Elfmeter.
Emden zieht zurück – und gewinnt das Spiel
Nach der Pause spielte nur noch Emden. Aus Altonaer Sicht blieb dies jedoch zunächst ungestraft. Erst klärte El-Nemr einen Emder-Ball an den eigenen Pfosten (52.) und dann schaffte Altona es irgendwie, eine Ping-Pong-Situation im eigenen Strafraum zu klären. „Räum den verdammten Ball weg“, war alles, was man vom Spielfeld hörte.
Es war klar, dass dies nicht ewig so bleiben würde. Und so war es. In der 72. Minute traf Sotirios Kaisis nach Vorlage von Thido Steffens zum 1:2. Altona warf im Angriff alles, doch wenig später erhöhte Eickhoff auf 1:3. Das soll auch so bleiben. Altona konnte das letzte Spiel der Saison nicht gewinnen.
Trulsen: „Ich bin für Klarheit und Direktheit“
Andre Trulsens Karriere als AFC-Cheftrainer dauerte acht Spiele. Das große Ziel, den Klassenerhalt, verfehlte er. Er verlässt den Posten mit einem Sieg, einem Unentschieden und sechs Niederlagen. „Wir hatten einfach unterschiedliche Meinungen darüber, wie die Mannschaft in der nächsten Saison vorgehen soll“, sagte Trulsen nach dem Schlusspfiff. „Und dann habe ich für mich selbst eine Entscheidung in dieser Richtung getroffen. Ich bin für Klarheit und Direktheit.“
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Am Donnerstag gab der Verein Trulsens Abgang bekannt. Der Abschied „war nicht wirklich erfreulich und fiel mir sehr schwer“, sagte Trulsen. „In diesem Sinne verlor ich den Verstand für die nächste Saison.“ Er habe jedoch eine „schöne Zeit“ gehabt und wünsche dem Verein weiterhin alles Gute. Er weiß immer noch nicht, was mit ihm passieren wird. „Ich habe nicht viel darüber nachgedacht, weil es so frisch ist.“
Altonaer Präsident Törber: „Wir müssen zwölf Monate warten“
AFC-Präsident Ragnar Torber äußerte sich nach dem Spiel positiv über Trulsen. Er könne sich durchaus vorstellen, „weiter mit Truller zusammenzuarbeiten“. Irgendwann „passte es auf beiden Seiten nicht mehr gut“. Der neue Trainer soll am Montag vorgestellt werden. Die Auswahl für Trulsens Nachfolger scheint zumindest hoch zu sein. „Es ehrt mich sehr, dass wir über 50 Trainerbewerbungen hatten. Das zeigt auch, dass wir es nicht völlig falsch machen“, sagte Torber.
Am Ende reichten 23 Punkte nicht zum Klassenerhalt. Der AFC musste am Ende der Saison nicht nur den Abstieg hinnehmen, sondern wurde auch Tabellenletzter. Auch in der kommenden Saison wird Altona wieder in der Hamburger Oberliga auf Punktejagd gehen. Törber freut sich tatsächlich darauf, denn die kommende Saison werde „wirklich großartig für die Zuschauer. Es ist das erste Mal seit langem, dass sich viele Vereine für die Regionalliga anmelden. Das macht es aus.“
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Allzu lange möchte er jedoch nicht in der fünften Liga bleiben: „Wir werden sofort wieder angreifen. Wir wollen nächstes Jahr wieder regional spielen“, sagte Törber, der eine klare Botschaft im Gepäck hatte: „Man muss zwölf Monate warten, dann kann es weitergehen.“
