Die ETV-Co-Trainer Cem Gürsoy und Jasper Hoelscher feiern den Sieg von ETV. Foto: IMAGO/Niklas Heiden
„Sie sollten verdammt stolz sein“: ETV dringt in die Werbebranche vor
Der Eimsbütteler TV wird als Vertreter der Hamburger Oberliga an der Aufstiegsrunde in der Regionalliga Nord teilnehmen. Mit einem sauberen 4:0-Sieg sicherten sie sich das Ticket gegen Sassel. Zumindest 45 Minuten lang war es nicht so eindeutig, wie der Spielstand vermuten ließ. Für Ausschreitungen sorgten auch zwei verpasste Rote Karten.
Die Ausgangslage war klar: Für ETV zählte nur der Sieg. Auch bei einem Unentschieden gegen Sassel hätte Dassendorf im aufeinanderfolgenden Spiel gegen HEBK die Chance, mit einem Hattrick und einer besseren Tordifferenz weiterzukommen und sich ein Ticket für die Aufstiegsrunde zu sichern.
Weder ETV noch Sasel starteten mit Feuer und Offensivdrang in die Partie am Lokstedter Steindamm. Es war eher ein langsames Abtasten. Wenn es gefährlich wurde, dann nach den Maßstäben des Gastgebers. Nach 12 Minuten köpfte Farid Dibamba einen Eckball an den Pfosten.
Dassendorf präsentiert umstrittene Schiedsrichterentscheidungen
Dann erreichte die Nachricht die rund 350 Zuschauer, die bei strömendem Regen ein hartes Spiel verfolgten: Dassendorf hatte im Parallelspiel die Führung übernommen. Nach 25 Minuten passierten sie den ETV. Etwa zehn Minuten später wurde es richtig wild, als Sassels gesamte Bank aufsprang und eine Rote Karte forderte.
Durchaus verständlich, denn direkt vor ihnen trat Jean Dögl aus Aimsbüttel einem Sassel-Spieler in die Hinterbeine, als der Ball schon längst weg war. Der Schiedsrichter Dominik Kopman ließ ihm jedoch die Gelbe Karte zu. Es gab auch einen über Lennard Wallner, der sich wohl etwas zu laut beschwert hat.
Kurz darauf stand Wallner wieder im Rampenlicht. Diesmal verhinderte er selbst den Gegenangriff von ETV durch ein taktisches Foul (30.). Eine anschließende Gelb-Rote Karte gab es nicht. Vergeltungsgerechtigkeit, könnte man meinen. Logischerweise gab sich ETV mit dieser Begründung nicht zufrieden.
ETV übernimmt die Führung – und folgt sofort
Mit dem Signal zur Halbzeit ging ETV in Führung. Natürlich, wie könnte es an diesem Abend anders sein, war es das Ergebnis einer Dekoration. Anders als zu Beginn des Spiels köpfte Dibamba unter die Latte.
Kurz nach der Pause war es ein unnötig riskanter Ball von ETV-Torhüter Abubakar Fofana, der irgendwie durchrutschte. Er startete ungewollt einen Angriff, den Max Mbodje zum 2:0 verwandelte (49.).
Jetzt war es ein einseitiges Spiel. Nicht unbedingt, weil ETV seinen Gegnern keine Chance mehr gab, sondern weil von Sasel nichts mehr kam. Thoralf Hense sorgte in der 75. Minute für die Entscheidung zum 3:0, bevor Bamo Karim den Schlusspunkt zum vierten Tor erzielte (79.).
ETV-Trainer Schultz: „Du solltest verdammt stolz sein“
Der Vollständigkeit halber: Sassel schoss in der 88. Minute auch erstmals aufs Tor. Das Erlebnis endet jedoch auf der Hauptstraße. Und dann war es vorbei. ETV siegte spätestens nach der zweiten Halbzeit verdient mit 4:0. Der große Jubel blieb nach dem Schlusspfiff aus. Es war eher eine Erleichterung, die sich breit machte. Und Stolz. Im Mannschaftskreis lobte Trainer Kahn Schultz vor allem den Teamgeist seiner Mannschaft und machte deutlich: „Darauf sollten wir stolz sein!“ Immerhin gab es Standing Ovations für das Siegerfoto.
„Wir haben fast keine Nerven gezeigt, außer vielleicht für einen Moment“, sagte Schultz mit Blick auf die angeblich nicht gegebene Rote Karte gegen seine Mannschaft. „Wir können stolz darauf sein, wie wir mit unserem Training und als Gruppe als Außenseiter unter den gegebenen Bedingungen klargekommen sind.“ Die Vorbereitungen für die Aufstiegsrunde hat er noch nicht geplant. „Wenn ich vielleicht eine Apfelschorle in der Hand habe, schaue ich mal, ob ich morgen irgendwo hinkomme“, scherzte Schultz.
Kapitän Karim: „Einfach großartig“
In der Aufstiegsrunde kämpft der ETV nun vom 30. Mai bis 7. Juni um einen der beiden verbleibenden Plätze in der Regionalliga Nord. Zu den Gegnern zählen der Blumenthaler SV (Oberligameister Bremen) und der SV Todesfelde (Oberligameister Schleswig-Holstein). Mit dabei ist auch der Vizemeister der Oberliga Niedersachsen. Derzeit ist es der 1. FC Germania Egestorf-Langreder, aber auch der Heeslinger SC könnte in die Aufstiegsrunde einziehen.
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„Ich möchte jetzt nicht groß reden“, sagte ETV-Kapitän Bamo Karim nach dem Spiel, aber „Ich bin gut gelaunt. Ich glaube, dass wir die Qualität haben, unter die ersten beiden zu kommen.“ Für ihn war es die beste ETV-Saison. „Zu 100 Prozent, auch wie die Atmosphäre im Team war. Alle haben immer trainiert, alle waren bereit. Es ist einfach toll, was hier bei ETV passiert ist.“
