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Politische Unruhen: Die Briten sind verrückt

    Politische Unruhen: Die Briten sind verrückt

    Zweifel an der Zugehörigkeit Großbritanniens zu Europa sind berechtigt. Auf der anderen Seite des Ärmelkanals passieren seltsame Dinge. So ist beispielsweise der britische Gesundheitsminister am Donnerstag zurückgetreten. Nicht weil er etwas falsch gemacht hat, sondern weil er seinen Parteichef und Premierminister Sir Keir Starr zwingen will, seinen Hut abzunehmen.

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    Sie sind verrückt, die Briten. Es wäre fast so, als würde die junge schwarze Hoffnungsträgerin Claudia Bauer ihren Posten als Familienministerin aufgeben, um Kanzler und ÖVP-Vorsitzenden Christian Stocker loszuwerden. Oder, fast noch verrückter, Gesundheitsministerin Corinna Schumann würde „Baba“ sagen, um gegen die Absetzung von Andreas Babler vom SPÖ-Spitzenvorsitz zu protestieren. Wahrscheinlicher ist, dass Bildungsminister Christoph Wiederkehr die rettenden Schulen verlässt und Neos-Chefin Beit Meinal-Risinger den Daumen hoch gibt.

    Ungewöhnlicher für diejenigen, die nur lokale Gepflogenheiten kennen, sind die britischen Spielregeln für die Herausforderung ihres eigenen Präsidenten und Premierministers. Während hierzulande die sogenannten Granden heimlich darüber entscheiden, wer von ihnen der Boss sein darf, muss man auf der Insel, wo Fairplay und Wettbewerb erfunden wurden, zumindest mit offenen Karten spielen. Den konservativen „Tories“ reicht für ein solches Misstrauensvotum die Unterschrift von 15 Prozent der eigenen Abgeordneten. Gelingt dies, muss die Gruppe geheim über den Anführer abstimmen. Wenn die Mehrheit dafür stimmt, ist das Ende besiegelt. Anschließend wird durch Abstimmung der Mitglieder ein neuer Leiter gewählt; Ein abgewählter ehemaliger Anführer darf nicht einmal mehr antreten.

    Babler hätte niemals Parteichef auf der Insel werden können

    Generell misstrauen Linke dem Einzelnen und verlassen sich in Machtfragen lieber auf das Kollektiv. Deshalb reichen die Unterschriften von 20 Prozent der mehr als 400 „Labour“-Abgeordneten, die derzeit im Unterhaus sitzen, aus, um unseren eigenen Premierminister Starmer herauszufordern; Aber sie können es nicht alleine entsorgen. Seit der Amtszeit des linksradikalen Jeremy Corbyn gibt es auch eine wichtige rote Basis in Form von lokalen und Partnerorganisationen.

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    Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, haben Sie Recht. Auch SPÖ-Chef Andreas Bäbler ist es durch Gesetzesreformen gelungen, sich in der Parteispitze zu festigen. Auf die Insel hätte er es gar nicht erst geschafft: Dort konnten nur Parlamentsabgeordnete als Chefs gewählt werden, keine Bürgermeister von Kleinstädten.

    Der Einfluss und das Selbstvertrauen der Abgeordneten in Großbritannien ist angesichts der Schattenexistenz lokaler Vertreter besonders überraschend. Der Hauptgrund für diesen Unterschied ist der Unterschied in den jeweiligen Wahlgesetzen: Auf der Insel wählen die Wähler in jedem der 650 Wahlkreise „ihren“ Vertreter; Gewinner ist derjenige, der die meisten Stimmen erhält. Die Persönlichkeit zählt mindestens genauso viel wie die Parteifarbe – und manchmal sogar noch mehr. Undenkbar in der Alpenrepublik. Dabei werden 183 Mandate anteilig nach dem Stimmenanteil der Parteiliste vergeben; Dies stärkt die Macht der Parteiführer und schwächt die Vertreter. Hinweis: Strukturen bestimmen das Kräfteverhältnis. Dies zeigte sich jüngst mit der Wahl von Ernst Gödel zum neuen Klubobmann der ÖVP. Die eigentliche Entscheidung wurde vom Vorstand der Partei getroffen und die gewählten Funktionäre haben sich gehorsam und zu 100 Prozent daran gehalten. Bei anderen Vereinen ist das nicht viel anders; Auf einer Insel wäre das undenkbar.

    Die beiden Machtstrategien sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht

    Die Chancen dort stehen für den Premierminister-Star äußerst schlecht. Es ist schwer vorstellbar, dass er seinen Untergang noch viel länger hinauszögern kann. Um in der Spitzenpolitik der Kommunalpolitik zu bleiben, bedarf es auch langfristiger Überlebensfähigkeiten. Ebenso wichtig ist ein nachhaltiges Netzwerk an Unterstützern. Die talentiertesten Techniker und Strategen an der Macht der letzten Jahrzehnte sind zwei Politiker, die sonst so unterschiedlich aussehen wie Tag und Nacht. Wolfgang Schüssel überstand zunächst außerplanmäßige Neuwahlen 1995 und dann eine historische Niederlage 1999, bei der die ÖVP auf den dritten Platz hinter SPÖ und FPÖ zurückfiel, nur dass die ÖVP dank einer Koalition mit der Freiheitlichen Partei 1999 erstmals Kanzler und stärkste Partei wurde. 2002.

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    Gegen den überaus aggressiven Geist Schüssels war Werner Faymann (SPÖ) im defensiven „Catenaccio“ im deutschen „Türriegel“ eine große Stärke. Seine schärfsten Gegner befanden sich in den Reihen seiner eigenen roten Basis, die einen aggressiven linken Kurs sehnte. Die Proteste beim Maimarsch auf dem Wiener Rathausplatz 2016 besiegelten seinen Untergang.

    Seit Schüssel und Faymann ist es weder bei der Volkspartei noch bei den Sozialdemokraten mehr still geworden. Denn das ist eine Parallele zur Politik Großbritanniens in Österreich seit dem Brexit-Votum 2016. Man sieht: Parteien finden viele Wege, in kurzer Zeit zu ruinieren – und keinen für sehr lange Zeit. Werden Nigel Farage und Herbert Kickle sich wenigstens bedanken?

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