Vincent Bolloré ist ein Mann, den man in der französischen Öffentlichkeit fast nie sieht, der aber zunehmend im Schatten eines Medienimperiums aus Fernsehsendern, Radio, Printmedien und Buchverlagen agiert. Das neueste Projekt des Milliardärs ist eine Denkfabrik namens „Institut de l’éspérance“ – Hoffnungsinstitut auf Deutsch. Etwa 20 Personen werden darüber nachdenken, wie „gesunder Menschenverstand“ genutzt werden kann, um Frankreich wieder zu Wohlstand zu verhelfen.
Hinterlassen Sie eine Anzeige
Tatsächlich ist Bollorés Institut der Hoffnung vor allem eine weitere Säule des Kulturkriegs, den der 74-Jährige mit seinem enormen Vermögen von zehn Milliarden Euro führt. Er sieht darin eine Art Kreuzzug des Christentums gegen den Islam – und er unterstützt alle Parteien, die das genauso sehen. Breton hat nach und nach französische Medien- und Verlagshäuser aufgekauft und durch einen Führungs- und Personalwechsel seine ideologische Ausrichtung auf das rechtsextreme Spektrum verlagert.
Hissen Sie die Flagge
Im Mittelpunkt des 35 Seiten umfassenden Manifests der Organisation mit mehr als 100 Punkten steht der Kampf gegen Einwanderung. Die Ideen reichen von der Förderung von Geburtenraten, Schuluniformen und Fahnenschwenken vor dem Unterricht bis hin zur Reservierung von Sozialwohnungen für französische Bürger. Beim ersten Treffen des Think Tanks war auch die russische Journalistin Xenia Fedorova anwesend, die in Bollors Medien allgegenwärtig ist und dort prorussische Propaganda fördert.
Das „Bollory-Imperium“ hat sich in Frankreich längst als prägende Kraft in der öffentlichen Debatte etabliert. Bollorés Anhänger sehen darin einen willkommenen Gegenpol zu einer als zu homogen und vor allem zu links empfundenen Medienlandschaft, andere befürchten die beispiellose Konzentration wirtschaftlicher, medialer und ideologischer Macht in den Händen eines Mannes.
Dass Bolloré seinen Glauben als politisches Projekt begreift, ist im säkularen Frankreich besonders irritierend. Während der Filmfestspiele von Cannes wurde Bollors Monopolkontrolle über die Filmindustrie heftig kritisiert. Rund 2.000 Schauspieler und Filmemacher haben den Aufruf „Zapper Bolloré“ unterzeichnet. Der Chef von Bollors Mediengruppe Canal Plus, Maxim Sada, kündigte daraufhin an, nicht mehr mit den Unterzeichnern zusammenzuarbeiten.
„Bolosphäre“
Je näher die Präsidentschaftswahlen rückt, desto brutaler wird der Kulturkampf in Frankreich geführt. Und die „Bolosphäre“, wie die französischen Medien das Milliardärsimperium mit seinen Satelliten aus Journalisten, Schriftstellern und Politikern nennen, hat Stellung bezogen: Sie will nicht nur den Sieg der linken Demokratie, sondern vor allem den Sieg einer zentristischen Partei verhindern.
Bei der letzten Präsidentschaftswahl unterstützte Bollor den rechtsextremen Kandidaten Eric Zemmer, dessen Partei programmatischer Name Reconquête! war. – Rückeroberung – Tragen. Da Zemmur im Jahr 2022 nur sieben Prozent erhält, setzt Bollory ihre Hoffnungen nun auf die Rallye Nationale (RN) von Marine Le Pen und träumt von einer „Union der Rechten“, Verbindungen zwischen der nationalistischen Rechten und den Konservativen.
Dafür ist Le Pen zu liberal
Unter Le Pens Führung galt die RN lange als zu gemäßigt und zu liberal, insbesondere wenn es um soziale Themen wie Abtreibung ging. „Boloré bevorzugt Jordan Bardella zweifellos gegenüber Marine Le Pen“, analysiert Alain Mink, der die politische Landschaft Frankreichs wie kein anderer kennt. Welcher der beiden ins Rennen um die Präsidentschaft gehen darf, wird sich erst am 7. Juli entscheiden, doch klar ist, dass Bollory Bardella systematisch aufgebaut hat: Es wurde alles dafür getan, dass seine intellektuell dünnen Essays zu Bestsellern im Fayard-Verlag wurden. Insbesondere Bardellas jüngstes Buch wirkte wie ein Bewerbungsschreiben für das Amt des Präsidenten.
Hinterlassen Sie eine Anzeige
