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Der größte HSV-Star aller Zeiten: Wie Kevin Keegan in Hamburg zur Kultfigur wurde

    Der größte HSV-Star aller Zeiten: Wie Kevin Keegan in Hamburg zur Kultfigur wurde

    HSV-Star auf und neben dem Platz: Kevin Keegan Foto: WITTERS

    Der größte HSV-Star aller Zeiten: Wie Kevin Keegan in Hamburg zur Kultfigur wurde

    Kevin Keegan war seiner Zeit voraus. Als er am 3. Juni 1977 zum HSV wechselte, war er nicht nur ein großartiger Fußballer, sondern auch abseits des Platzes eine glänzende Figur. Popsänger, Comicfigur, Werbefigur – Keegan war eine Marke. Der erste echte Superstar in der sonst eher grauen Bundesliga seit den 1970er-Jahren. Im Übrigen ist er auch ein herausragender Stürmer, Titelsammler und zweimaliger Europas Fußballer des Jahres. Keegan ist zweifellos einer der größten Stars, die jemals für den HSV gespielt haben. Fans im Volkspark bewundern noch immer die „Mächtige Maus“ – die jetzt gegen den Krebs kämpft. MOPO erzählt seine Geschichte im Rahmen einer Porträtreihe über Hamburger Profifußballer.

    Aus heutiger Sicht kann man ihn vielleicht mit David Beckham oder Cristiano Ronaldo vergleichen. In den 70er Jahren war Kevin Keegan jedoch eine absolute Ausnahme. So etwas hat es noch nie gegeben. Ein Fußballspieler, der nicht nur guten Fußball spielt und in Interviews schüchterne Sprüche sagt, sondern sich auch abseits des Spielfelds wie ein Star benimmt. Medienprofi, Model, eine Art Pre-Internet-Influencer.

    Kevin Keegan ist mittlerweile ein Superstar in England

    Schon vor seinem Wechsel zum HSV war Keegan ein Superstar. Von 1971 bis 1977 spielte der nur 1,73 Meter große Mittelstürmer für den FC Liverpool und gewann unter anderem dreimal die Premier League, zweimal den UEFA-Pokal und schließlich den Europapokal. Als Kapitän der englischen Nationalmannschaft war er einer der beliebtesten Spieler des Landes und wurde 1976 zu Englands Fußballer des Jahres ernannt. Der Hype der Fans um Keegan, der wegen seiner geringen Größe und Dribbelkraft auch „Die mächtige Maus“ genannt wird, war auf der Insel riesig.

    Keegan war auch in den 1970er Jahren ein echter Frauenschwarm.

    Dank Peter Krohn wechselt so ein Spieler ausgerechnet zum HSV. Der damalige Geschäftsführer des Vereins galt damals als Visionär und gilt aus heutiger Sicht als eine Art Erfinder des Unterhaltungsfußballs. Kron führte unter anderem das Showtraining mit Elefanten in Hamburg ein, stellte die berühmten rosa Trikots des HSV vor – und führte Superstar Keegan in den Volkspark. „Ich wollte einen Weltstar anlocken“, sagte Krohn damals. Der stolze Preis: 2,3 Millionen Deutsche Mark – mehr als das Doppelte der bisherigen Rekordablösesumme für einen Bundesligaspieler. Am 3. Juni 1977 war die Veränderung perfekt.

    Seine ersten Monate beim HSV sind „Albtraum“

    Klingt alles perfekt? Ganz im Gegenteil. Keegan bezeichnete seine ersten Monate in Hamburg in seiner Autobiografie My Life in Football (2018) als „Albtraum“. Teamkollegen sperren den Superstar in der Umkleidekabine aus, der weit mehr verdient als alle anderen und mit seiner Frau und zwei Hunden im Penthouse eines Luxushotels in der Innenstadt lebt. Keegan spricht auch kein Deutsch und die Hamburger Profis sprechen kein Englisch und die Qualität des Fußballs im Training findet er „überraschend“ schlecht. „Ich würde lieber wieder weglaufen in die Nacht und den Nebel“, schrieb er in seinem Buch.

    In seiner ersten Saison beim HSV will Keegan nicht wirklich viel erreichen. Aber das ändert sich schnell.

    Demnach läuft es fußballerisch nicht rund. In seiner ersten Saison 1977/78 blieb Keegan hinter den hohen Erwartungen zurück, wirkte unsicher und unglücklich und erzielte in seinen ersten 15 Spielen nur zwei Tore. Während eines Silvester-Testspiels gegen den VfB Lübeck beging der frustrierte und nun unumstrittene Superstar eine Gewalttat und wurde für acht Wochen gesperrt. Eine baldige Rückkehr nach England steht bevor. Doch Keegan nutzte die Sperre, um an sich zu arbeiten – und kam besser zurück als je zuvor. „Ich habe Zeit gefunden, über mich selbst nachzudenken. Und es hat mir geholfen, ein besserer Mensch und ein besserer Spieler zu werden“, sagt Keegan rückblickend.

    Keegan ist ein Star beim HSV – als Fußballer und Werbefigur

    Wegen „seiner fantastischen Leute und seines fantastischen Publikums“, wie er später sagen würde, blieb Keegan beim HSV. Und in seiner zweiten Saison 1978/79 zeigte er allen, was er kann. Mit 17 Toren und 16 Assists sowie konstant starken Leistungen an allen 34 Spieltagen führte er den HSV zur Deutschen Meisterschaft. Die Auszeichnung: die Auszeichnung „Ballon d’Or“ zweimal für den besten Fußballspieler Europas.

    „Ich habe noch nie einen anderen Spieler gesehen, der in einer Saison 34 Spiele in Folge seine absolute Höchstleistung gezeigt hat.“

    Günter Netzer

    „Der Umgang mit den Fans und den Medien war uns um Jahre voraus. Er war ständig in Bewegung, hatte Werbung und andere Verpflichtungen, genau wie ein Geschäftsmann. Es fehlte nur noch ein iPhone.“

    Felix Magath

    „Er war ein toller Typ und ein toller Spieler für den HSV. Er war ein bisschen ein Rockstar im Fußball. Das hat mir natürlich gefallen.“

    Charlie Dörfel

    „Kevin war ein unglaublicher Fußballer, der alles mitgebracht hat. Der Spielertyp, den sich jedes Team heute nur wünschen kann. Kevin hat mit seinem Stil alle um ihn herum begeistert.“

    Horst Hrubesch

    Keegan (Mitte, mit Torwart Rudy Kargus) überreicht den HSV-Fans auf dem Rathausbalkon den Meisterpokal.

    Denn „Mighty Mouse“ ist nicht nur ein herausragender Fußballspieler. Er sorgt auch abseits des Platzes für Schlagzeilen, versteht es, sich zu präsentieren und mit den Medien umzugehen. Die Fans standen stundenlang Schlange, um Keegans Autogramm zu bekommen, und Kevin wurde plötzlich zu einem beliebten Namen für Neugeborene. Die Zuschauerzahlen im Volkspark boomen – auch dank Keegan. Er ist unter anderem als Werbefigur für Deodorant, Radio, Glukose, Cornflakes und ein Videospiel zu sehen; Für den HSV-Hauptsponsor BP kämpft er sogar im Superheldenkostüm fürs Energiesparen. Der Superstar trat auch mehrmals als er selbst im legendären Comic-Magazin „ZACK“ auf.

    Sein Lied „Head over Heals in Love“ wurde ein Hit

    Und das ist noch nicht alles. Keegan ist auch ein erfolgreicher Sänger und landete mit „Head over Heals in Love“ (geschrieben und produziert von der britischen Band Smokie) einen echten Hit. Es wurden mehr als 500.000 Tonträger verkauft und der Song erreichte die Top Ten der deutschen Charts – unter anderem vor ABBA, KISS und den Bee Gees. Bei einem legendären Lauf im Sommer 1979 performte Keegan sogar seinen Hit im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF – genau an dem Tag, als er mit dem HSV gerade die Deutsche Meisterschaft gewonnen hatte. Etwas, das heute undenkbar wäre.

    Kurz nach der Meisterschaft 1979 mit dem HSV veröffentlichte Keegan seine Single „Head Over Heels In Love“.

    Auf seinem fußballerischen, musikalischen und persönlichen Höhepunkt (Keegan und seine Frau bekamen während seiner Zeit in Hamburg eine Tochter, Laura-Jane) blieb der Superstar ein weiteres Jahr beim HSV, wurde in der Saison 1979/80 erneut Vizemeister und erreichte das Europapokalfinale. Anschließend kehrte er nach England zurück und spielte für Southampton FC und Newcastle United sowie für Tigers Kuala Lumpur (Malaysia) und Blacktown City FC (Australien), bevor Keegan 1985 in den Ruhestand ging. Später arbeitete er als Trainer bei Newcastle, Fulham FC, Manchester City und sogar kurzzeitig als englischer Nationaltrainer.

    Der frühere HSV-Star Keegan ist an Krebs erkrankt

    Ende der 2000er Jahre zog sich Keegan vom Fußball zurück. Im Januar 2026 wurde schließlich bekannt, dass er Krebs hatte. „Ich hatte einen Autounfall und musste operiert werden. Bei der Untersuchung zur Operation wurde festgestellt, dass ich Krebs habe“, sagte der ehemalige HSV-Star kürzlich bei einem Auftritt in Newcastle. „Sie sagten, sie hätten den besten Arzt, um das zu behandeln, was ich habe – Krebs im Stadium IV.“

    So sieht Keegan heute aus. Im Jahr 2018 veröffentlichte er seine Autobiografie „My Life in Football“ und im Jahr 2026 erkrankte er an Krebs.

    Derselbe Arzt sieht die Heilungschancen des heute 75-jährigen Keegan bei nur etwa 33 Prozent. „Aber im Moment bin ich noch hier“, betont der stets optimistische Ex-Stürmer. Er wird den Krebs bekämpfen. So wie er es einst als Spieler, als Trainer, als Ikone getan hat. Wie „Mighty Mouse“ oder „King Kev“. Als erster Bundesliga-Superstar. Oder wie der HSV an seinem Geburtstag sagte: „Kevin Keegan hat nicht nur Titel gewonnen. Er hat Herzen gewonnen.“

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