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Pia Hierzagers WM-Ansichten: Wetten?

    Pia Hierzagers WM-Ansichten: Wetten?

    Es war nicht geplant, dass ich mir das Spiel Österreich-Jordanien um 6 Uhr morgens ansehen würde, wenn ich mit zwei Frauen ein Hotelzimmer teilte und es außerhalb von Venedig lag. Denn eigentlich boykottiere ich die WM und die Frauen wollen trotzdem schlafen. Aber mein Körper ist aufgewacht. Und weil man auf seinen Körper hören sollte, beobachte ich ganz ruhig elf österreichische und elf jordanische Männer, wie sie den Ball von Fuß zu Fuß und manchmal auch ins Tor schießen. Sie tun dies, um schließlich Weltmeister zu werden und am 19. Juli den FIFA-Weltmeisterschaftspokal mit leeren Händen in Empfang zu nehmen. Denn nur Weltmeister dürfen den Pokal mit bloßen Händen berühren. Deshalb trug WM-Botschafterin und Schauspielerin Selma Hayek bei der Eröffnung Handschuhe. Fifa ist nicht der Präsident, er ist dicht, er hat die Trophäe angegriffen. Der amerikanische Präsident ist begierig darauf, es dem Weltmeister zu übergeben. Angriffe werden weiterhin erlaubt sein.

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    Im Fernsehen greifen die Österreicher an, doch es kommt nur zu einem Abstoß, dann wird das Spiel durch eine Trinkpause unterbrochen. Ich werde es nicht zum Wassertrinken oder Pinkeln benutzen, damit ich meine Freunde nicht wecke. Stattdessen freue ich mich über die humane Geste der FIFA, Männer isotonische Getränke trinken zu lassen, die ihren Körper zum Schwitzen bringen. Doch bald werden die Bilder von trinkenden Menschen aufgelöst und stattdessen für Potenzmittel, Bier, Autos und Sportwetten geworben. Potenzmittel sind nur für Männer geeignet. Für Bier ist es noch zu früh. Ich brauche im Moment kein Auto, weil ich in Venedig bin und man in der Innenstadt von Venedig nicht herumfahren oder parken kann – was bedeutet, dass die Gegend um den Markusplatz wahrscheinlich sterben wird und die Geschäfte und Restaurants dort früher oder später schließen werden.

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    Bleibt mir also noch das Sportwetten übrig. Im Gegensatz zum Alkohol am Morgen ist er völlig ungefährlich, da er in Österreich als Geschicklichkeitsspiel gilt und daher definitiv nicht süchtig macht. Ich möchte das versuchen. Ich wette, morgen! Werde reich! Geld verdienen! Jetzt ist das Spiel eröffnet. Österreich hat gewonnen, meine Freunde sind jetzt wach und feuern mich zehn Minuten lang an. Mit rot-weiß-roten Augen gehe ich zum eigentlichen Ziel des Venedig-Tourismus, der Biennale. Und nachdem ich 45 Minuten in der Warteschlange gestanden hatte, sah ich, wie nackte Frauenkörper in den glitzernden Höhen des Österreich-Pavillons zu Kunstwerken verarbeitet wurden. Manche Besucher fotografieren trotz Verbot und werden gerügt. Aber nirgends steht, dass man sie nicht angreifen darf. Werden es die eigensinnigen Menschen der Welt einfach machen?

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