Robert Glatzel (links), Bäckerei Jatta und Co. erlebten am 5. Juni 2023 einen schmerzhaften HSV-Abend. Foto: WITTERS
Drei Jahre Dramatik: Nur noch drei HSV-Profis übrig?
Noch nie war der HSV so niedergeschlagen wie am späten Abend des 5. Juni 2023. In der vergangenen Saison gelang der Klassenerhalt in der Bundesliga. Davor war die umjubelte Aufstiegssaison 2024/25. Zuvor, 2023/24, belegten sie in der Ligue 2 den vierten Platz und sahen unter Steffen Baumgart schon relativ früh aus, als würden sie ihr Ziel verfehlen. Die Enttäuschung, gab Jonas Meffert damals zu, sei „ganz anders“ gewesen als beispielsweise am Ende der Runde 2022/23. Vor genau drei Jahren erlebte das Volksparkstadion ein großes Drama – den Abstieg. Heute ist davon nur noch sehr wenig übrig.
Von den 20 Profis, die Ex-Trainer Tim Walter für das Rückspiel gegen den VfB Stuttgart am 5. Juni 2023 in den Kader des HSV berief, sind nur noch fünf dabei: Daniel Hoyer Fernandez, Miro Muheim, Pekarna Jatta, Jean-Luc Dompe und Robert Glatzel. William Mickelbrenzis und Ransford Koenigsdorfer traten damals als Joker auf, doch ihr Abgang in diesem Sommer war entschieden bzw. offiziell: Koenigsdorfer wechselte ablösefrei nach Mainz. Der neue Verein von Mikelbrenzis ist noch offen, sein auslaufender Vertrag beim HSV wird jedoch nicht verlängert.
Der HSV verlor am 5. Juni 2023 gegen den VfB Stuttgart
Wenn man die Aufstellung von vor 36 Monaten mit heute vergleicht, erkennt man eine enorme Veränderung. Und nun könnten noch weniger übrig sein als der Absteiger Hamburg, der nach einer 0:3-Hinspielniederlage auch das Duell im Volksparkstadion (1:3) verlor. Robert Glatzel, damals absoluter Stammspieler unter Ex-Cheftrainer Tim Walter, steht vor einem Wechsel zum VfL Wolfsburg. Der Stürmer hat bereits eine Entscheidung getroffen, über die Ablösesumme müssen sich die beiden Nordklubs noch einigen. Und auch Jean-Luc Dompe, der im Rückspiel gegen Stuttgart wie damals üblich auf der linken Seite spielte, gilt derzeit als Verkaufskandidat.
Sollten die langjährigen Fanlieblinge Glatzel und Dompe den HSV in diesem Sommer verlassen, werden im Vergleich zu damals nur Rechtsaußen Bakery Jatta, Linksverteidiger Miro Muheim und Torwart Daniel Heuer Fernandes dabei sein. Jatta, der inzwischen auf der Bank sitzt, schaffte letzte Saison den Durchbruch und dürfte auf dem rechten Flügel weiterhin eine Option bleiben. Muheim, der sich seit seiner Ankunft im Sommer 2021 zum absoluten Spitzenreiter entwickelt hat, nahm mit der Schweiz an der Weltmeisterschaft teil und wird dann im Volkspark erneut die Führung übernehmen. Und Hoyer Fernandes, der weiterhin die unangefochtene Nummer eins bleibt, hat seinen Vertrag kürzlich zum dritten Mal seit seinem Wechsel 2019 verlängert.
Jatta, Muheim und Heuer Fernandes sind noch da, aber Dompe?
Dieses Trio 2023 soll auch die Zukunft des HSV darstellen. Wie jedes Jahr werden Jatta, Muheim und Heuer Fernandes in den kommenden Wochen viele neue Kollegen um sich begrüßen. Bisher ist nur der Transfer von Kofi Amoako, der für knapp zwei Millionen Euro aus Dresden kam, offiziell. Auch die Verpflichtung des ehemaligen Leihspielers Albert Grönbeck für gut 4,5 Millionen Euro steht fest. Der Däne verlässt Rennes. Mit Glatzel und möglicherweise Dompe könnten zwei der einflussreichsten HSV-Persönlichkeiten der letzten Jahre vor dem Abschied stehen.
In den Wochen seit dem verlorenen Abstiegsdrama gegen Stuttgart haben sich nur zwei Profis aus der Startelf verabschiedet: Sonny Kittel, der zu Rakov Czestochowa nach Polen gewechselt ist – und kürzlich an den hessischen Siebtligisten SV Bauerbach herangeführt wurde. Zudem endete im Sommer 2023 die Leihe von Verteidiger Javi Montero für die Rückrunde. Der 27-Jährige spielt mittlerweile beim spanischen Zweitligisten FC Málaga.
Bilbija und Co. – wohin es die HSV-Profis seitdem zieht
Ein Trio der Startelf des Absteigers verließ Hamburg im vergangenen Jahr. Moritz Heyer floh zu Fortuna Düsseldorf, wo sein Vertrag voraussichtlich nicht verlängert wird; Einige Monate später entschied sich Ludovit Reis für einen Wechsel zum Club Brügge, doch wirklich glücklich ist er dort immer noch nicht. Und der ehemalige Kapitän Sebastian Schoenlau wurde zu den Vancouver Whitecaps transferiert, wo ihn bislang (Verletzungs-)Pech plagen. Mittelfeldspieler Reiss könnte bald nach Deutschland zurückkehren, Verteidiger Schoenlau möchte sich endlich in Kanada etablieren.
Die Wege der anderen ehemaligen HSV-Profis, die vor 36 Monaten gegen Stuttgart im Kader standen, hätten unterschiedlicher kaum sein können. Jonas Meffert blieb bis Anfang dieses Jahres und entschied sich dann für eine Rückkehr zu Holstein Kiel. Philipp Bilbia ist kürzlich mit dem SC Paderborn in die Bundesliga aufgestiegen. Tom Sann wurde letzte Woche dem Regionalligisten SV Drochtersen/Assel vorgestellt. Nicolas Oliveira spielt seit einem Jahr für den Drittligisten SSV Jahn Regensburg. Elijah Krahn wechselte in der vergangenen Saison beim 1. FC Saarbrücken, ebenfalls in der 3. Liga, zwischen der Ersatzbank und der Startelf. Valon Zumberi gilt als regelmäßiger Defensivspieler beim niederländischen Zweitligisten Vitesse Arnheim. Und Ogechika Heil kehrte in den Amateurbereich zurück: Der 25-Jährige wurde mit dem ETSV Hamburg Oberligameister, sein Vertrag dort läuft jedoch Ende Juni aus.
