Bilal Nadir überzeugte für den HSV gegen Stuttgart. Auch bei seinem Ex-Klub Marseille verehrten prominente Trainer den Techniker.
Yussuf Poulsen schwärmte am Samstag ungefragt von Bilal Nadir. „Er ist ein toller Fußballer, der sehr gut kicken kann und am liebsten am Ball ist“, sagte der Däne über den Franko-Marokkaner. der die HSV-Fans erstmals gegen Stuttgart so richtig überzeugte. Neben der technischen Qualität gefiel Poulsen noch etwas anderes: „Wenn man sieht, wie Bilal sprintet und alles gibt, bis er nicht mehr kann: Das ist genau das, was wir brauchen.“ Es war ein großes Lob für Nadir, der auch viele Trainer beeindruckte.
Wer am Wochenende im Volkspark war oder den 1:0-Sieg im Fernsehen verfolgte, wird verstanden haben, warum Nadir in der vergangenen Saison viermal in der Champions League spielte. Das war für seinen Ex-Klub Olympique Marseille – und unter Trainer Roberto De Zerbi, der mittlerweile bei Tottenham in der Premier League an der Seitenlinie steht.
De Zerbi über Ex-Marseille-Profi: „Ich mag alles an Nadir“
Nadir wurde in Frankreich 39 Mal vom Italiener eingesetzt; Kein anderer Trainer hat ihm in seiner Profikarriere so oft vertraut. De Zerbi, der seine Position bei Marseille im Sommer 2024 antrat, setzte den langfristig angeschlagenen Mittelfeldspieler erstmals vor knapp zwei Jahren ein – und schwärmte schnell von ihm. Im Januar 2025 sagte er: „Mir gefällt alles an Nadir. Ich mag seine Einstellung, seine Persönlichkeit. Er will sich weiterentwickeln und macht viele interessante Dinge. Der Ball verbrennt ihm nicht die Füße.“
Mit dieser Metapher wollte De Zerbi zum Ausdruck bringen, dass Nadir auch unter dem Druck der Gegner recht ruhig bleibt, nicht nervös wird und selten Gefahr läuft, fieberhaft die Haut zu verlieren. Diese Fähigkeit zeigte der 22-Jährige nun auch gegen Stuttgart, im zweiten Bundesliga-Einsatz des 22-Jährigen. Auch im Vergleich zum 0:5 gegen Mainz war Nadir konsequent und klar in seinem Handeln und wies jeden Vorwurf zurück, er sei phasenweise zu verspielt. Die defensive Position im zentralen Mittelfeld erfordert Seriosität. Und er hat es gezeigt.
Frühere Vergleiche mit Nationalspieler Adrien Rabiot
Nach dem Heimsieg verwies Merlin Polzin auf die „Possession-Mentalität“ seines Vorgehens, die zuvor mit fußballerischen Fähigkeiten in Verbindung gebracht worden sei. De Zerbi sagte einmal über Nadir: „Er engagiert sich gerne an der Front und ähnelt Adrien Rabiot.“ Der HSV-Profi spielte in Marseille 16 Mal mit demselben Rabiot (31) – französischer Nationalspieler, Ex-PSG-Profi und jetzt beim AC Mailand aktiv – zusammen und konnte dabei viel lernen.
Nadir hat sein Debüt als Starter für die erste Mannschaft der Ligue 1 von Olympique einem anderen italienischen Trainer zu verdanken: Legende Gennaro Gattuso (48). Der 73-fache A-Nationalspieler und Weltmeister von 2006 vertraute dem damals 20-Jährigen Ende 2023 an: „Bilal Nadir ist ein Spieler mit großem Talent. Es ist mein Fehler, ihm vorher wenig Spielzeit gegeben zu haben. Aber ich denke, er wird sich einen Namen machen.“
Viel Lob gibt es auch vom italienischen Idol Gennaro Gattuso
Es sollte so sein – auch wenn Gattuso, der jetzt als Trainer der Serie A bei Lazio Rom arbeitet, im Februar 2024 bei Marseille entlassen wurde. Einige Monate später übernahm De Zerbi das Amt und unterstützte den Youngster weiterhin, darunter vier Einsätze in der höchsten Spielklasse. Nach dem Rücktritt von De Zerby im Februar dieses Jahres wurde es auch für Nadir schwieriger. Der Nachfolger von Trainer Habib Beye, der bei Olympique nun wieder Geschichte ist, nutzte die Technik in der Rückrunde der Ligue 1 nur dreimal. Ende Juni lief Nadirs Vertrag in Frankreich nach kleineren Verletzungen aus. Der HSV verpflichtete ihn im Juli ablösefrei, nachdem der kurzzeitig arbeitslose Fußballer einige Wochen alleine trainieren musste.
„Bilal bringt ein hohes Maß an fußballerischer und technischer Qualität mit“, sagte Klaus Costa bei der Vorstellung. „Er ist in der Lage, den Rhythmus zu verändern und als Verbindungsspieler die Mannschaftsteile miteinander zu verbinden. Gleichzeitig zeichnet er sich durch eine hohe Spielfreude und Zuverlässigkeit im Spiel gegen den Ball aus.“ Im Zweifelsfall: Spätestens seit diesem Samstag im Fall Nadir ist klar, dass der Sportdirektor des HSV nicht nur leere Worte übrig hat.
