Zukünftig werden mehr Bundesliga-Spiele im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Foto: Bild/Ulmer/Teamfoto
Nach der Übernahme von Sky durch RTL: Was sich für Fußballfans ändert
Nach der guten Nachricht aus Brüssel am Mittwochabend jubelte RTL-Geschäftsführer Stefan Schmitter „so emotional wie damals, als Luis Diaz das 3:3 des FC Bayern gegen Real Madrid erzielte“, wie er es ausdrückte “Doch nachdem die Europäische Kommission den Kauf des Pay-TV-Senders Sky durch RTL genehmigt hat, sind noch viele Fragen offen. Was bedeutet der Deal für Sportfans vor ihren Bildschirmen? Gibt es eine Verbesserung im Abo-Dschungel?
Der Plan, dass die RTL Group Sky Deutschland kaufen möchte, wurde bereits im Juni 2025 bekannt gegeben. Die EU-Kommission hat bereits grünes Licht gegeben, es gebe keine „wettbewerbsrechtlichen Bedenken“. RTL zahlt der Sky-Muttergesellschaft Comcast einen festen Betrag von 150 Millionen Euro. Darüber hinaus wird es in den nächsten fünf Jahren einen variablen Anteil von bis zu 377 Millionen Euro geben, abhängig von der Entwicklung des RTL-Aktienkurses. RTL, das in den letzten Jahren vor allem als Unterhaltungssender positioniert war, baut sein ohnehin schon großes Sportportfolio noch einmal immens aus. Die Marken Sky und WOW bleiben ebenso erhalten wie der Sky-Standort München.
Nach dem Kauf von Sky will RTL mehr Spiele im frei empfangbaren Fernsehen zeigen
Das Wichtigste haben die Länder bereits angekündigt: mehr Sport für alle – insbesondere Fußball. „Es wird mehr Spiele im frei empfangbaren Fernsehen geben als jemals zuvor“, versprach Schmitter, verriet aber noch keine genaue Zahl. Sky, der umfangreiche Rechteinhaber für die Bundesliga und den DFB-Pokal, hat bisher ein Bundesligaspiel pro Hin- und Rückflug an einen frei empfangbaren Sender unterlizenziert. Nun dürfte die Zahl noch steigen: Laut Rechtepaket sind bis zu zehn Spiele pro Saison erlaubt und RTL wird fortan der erste Port sein. Darüber hinaus werden alle 63 DFB-Pokalspiele auch beim Streamingdienst RTL+ zu sehen sein. Umgekehrt wird Sky ab der nächsten Saison die Europa League übertragen, an der RTL die Rechte bis 2027 besitzt.
Auch außerhalb des Fußballs scheint ein „Rechtswandel“ möglich. Sky hält die Rechte an der Formel 1, vielen großen Turnieren im Tennis, Basketball (NBA) und Eishockey (NHL). RTL hat sich in den letzten Jahren bereits Unterlizenzen für verschiedene Formel-1-Rennen gesichert – gut möglich, dass die Finals von Tennisstar Alexander Zverev oder den Basketball-Weltmeistern Franz Wagner und Dennis Schröder künftig auch im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein werden.
RTL will durch neue Abo-Pakete Preisvorteile bieten
RTL will den „Abo-Dschungel“, der seit Jahren bei Fußballfans für Unzufriedenheit sorgt, so weit wie möglich beseitigen. Der Sender wolle „verschiedene Abo-Pakete und Bundles zusammenführen, um den Fans Preisvorteile zu verschaffen“, erklärte Schmitter. Das Unternehmen will seine Preisgestaltung „an der Maxime ausrichten, dass es fortan für jedes Budget ein Angebot geben soll“. Spätestens zum Start der neuen Bundesliga-Saison soll es neue Auswahlmöglichkeiten geben.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Streaming-Markt: Laut Schmitter haben RTL+ und Skys Streamingdienst WOW zusammen gut 12 Millionen Abonnements und sollen mit den Giganten Amazon, Netflix und YouTube konkurrieren. „Beim Auftritt der Großen kämpfen wir nicht nur um den dritten Platz, sondern kämpfen uns letztlich an die Spitze“, sagte Schmitter. Das gilt neben dem Sport auch für das Serienangebot, das WOW mit sich bringt.
An beiden Bahnhöfen kommt es zu Personalabbau
Wie die neuen Abo-Strukturen aussehen werden und ob es zu einem Zusammenschluss im Streaming-Bereich kommen könnte, ist nur eine der offenen Fragen. Spannend wird auch sein, wie viel und welchen Live-Sport RTL ins frei empfangbare Fernsehen bringt – und ob die Formel-1-Partnerschaft vor diesem Hintergrund verlängert wird. Schließlich galt RTL jahrelang als die Heimat der automobilen Königsklasse.
Sie könnten auch interessiert sein an: Master! Mit diesem Ballermann-Schlag feierten die Bayern-Frauen ihren Titel
Der Deal wird für beide Betreiber einen Personalabbau nach sich ziehen. Durch den Zusammenschluss „wird es auch zu einer Verschlankung kommen“, sagte Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, zu dem die RTL Group gehört, gegenüber dem Handelsblatt – „wir werden Doppelstrukturen beseitigen.“ Das langfristige Ziel nach der Sky-Übernahme sind „15 Millionen Abonnenten bei RTL+, Sky und Wow“. (sid/vb)
