Singles & EPs – Platte des Monats
Tony Rios
Saurer Morgen (Bluefin)
Kaum zu glauben, aber das Kölner Label von Andrea Engels macht wieder Vinyl. Was für eine Freude, als der DHL-Kurier das Paket mit Toni Rios 12 überbrachte. Zwei 2025 erschienene Produktionen von Woman Legend erhielten Remix-Unterstützung von Andreas Henneberg auf A und Andrea Walter auf B. Mit seiner „Acid Morning“-Variante hat The Glitz Mastermind einen groovigen, rockigen Top-Technologen geschaffen. Auf der anderen Seite ist es etwas knackiger, aber nicht weniger groovig, wenn die Säure so verspritzt ist, dass es einem in den Ohren brennt, aber den Gesang muss man einfach lieben. 10 Punkte Svenman
Singles & EPs – Top Ten
Alexander Kowalski
Signy (Remix) (Damage Music Berlin)
Alexander Kowalski hat zu einem großen Remix-Wettbewerb für seinen Track „Sinee“ aufgerufen und präsentiert nun die Ergebnisse. Die Gewinner – SMBR, Sven Köhne und GZI – haben sich Remix 1×1 offensichtlich zu Herzen genommen und genau das getan, was ein Remix tun sollte: den Track nicht neu erfinden, sondern ihn neu interpretieren. Ähnlich homogen klingen auch die vier Tracks der Scheibe, die unsere Ohren mit treibendem Dub-Techno mit Detroit-Einflüssen durchlöchern. Eine kleine Ausnahme bildet die Version von GZI, die mit etwas Mut das Original in eine gebrochene Beatnummer im 2-Schritt-Takt verwandelt. Deshalb wird er jetzt verletzt? Nein, denn vielleicht ist seine Version der perfekte Kontrast zum Abschluss der Platte. Gute Arbeit, Leute. 9 Lankford
DJ Ehrlichkeit
Unbekannte Freude (kein Sprecher)
Honesty bringt mit „Unknown Joy“ einen spannenden Mix aus Dub-Techno und bassgetriebenen, hypnotischen Grooves zu No Speaker. Der Titeltrack kombiniert Dub-Technologie mit hellen Texturen und sorgt für tolle Stimmung auf der Tanzfläche. Arcajos Remix arbeitet von Anfang an mit wahnsinnigen Pads und Elektrosynths – ein Peak-Time-Roller. Schließlich kommen die Garagen-Untertöne der gebrochenen Beat-Percussion ins Spiel, während „Notice“ mit seinem schweren Bass die sehr gute Platte abrundet. 9 Auto 10. Arbeitslos
klebriger Mann
Gluten-Menschen 03 (Gluten-Menschen)
Gluten People sind mit ihrer dritten EP zurück und liefern wieder einmal einen wunderbar reduzierten Clubsound. „A Kinky Girl From The City“ eröffnet die Platte mit einem hypnotischen Groove, zarter Percussion und viel Druck im unteren Bereich – definitiv mein Lieblingstrack für mich. „Follow Me“ ist etwas funkiger, während „Papacito“ und „Think About the Crowd“ eher auf einen rollenden, tiefen Groove setzen. Besonders schön sind die vielen kleinen Details, die sich erst langsam entfalten und den Tracks ihre eigene Tiefe verleihen. Eine sehr melodische EP, die entspannt rüberkommt, aber dennoch einen echten Eindruck auf der Tanzfläche hinterlässt. 9 Anil
Dunkelheit des Meeres
Ilväder (Brechungsaufzeichnung)
Tolle EP des finnischen Duos Havsmörker, die leicht zwischen Dub House, Breaks und hypnotischem Techno oszilliert. Der Titeltrack beginnt mit weiten Weiten in der skandinavischen Tundra und einer nächtlichen, bitterkalten Atmosphäre. Ein sagenhafter Fluss in die Tiefe. Auf die B-Seite folgt das ätherische „Nordanväderslyckan“ mit seinem technoiden Rahmen und einer märchenhaften Mystik, die von Flöte, Bratsche und Gitarre hervorgerufen wird. Sehr psychedelisch. Tolle, einzigartige Platte. 10 Tanaka
Doppelpunkt
Speicher 140 (Kompakt Extra)
„Kölsch“ klingt definitiv nach Köln und Kompakt, aber der Künstler Kölsch kommt aus Dänemark und veröffentlicht eine weitere EP auf Kompakt. „Anti Promi Energy“ (der Grund für den Titel wird für den Autor dieser Zeilen sehr interessant sein) bewegt sich zwischen den Balearen und Nordeuropa und klingt sofort sehr nach einer Kompakten, und im zweiten Track kommt der kölsche Humor ins Spiel, denn „Verschwinden“ ist wohl unter dem Einfluss von Coles entstanden: Percussion, dann „viel mit Leuten, und viel. Hat“ (Kolsch) bringt ein Folk-Sample ins Spiel und rät Grants, dass wir alle gemeinsam für die Ewigkeit verschwinden sollten. Das wäre alles! 9 Dunkle Domäne
Maceo Plex
Der Plan (Him Audio)
Wir haben seit drei Jahren nichts von Maceo gehört. Jetzt bietet uns der US-Produzent mit „The Plan“ einen kraftvollen Techno-Hammer, der seine düsteren und viszeralen Vibes ausstrahlt. Gesanglich: Baby Monsta und zusammen klingt es wie Chemical Brothers-Sachen. Oben! Ein komplettes Kontrastprogramm auf der Kippe: Lockere und melodische Kino-Action, flirrende Keys und Synthesizer – zu stylisch für mich. Sondern weil der Start großartig war. 9 Auto 10. Arbeitslos
Maximilian
MIKROKOSMOS EP 8 (EVIDEON STUDIO RECORDS)
Maximilian begibt sich auf den analogen Weg und verschickt mit „Mikrokosmos EP 8“ zwei Hardware-House-Trips auf schwerem 180g-Vinyl. „Le Coupey“ beginnt tief und hypnotisch mit dubbigen Texturen, kleinen Säureflecken und einer rauen Stimme, die dem Track eine leicht mystische Note verleihen. Toller Klang – sehr geduldig und beruhigend. Auf der B-Seite wird „Brahma“ düsterer und etwas dramatischer. Die großzügige Pad- und Saiteneinheit stehen klar im Fokus und sorgen für eine fantastische Atmosphäre. Die Stimme – wiederum sehr dramatisch – krönt das Ganze. Volle Punktzahl! 10 Lenkford
Indigo-Kind
Smriti EP (Waveform Entertainment)
Indigo Child aus San Francisco präsentiert „Memories“, eine herrlich warme Zwei-Track-EP, die House, Soul und R&B vereint. Der Titeltrack basiert auf einem knochentrockenen, anmutig swingenden House-Groove, über dem ein wehmütiges R&B-Sample hängt. Es wirkt einfühlsam, aber nie übermäßig zuckersüß, und die gedämpften Drums geben ihm genau den richtigen Kick für Clubs und Kopfhörer. „East Bay“ ist etwas verspielter: Federnde Drums, elastischer Bass, flockiger Gesang und melancholische Akkorde sorgen für eine lässige Bay Area-Wärme. Wunderschön gefühlvolle Platte mit Soul, Punch und einem sehr melodischen Fluss. 8 Tanaka
Triple Five Sol
Ton aus Pfund-Lautstärke. 1 (Mohnschnitt)
Das neue Label von Vin S & Five aus San Francisco legt von Beginn an richtig Fahrt auf: „Blocked“ entwickelt sich zu einem monströsen, auf das Wesentliche reduzierten Groover, 303 legt den Part in 70er/80er-Jahre-Manier mit Understatement und etwas Gospel-Sampler-Expertise hin – so cool! Es folgen Deep House, dicke Drums und Reverb-Rimshots mit etwas Schwung – moderner Disco-House vom Feinsten! Ein körniger Rhythmus und gelegentliche Pads sorgen für eine coole und entspannte Atmosphäre („Grocery Bag“). Ein Dub-artiger Akkord kombiniert mit einer organischen 80er-Jahre-Basslinie und Gesang vermittelt wieder einmal viel Emotion. Johnny Five und Vin Sol haben viel Spaß mit diesem Label-Launch, den wir mit Interesse verfolgen werden. 10 Auto 10. Arbeitslos
Hier Hören Sie zu und befehlen Sie.
aus FAZEmag 176/10.2026
