Ein perfektes Trainer-Duo beim FC St. Pauli: Holger Stanislawski (l.) und André Trulsen Foto: WITTERS
Stanislawski, Trulsen und Co.: Was wurde aus den früheren St. Pauli-Trainern?
Von Dietmar Demuth bis Alexander Blessin: 17 verschiedene Trainer hatte der FC St. Pauli bislang in diesem Jahrtausend. Unter ihnen war unter anderem mit Ewald Lienen eine Bundesliga-Legende, mit Timo Schultz ein Urgestein des Vereins und mit Fabian Hürzeler ein heiß begehrter Aufstiegstrainer. Was die Ex-Trainer des FC St. Pauli heute machen, dürfte viele Fans überraschen – einer von ihnen tourt durch halb Europa, einer war zwischenzeitlich mal Gastronom und einer führt mittlerweile einen Hamburger Supermarkt. Die MOPO gibt einen Überblick.
Dietmar Demuth (2000-2002): Vom Trainer zum Gastwirt
Schon als Spieler läuft Dietmar Demuth viele Jahre für den FC St. Pauli auf, absolviert stolze 279 Pflichtspiele für den Kiezklub in der Bundesliga, 2. Liga und Regionalliga Nord. Nach seinem Karriereende trainiert er zunächst die Amateurmannschaft von St. Pauli und kehrt nach Stationen in Kaiserslautern, Lurup und Wolfsburg 1999 als Co-Trainer unter Willi Reimann auf den Kiez zurück. Nach der Trennung von Reimann übernimmt Demuth im März 2000 als Chef und führt den FC St. Pauli 2001 als Tabellendritter der 2. Liga zurück in die Bundesliga. Dort wird das Team unter seiner Führung zwar „Weltpokalsiegerbesieger“ gegen den FC Bayern, steigt aber nach einem Jahr wieder ab. Weil auch der Saisonstart in Liga zwei misslingt, muss Demuth im August 2002 gehen.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 15.03.2000 | 19.08.2002 | 87 | 26-26-35 | 1,20 |
Es folgt ein Ausflug nach Ghana zum Ashanti Gold SC (2003-2004), ehe Demuth den Chemnitzer FC 2005 vor dem Abstieg aus der Regionalliga rettet. Danach coacht er erst Eintracht Braunschweig (2006-2007) und dann viele Jahre lang den SV Babelsberg (2007-2012). 2013 kehrt Demuth kurzzeitig nach Hamburg zurück, als er den FC Bergedorf 85 als Trainer und dessen Vereinsheim als Gastronom übernimmt. Schnell geht’s dann aber zurück in den Berliner Raum zum Berliner AK (2014), dem ZFC Meuselwitz (2014–2015), Chemie Leipzig (2016–2018) und dem CFC Hertha 06 (2020–2021). Heute ist Demuth noch immer als Trainer tätig: Bis vor wenigen Wochen ist der 71-Jährige beim MSV Neuruppin in der Brandenburgliga tätig gewesen, vier Spieltage vor Saisonende 2025/26 aber wegen des drohenden verpassten Aufstiegs entlassen worden.
Joachim Philipkowski (2002): Seit 37 Jahren bei St. Pauli!
Nach dem Aus von Demuth wird mit Joachim Philipkowski sein bisheriger Co-Trainer der neue Chef beim FC St. Pauli. Doch der langjährige braun-weiße Profi, der zuvor nur Trainererfahrung im Nachwuchs gesammelt hat, erweist sich am Millerntor nicht als Glücksgriff. „Piepel“, wie er genannt wird, verliert sein Zweitliga-Debüt als Coach gegen den VfB Lübeck direkt mit 0:6. Drei Siege in 17 Spielen genügen Philipkowski nicht, um die St. Pauli-Bosse zu überzeugen. Nach elf sieglosen Partien in Folge und nur vier Monaten Amtszeit wird im Dezember 2002 auch er mit einem Punkteschnitt von nur 0,71 entlassen.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 20.08.2002 | 16.12.2002 | 17 | 3-3-11 | 0,71 |
Für Philipkowski bleibt es bis heute die einzige Profi-Station als Trainer. In den folgenden Jahren trainiert er den Nachwuchs von Werder Bremen (2003-2004) und die Amateure des HSV (2004-2005), kehrt dann aber direkt wieder zum FC St. Pauli zurück. Und dort ist der Allrounder bis heute tätig: zunächst als Nachwuchs- und Amateurtrainer, dann als Leiter der Nachwuchsabteilung und seit 2022 als Scout. Mittlerweile bringt es der 65-Jährige auf stolze 37 Jahre in verschiedenen Funktionen bei den Kiezkickern.
Franz Gerber (2002-2004): St. Pauli stürzt in Regionalliga
Mit Franz Gerber soll abermals ein ehemaliger Spieler den FC St. Pauli vor dem Absturz retten. Als bereits dritter Trainer der Saison wechselt der Ex-Profi, eigentlich Sportlicher Leiter beim Kiezklub, zum Jahreswechsel 2002/03 auf die Bank und bringt Coaching-Erfahrung vom TuS Celle FC (1991-1995), von Hannover 96 (1999) und vom VfB Oldenburg (2002) mit. Doch auch „Schlangenfranz“, wie Gerber wegen seiner Begeisterung für Reptilien genannt wird, kann den direkt erneuten Abstieg von St. Pauli in die Regionalliga nicht verhindern. Nur dank der Retter-Kampagne, bei der zahlreiche Fans, Privatleute, Sponsoren und auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß Geld aufbringen, vermeidet der Kiezklub die Insolvenz und den Absturz in die Oberliga. Gerber darf den Neuanfang als Trainer leiten und verhilft unter anderem seinem Sohn Fabian zum Profi-Debüt, wird im Frühjahr 2004 aber schließlich doch entlassen – weil St. Pauli sogar in der Regionalliga in Abstiegsnot gerät.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 29.12.2002 | 28.03.2004 | 42 | 12-13-17 | 1,17 |
Vom Trainer-Dasein hat Gerber daraufhin erst mal genug. Er arbeitet fortan als Sportlicher Leiter beim Goslarer SC (2006-2007), bei der Nationalmannschaft von Madagaskar (2007) und viele Jahre bei Jahn Regensburg (2009-2013). Sowohl bei dem Klub in Bayern als auch beim BSV Rehden springt er jeweils kurzzeitig als Interimstrainer ein, ist sonst aber in beratender Funktion in Rehden und beim FC Giessen in Hessen tätig. Seit 2020 arbeitet Gerber, heute 72 Jahre alt, bei Rot-Weiß Erfurt als Sport-Geschäftsführer und ist zudem finanzieller Unterstützer.
Andreas Bergmann (2004-2006): Legendäre „Bokal“-Serie
Mit der Verpflichtung von Andreas Bergmann geht der FC St. Pauli einen neuen Weg und setzt erstmals in diesem Jahrtausend nicht auf einen braun-weißen Ex-Profi. Der Fußball-Lehrer ist zuvor als niedersächsischer Verbandstrainer tätig gewesen und hat beim Karlsruher SC unter anderem mit Stefan Kuntz oder Joachim Löw zusammengearbeitet. Er ist bereits drei Jahre lang beim Kiezklub im Nachwuchs und in der 2. Mannschaft aktiv, ehe er zum Chefcoach befördert wird. Und obwohl auch unter ihm die Zweitliga-Rückkehr nicht gelingt, schreibt Bergmann Geschichte – mit der legendären „Bokal“-Serie im DFB-Pokal, als sich St. Pauli nach Siegen gegen Burghausen, Bochum, Berlin und Bremen erst im Halbfinale gegen den FC Bayern München (0:3) geschlagen geben muss. Weil es aber in der Liga weiterhin nicht läuft und man im November 2006 bereits so viel Rückstand auf die oberen Plätze hat, dass der dritte verpasste Aufstieg in Folge droht, muss Bergmann schließlich gehen.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 29.03.2004 | 20.11.2006 | 106 | 45-32-29 | 1,58 |
Bei Hannover 96 schlägt er daraufhin eine ganz ähnliche Laufbahn ein: Trainer erst im Nachwuchs, dann in der zweiten Mannschaft und schließlich bei den Profis (2007-2011). Nach jeweils kurzen Stationen beim VfL Bochum (2011-2012) und Hansa Rostock (2013-2014) sowie einem exotischen Abstecher zu Daytona Rush in die USA (2019) kehrt Bergmann nach Hamburg zurück und heuert bei Altona 93 an. Dort ist er von 2020 bis 2026 sechs Jahre lang als Trainer und Sportlicher Leiter tätig, seit April 2026 ist der inzwischen 66-Jährige nur noch als Funktionär und nicht mehr als Coach tätig.
Holger Stanislawski und André Trulsen (2006-2011): Eine neue St. Pauli-Ära
Mit Holger Stanislawski und André Trulsen wird schließlich eine neue Ära beim FC St. Pauli eingeleitet. Gemeinsam übernehmen der bisherige Co-Trainer und Sportliche Leiter das Amt von Bergmann und führen den Kiezklub direkt zurück in die 2. Liga. Das Duo kennt sich bereits aus gemeinsamer Spieler-Vergangenheit in Hamburg, hat aber noch keine Trainer-Erfahrung. Mehr noch: Stanislawski hat gar keine DFB-Lizenz. Während er diese im Laufe der Saison 2007/08 nachholt und als Jahrgangsbester abschließt, wird Trulsen zum alleinigen Chef ernannt und er zum Teammanager.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 20.11.2006 | 30.06.2011 | 128 | 56-20-52 | 1,47 |
Unter Trulsen, der offiziell exakt eine Saison in diesem Amt bleibt, schafft St. Pauli als Tabellenneunter souverän den Klassenerhalt in Liga zwei. Gleiches gilt für das Folgejahr, in dem das Tandem wieder Plätze tauscht und Stanislawski wieder offizieller Cheftrainer ist. Dann aber, 2009/10, gelingt den beiden sensationell der Aufstieg in die Bundesliga. Dort kann sich St. Pauli allerdings nicht halten und steigt nach nur einem Jahr als Tabellenletzter wieder ab. Infolgedessen verlassen auch „Stani“ und „Truller“ ihre Ämter, die ihren Rücktritt schon vor Saisonende bekanntgeben.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 01.07.2007 | 30.06.2008 | 36 | 12-9-15 | 1,25 |
Stanislawski schlägt wenig später eine völlig neue Laufbahn ein. Zwar ist er kurz darauf noch in Hoffenheim (2011-2012) und Köln (2012-2013) tätig, verlässt dann aber den Fußball und wird Unternehmer. Seit 2014 betreibt der 56-Jährige gemeinsam mit dem Ex-HSV-Profi Alexander Laas einen REWE-Supermarkt in Hamburg-Winterhude. Trulsen begleitet seinen Chef nach Hoffenheim und Köln. Nach Co-Trainer-Stationen in Stuttgart (2015) und Lotte (2017) kehrt er von 2018 bis 2020 als Assistent zum FC St. Pauli zurück. Bei Altona 93 und Teutonia ist Trulsen danach ebenfalls Co-Trainer, zum Ende der Saison 2025/26 übernimmt der 61-Jährige interimsweise den Chefposten bei Altona.
André Schubert (2011-2012): Aufstieg nur knapp verpasst
Mit André Schubert holt der FC St. Pauli zur neuen Saison 2011/12 erstmals einen externen Trainer ohne den berühmten „Stallgeruch“. Allzu viel Erfahrung hat aber auch er nicht vorzuweisen, sie beschränkt sich auf Nachwuchs-Tätigkeiten beim KSV Baunatal (2000-2002) und dem SC Paderborn (2006-2009) sowie zwei Jahre als Trainer des SCP (2009-2011). Doch Schubert gelingt es, mit St. Pauli die ganze Saison über oben mitzuspielen. Den Aufstieg verpassen die Kiezkicker – punktgleich mit Fortuna Düsseldorf auf Platz vier – nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses. Danach aber misslingt der Start in die neue Saison mit nur einem Sieg aus sieben Spielen. Das ist gleichbedeutend mit dem Ende für Schubert.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 01.07.2011 | 26.09.2012 | 43 | 20-11-12 | 1,65 |
Zunächst versucht sich der Ex-St. Pauli-Coach danach als Sportvorstand bei Hessen Kassel (2014), hält aber nur. ein halbes Jahr durch. Später trainiert er die deutsche U15-Nationalmannschaft (2014-2015), Borussia Mönchengladbach (2015-2016), Eintracht Braunschweig (2018-2019), Holstein Kiel (2019) und den FC Ingolstadt (2021). Zuletzt springt Schubert 2024 bei seinem Ex-Klub Hessen Kassel als Interimstrainer für drei Spiele ein. Seither ist der 54-Jährige vereinslos.
Thomas Meggle (2012/2014): Zweimal springt er ein
Thomas Meggle übernimmt das Trainer-Amt beim FC St. Pauli zweimal interimsweise, zum ersten Mal nach der Entlassung von Schubert im September 2012. Wirklich erfolgreich ist das erste Intermezzo des früheren Mittelfeldspielers und bisherigen Co-Trainers allerdings nicht. Nach einem Unentschieden und einer Niederlage präsentiert der Kiezklub in Michael Frontzeck den offiziellen Nachfolger und Meggle rückt wieder zurück ins zweite Glied. Auch bei seiner zweiten Übergangslösung 2014 schafft er nicht die Wende und wird mit dem Engagement von Ewald Lienen zum Sportlichen Leiter ernannt. Zwei Jahre später ist auch in dieser Funktion Schluss.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 26.09.2012 | 07.10.2012 | 2 | 0-1-1 | 0,50 |
| 03.09.2014 | 16.12.2014 | 13 | 2-3-8 | 0,69 |
Schon während seiner St. Pauli-Zeit gründet Meggle mehrere Unternehmen in Hamburg. Danach engagiert er sich von 2021 bis 2025 bei Dunfermline Athletic in Schottland, unter anderem als Gesellschafter und Investor. Dort ist er auch mehrere Jahre im Vorstand tätig. Was der 51-Jährige seither macht, ist nicht bekannt. Medienberichten zufolge soll Meggle als Sportdirektor im Amateurbereich tätig sein.
Michael Frontzeck (2012-2013): Uneinig mit den Bossen
Mit Michael Frontzeck setzt St. Pauli auf den bisher vielleicht erfahrensten Trainer in diesem Jahrtausend. Der langjährige Bundesliga-Profi hat auch als Trainer schon eine lange Vita als Co bei Borussia Mönchengladbach (2000-2003) und Hannover 96 (2004-2005) sowie als Chef bei Alemannia Aachen (2006-2007), Arminia Bielefeld (2008-2009) und abermals in Gladbach (2009-2011). Beim Kiezklub gelingt ihm der Klassenerhalt in der Saison 2012/13 und ein erfolgreicher Start in die folgende Spielzeit. Trotzdem muss Frontzeck im November nach nur einem Jahr wieder gehen, weil er und die Vereinsführung unterschiedliche Zukunftsvorstellungen haben.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 07.10.2012 | 06.11.2013 | 40 | 15-10-15 | 1,38 |
Frontzeck legt daraufhin erst mal eine Pause ein und kehrt erst 2015 kurzzeitig als Trainer in Hannover wieder in den Fußball zurück. Wieder vergehen einige Jahre, ehe er beim 1. FC Kaiserslautern anheuert (2018). Seit er in der Saison 2021/22 beim VfL Wolfsburg als Co-Trainer beschäftigt ist, hat der 62-Jährige keinen Job mehr. Zwar ist Frontzeck immer wieder mal gerüchteweise bei Vereinen im Gespräch, zu einem Engagement ist es seither aber nicht gekommen.
Roland Vrabec (2013-2014): Auf St. Pauli folgt halb Europa
Eigentlich ist Roland Vrabec zur neuen Saison als Co-Trainer von Frontzeck zum FC St. Pauli gekommen. Schließlich kennt der studierte Sportwissenschaftler und Sportmediziner, der beim FSV Frankfurt (2001-2007) und bei Mainz 05 (2007-2011) verschiedene Posten im Nachwuchs innehatte, diese Rolle schon von seiner vorherigen Station bei Lok Leipzig (2012-2013). Weil Vrabec seine Sache als Interimscoach gegen Ende der Hinrunde 2013/14 aber so gut macht, wird er von St. Pauli in der Winterpause zum Chef befördert und darf die Saison beenden, in der man zeitweise um den Aufstieg mitspielt. Der Start in die neue Saison misslingt aber, sodass Vrabec kurz nach Saisonbeginn gehen muss.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 06.11.2013 | 03.09.2014 | 26 | 10-6-10 | 1,38 |
Seither hat der einst unbekannte Co-Trainer, der als Spieler nie auf Profi-Ebene gespielt hat, eine illustre Reise hinter sich. Beim FC Luzern (2015-2016) ist Vrabec noch Co-Trainer, in Frankfurt (2016-2017) dann schon Chef. Und als Trainer startet er eine Reise durch halb Europa: beim FC Vaduz in Liechtenstein (2017-2018), bei Progrès Niederkorn in Luxemburg (2019-2020), bei Esbjerg fB in Dänemark (2021-2022), beim Greifswalder FC zurück in Deutschland (2023), bei Swift Hesperingen abermals in Luxemburg (2023-2024) und schließlich beim FK Panevezys in Litauen (2024-2026). Dort arbeitet Vrabec noch bis März 2026, ehe er freigestellt wird. Seither ist der 52-Jährige vereinslos.
Ewald Lienen (2014-2017): Ganz viel Erfahrung für St. Pauli
Nachdem erneut Meggle interimsweise übernimmt, verpflichtet der FC St. Pauli mit Ewald Lienen eine echte Bundesliga-Ikone als Trainer. Der 333-fache Erstliga-Profi hat zu diesem Zeitpunkt schon zahlreiche Trainer-Stationen hinter sich, zu denen allein in Deutschland unter anderem Duisburg, Rostock, Köln, Gladbach, Hannover, 1860 München und Bielefeld zählen. Lienen, der zeitweise schon als Berater für St. Pauli arbeitet, kennt das Geschäft ganz genau. Und mit 927 Tagen wird er die längste Amtszeit aller Profi-Trainer des Kiezklubs in diesem Jahrtausend haben (ohne Regionalliga). Der bei den Fans sehr beliebte Coach rettet St. Pauli 2014/15 vor dem Abstieg und schafft auch in den beiden Folgejahren souverän den Klassenerhalt. Im Sommer 2017 wird er Technischer Direktor, eine Position, die extra für ihn geschaffen wird.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 16.12.2014 | 30.06.2017 | 88 | 35-20-33 | 1,42 |
Das Amt des Technischen Direktors bekleidet Lienen drei Jahre lang und ist auch danach noch als Repräsentant des Vereins tätig. Mittlerweile hat er keine Funktion mehr beim FC St. Pauli, sondern betreibt gemeinsam mit dem TV-Kommentator Michael Born den erfolgreichen Fußball-Podcast „Der Sechzehner“. Auch abseits des Podcasts äußert sich der 72-Jährige regelmäßig zu aktuellen und fußballpolitischen Themen. Ein offizielles Amt hat er dagegen nicht mehr inne.
Olaf Janßen (2017): Glücklos bei St. Pauli, glücklich in Köln
An den Erfolg von Lienen kann Olaf Janßen nicht anknüpfen. Der frühere Bundesliga-Profi in Köln und Frankfurt ist während des Großteils der Vorsaison zwar Co-Trainer unter seinem Vorgänger, mit nur einer Station bei Dynamo Dresden (2013-2014) und Interimslösungen bei Rot-Weiss Essen (2006) und dem VfB Stuttgart (2016) aber relativ unerfahren als Chef. Entsprechend wenig zufriedenstellend ist seine Bilanz für die Bosse beim FC St. Pauli, die Janßen nach sieben sieglosen Spielen in Folge und zwei heftigen Niederlagen in Fürth (0:4) und Bielefeld (0:5) im Dezember 2017 nach nur einem halben Jahr entlassen.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 01.07.2017 | 07.12.2017 | 17 | 5-5-7 | 1,18 |
Nur wenige Wochen später versucht sich Janßen noch einmal als Cheftrainer, diesmal bei Viktoria Köln für den Rest der Saison. Danach ist er Co-Trainer unter Bruno Labbadia in Wolfsburg (2018-2019) und bei Hertha BSC (2020-2021), ehe er zur Viktoria zurückkehrt und dort vier Jahre lang erfolgreich als Coach arbeitet. Seine bislang letzte Station beim SV Sandhausen in der Saison 2025/26 endet vorzeitig, weil Janßen nach dem Abstieg in die Regionalliga Südwest den direkten Wiederaufstieg klar verpasst. Seit seinem Aus Ende März ist der 59-Jährige auf Jobsuche.
Markus Kauczinski (2017-2019): Retter ist jetzt ein Löwe
Statt Janßen soll ein erfahrener Trainer den FC St. Pauli retten. Der Verein entscheidet sich für Markus Kauczinski, der im Nachwuchs von Schalke 04 und dem Karlsruher SC sowie als langjähriger Zweitliga-Coach beim KSC (2012-2016) und dem FC Ingolstadt (2016 in der Bundesliga) das Profi-Geschäft bestens kennt. Und die Mission gelingt, denn er schafft 2017/18 den Klassenerhalt und führt den Kiezklub in der Hinrunde der Saison 2018/19 sogar in den Aufstiegskampf. In der Rückrunde aber bricht St. Pauli immer mehr ein, kassiert teils deutliche Niederlagen und trennt sich schließlich im April von Kauczinski.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 08.12.2017 | 10.04.2019 | 47 | 19-10-18 | 1,43 |
Dieser findet schnell einen neuen Job im Trainer-Business. Noch im selben Jahr tritt er eine Beschäftigung bei Dynamo Dresden an (2019-2021) und coacht im Anschluss mehrere Jahre den SV Wehen Wiesbaden (2021-2024). Danach wird es zunächst etwas ruhiger um Kauczinski. Erst im Oktober 2025 findet er mit 1860 München einen neuen Verein, den er in der 3. Liga ins Mittelfeld der Tabelle und ins bayrische Pokalfinale führt. Der Vertrag des 56-Jährigen in München gilt auch für die kommende Saison.
Jos Luhukay (2019-2020): Bei St. Pauli will’s nicht klappen
Im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg 2019 setzt St. Pauli erneut auf Erfahrung. Die bringt Jos Luhukay unzweifelhaft mit, denn er ist seit fast 15 Jahren durchgängig im Profifußball beschäftigt – bei Paderborn (2005–2006), Gladbach (2007–2008), Augsburg (2009–2012), Hertha (2012–2015) und Stuttgart (2016) sowie bei Sheffield Wednesday in England (2018). Doch auch mit ihm gelingt der Sprung in die Bundesliga nicht. Im Gegenteil: In der Folge-Saison 2019/20 stürzt St. Pauli in den Tabellenkeller und verhindert nur knapp den Abstieg in die 3. Liga. Luhukay stellt sich eher als Missverständnis heraus und verlässt den Verein in der Sommerpause.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 11.04.2019 | 30.06.2020 | 42 | 11-14-17 | 1,12 |
Der gebürtige Niederländer kehrt zu VVV-Venlo zurück, wo er einst in der Jugend gespielt hatte. Nach etwas mehr als einem Jahr (März 2021 bis Mai 2022) ist für ihn aber auch dort schon wieder Schluss. Seither ist nicht bekannt, was Luhukay macht. Der 62-Jährige ist seit seinem Engagement bei Venlo nicht mehr auf der Fußball-Bühne aufgetaucht.
Timo Schultz (2020-2022): St. Paulianer durch und durch
Mit Timo Schultz ändert St. Pauli den Kurs der vergangenen Jahre wieder und vertraut statt einem erfahrenen Bundesliga-Coach einem Mann aus dem eigenen Nachwuchs. Denn Schultz kennt den Verein so gut wie kaum ein anderer. Er spielt jahrelang am Millerntor (2005-2011), wird danach Teammanager und spielender Co-Trainer bei der 2. Mannschaft (2011-2012) und schließlich Assistent bei den Profis (2012-2014). Danach trainiert er verschiedene Nachwuchsteams, ehe er 2020 – nach 15-jähriger Vereinszugehörigkeit – Luhukays Nachfolger in der 2. Liga wird. Schultz ist sofort beliebt bei Fans und Spielern und dazu noch erfolgreich: Nach dem sicheren Klassenerhalt in seiner Debüt-Saison landet Schultz mit St. Pauli auf Platz fünf und spielt bis zum vorletzten Spieltag um den Aufstieg mit. Eine völlig missglückte Hinrunde 2022/23 kostet ihn dann jedoch kurz vor Weihnachten den Job.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 12.07.2020 | 06.12.2022 | 92 | 36-25-31 | 1,45 |
Erst zur neuen Spielzeit nimmt Schultz einen neuen Job an, und zwar in der Schweiz, beim FC Basel (2023) – wo er allerdings nach gerade mal elf Spielen entlassen wird. Zur Rückrunde übernimmt er beim 1. FC Köln, kann den Abstieg 2024 aber nicht verhindern und muss auch dort wieder gehen. Nach einem Jahr Pause verpflichtet ihn schließlich der VfL Osnabrück, den Schultz in der vergangenen Saison sensationell und mit Rekord-Punktzahl in der Rückrunde zur Meisterschaft in der 3. Liga und damit zum Zweitliga-Aufstieg führt. Als Drittliga-Trainer der Saison wird der 48-Jährige nun mit Osnabrück auch in der 2. Bundesliga an den Start gehen. Es gibt also kommende Saison ein Wiedersehen mit dem FC St. Pauli.
Fabian Hürzeler (2022-2024): Aufstiegs-Held von St. Pauli
Die Entscheidung Ende des Jahres 2022, nicht mit Schultz weiterzumachen und dafür auf dessen unerfahrenen Co-Trainer Fabian Hürzeler zu setzen, ist für viele im Umfeld des FC St. Pauli überraschend. Doch sie erweist sich als absoluter Glücksgriff. Der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler gewinnt mit dem Kiezklub überragende 13 von 17 Rückrundenspiele und führt den akuten Abstiegskandidaten auf Platz fünf. In seiner ersten vollständigen Spielzeit 2023/24 reißt die Serie nicht ab, Hürzeler und St. Pauli bleiben saisonübergreifend 27 (!) Spiele in Folge ohne Niederlage und sein Vertrag wird vorzeitig verlängert. Die logische Konsequenz: Am Ende der Saison steigt der FC St. Pauli als Zweitliga-Meister in die Bundesliga auf.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 06.12.2022 | 30.06.2024 | 55 | 36-11-8 | 2,16 |
Mit dem gelungenen Aufstieg kann St. Pauli seinen Coach allerdings nicht mehr halten. Hürzeler, der mit 2,16 Punkten pro Spiel den mit Abstand besten Schnitt aller St. Pauli-Trainer dieses Jahrtausends hat, verlässt den Verein für eine Ablösesumme in Höhe von geschätzten 7,5 Millionen Euro und wechselt nach England zu Brighton & Hove Albion – als jüngster Trainer in der Premier-League-Geschichte. Auf der Insel ist der inzwischen 33-Jährige ebenfalls sehr beliebt und belegt mit Brighton zweimal in Folge zu einem starken achten Platz in der englischen Liga. Sein Vertrag ist noch bis 2029 gültig.
Alexander Blessin (2024 bis heute): Seine Zukunft ist offen
Mit Alexander Blessin folgt auf Hürzeler wieder ein externer Trainer. Der frühere Zweitliga- und Regionalliga-Profi ist nach seinem Karriereende jahrelang als Trainer im Nachwuchs von RB Leipzig tätig, bevor er in Belgien und Italien erste Cheftrainer-Stationen im Profibereich übernimmt: bei KV Ostende (2020–2022), CFC Genua (2022) und Royale Saint-Gilloise (2023-2024). In Belgien als Trainer des Jahres ausgezeichnet, bewährt sich Blessin auch beim FC St. Pauli und schafft auf Platz 14 den erhofften Klassenerhalt in der Bundesliga. Ein Jahr später steigt der Kiezklub unter ihm jedoch wieder in die 2. Liga ab.
| von | bis | Spiele | S-U-N | Punkte/Spiel |
|---|---|---|---|---|
| 01.07.2024 | – | 74 | 18-16-40 | 0,95 |
Wie es nach dem Abstieg weitergeht, ist derzeit offen. Noch hat Blessin einen gültigen Vertrag, ist aber auch bei anderen Vereinen wie etwa dem VfL Wolfsburg im Gespräch. Zuletzt hat der 53-Jährige auch angedeutet, dass er nach zwei kräftezehrenden Jahren möglicherweise eine Pause einlegen möchte. Ob er auch in Zukunft St. Pauli-Trainer sein wird und – dann in der 2. Liga – in seine dritte Saison geht, wird sich zeigen.
