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Verzweiflung im Libanon: Hier glaubt niemand mehr an Frieden

    Verzweiflung im Libanon: Hier glaubt niemand mehr an Frieden

    Qasim Istanbulboulis Gesicht erstarrte mitten im Satz. Jeder Gesichtsausdruck verschwindet, als hätte ihn jemand ausgeschaltet. Er lässt seine Gebetskette schweigend durch seine Finger gleiten. Der libanesische Filmregisseur und Schauspieler hat ohne Punkt und Komma über sein neues Theaterprojekt für Vertriebene im Süden des Libanon gesprochen.

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    Der Regisseur trauert. Sein Freund und Kollege Amal Khalil war Journalist. Sie wurde am 22. April bei einem israelischen Luftangriff im Südlibanon getötet. Reporter ohne Grenzen (RSF) und die libanesische Regierung werfen Israel Kriegsverbrechen vor. Retter sollen die Rettung des verletzten Journalisten aus dem Feuer verhindert haben. Israelischen Quellen zufolge zielte der Angriff auf Fahrzeuge der schiitischen Miliz Hisbollah.

    zwölf Tote

    Seit Anfang März befinden sich mit dem Iran verbündete Kämpfer im Krieg mit Israel. Seit dem 17. April gilt im Libanon ein von den USA vermittelter Waffenstillstand. Nun wurde er zum zweiten Mal verlängert und soll bis Anfang Juni in Kraft bleiben. Doch Teile des Libanon zittern weiterhin unter Beschuss. Libanesischen Quellen zufolge sind bei einem israelischen Luftangriff in der libanesischen Bekaa-Ebene im Südosten des Landes zwölf Menschen getötet worden. Israel und die Hisbollah beschuldigen sich weiterhin gegenseitig, gegen das Abkommen zu verstoßen.

    Kasem Istanbulbouli stammt wie Amal Khalil aus der Stadt Tyrus im Südlibanon. Der Regisseur spricht über ihre langjährige Freundschaft. Der Journalist liebte Kunst. Sie unterstützte den von ihr gegründeten Kunstverein. Während des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah im Jahr 2024 haben Schauspieler bereits Vertriebene in Theatern in Tyrus und Beirut untergebracht. Sie erhalten nicht nur Futter. Regisseure oder Maler üben Theaterstücke mit Flüchtlingen ein oder geben ihnen Malkurse. Die Unterbringung in einem Kunstverein sollte mehr sein als bloße Existenz.

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    „Man weiß nie, ob wir lebend dort ankommen“

    Istanbulbouli und andere Freiwillige pendeln zweimal pro Woche Lastwagen voller Vorräte und Kunstmaterialien zwischen Notunterkünften in Beirut und Tyrus hin und her. „Wir wissen nie, ob wir es lebend schaffen“, sagt Istanbulbouli. Nach einem Luftangriff auf seine Freundin scheint die Reise noch tödlicher zu sein, befürchtet er.

    Im ehemaligen Kino riecht es nach Popcorn. Vertriebene schlafen auf Logenplätzen. Der ehemalige Kinosaal verfügt über eine versteckte Bühne hinter dem Vorhang und vor dem Vorhang. Jeden Abend tritt eine Gruppe von Flüchtlingen auf. Junge und alte Männer und Frauen mit und ohne Kopftuch streifen über die Bühne. Sie tanzen und singen oder greifen zum Mikrofon, um eine Geschichte zu erzählen. In einer Szene erhellen gedämpfte Lichter die Bühne. Vertriebene legen einander die Arme um die Schultern und neigen den Kopf, als wollten sie sich trösten.

    Gestank

    Internationale Medien berichteten, dass nach dem Waffenstillstand vom 16. April Tausende Menschen aus Beirut und anderen Teilen des Libanon in den Süden zurückgekehrt seien. Mehr als eine Million Menschen flohen nach Bombenanschlägen und Bodenoperationen der israelischen Streitkräfte am 2. März aus der Hauptstadt und den ländlichen Gebieten des Nordlibanon. Viele fanden keinen Platz in Schulen, Kirchen und Moscheen und so wurden 660 Notunterkünfte eröffnet. Tausende campierten in Zelten oder in ihren Autos an den Strandpromenaden, Parks oder öffentlichen Plätzen Beiruts. In provisorischen Lagern fehlten oft tragbare Toiletten oder Duschen. Es erreicht den höchsten Himmel. Das Internationale Rote Kreuz und Ärzte ohne Grenzen warnten vor einer humanitären Katastrophe.

    Mit einem Waffenstillstand Mitte April schien die Krise kurzzeitig gelöst zu sein – doch die anhaltenden Kämpfe verängstigen die Menschen weiterhin: Nach Angaben der Hilfsorganisation Emel fliehen inzwischen mehr Menschen in den Libanon als vor dem Waffenstillstand. Laut Email sind 1,3 von sechs Millionen Libanesen aus ihrer Heimat geflohen. Das Land ist mit ihrem Angebot überfordert.

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    Eine Frau trägt ihr Baby auf der Mauer rund um den Horsh Park im Zentrum von Beirut. Jogger drehen ihre Runden im Park. Das Kind sieht eine Welt, die noch intakt zu sein scheint und nicht in Trümmern liegt wie das Heimatdorf im Südlibanon. Flüchtlinge leben in Zelten vor den Parktoren. Sie atmen den Gestank der Straße ein. Es ist verboten, im Park ein Zelt aufzuschlagen und dort zwischen den Bäumen zu übernachten.

    Hilfe für Menschen

    Yara Sayeg parkt ihren Kleinwagen vor dem Horsch Park. Sie öffnet den Kofferraum und lädt die Pakete auf den Asphalt. Es besteht aus frisch gekochten Lebensmitteln, die in Plastikbehältern verpackt sind. Halper und seine Kollegen haben dies zuvor in einer vom Café bereitgestellten Küche gekocht. Sayegh bringt sie einmal am Tag in den Horsch Park. Für die Menschen in den Zelten gibt es keine staatliche Hilfe. „Sie rufen uns dann an, als ob es nicht ihre Aufgabe wäre, Menschen auf der Straße zu helfen“, sagt Sayegh. Niemand weiß, wie lange sie das alles ertragen muss.

    Hina umarmt die Helferin nach dem Essen. Die alte Dame mit dem rosa Kopftuch nennt nur ihren Vornamen. Wie viele andere konnte sie keinen Platz in einer Notunterkunft finden und verbrachte die Nacht auf der Straße. Sein Heimatdorf wird von der israelischen Armee besetzt und das Haus zerstört. „Ich werde mein Zelt nur dann auf den Trümmern aufschlagen, wenn ich in mein Dorf zurückkehren kann“, sagt sie.

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    Unterdessen kreisen immer noch israelische Drohnen über dem strahlend blauen Himmel der Hauptstadt.

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