Ignacio Buse hat sich für das Finale der Bitpanda Hamburg Open in Rothenbaum qualifiziert. Foto: WITTERS
Verrückte Geschichte: Qualifikant trifft im Rothenbaum-Finale auf Comeback-König!
Der erste Einzelfinalist der Bitpanda Hamburg Open steht fest! Schon vor dem ersten Halbfinale war klar: Am Samstag würde ein Qualifikant um den Titel spielen. Der Qualifikant Ignacio Busse traf auf den Lucky Loser Aleksandar Kovacevic. Der „peruanische Botschafter“, wie Busse sich selbst nannte, schrieb seine Rothenbaum-Geschichte auf beeindruckende Weise – und darf sich fortan als Tennis-Millionär bezeichnen. Im Finale trifft er auf Tommy Paul, der bereits Rothenbaum-Geschichte geschrieben hat und im Match gegen Alex de Minaur ein unglaubliches Comeback feierte.
Er ist wahrscheinlich die Überraschung des Turniers. Der 22-jährige Peruaner Busse war im Januar noch außerhalb der Top 100 und reist ohne aktuelle Erfahrung bei einem Turnier dieser Größenordnung nach Hamburg. Dank seiner beiden Qualifikationsspiele, die er gar nicht erst spielen musste („Ich sollte im Hauptfeld spielen, habe aber vergessen, mich anzumelden“), flog er in 2:20 Stunden ins Hauptfeld.
Ein Bus fliegt über das Feld am Rothenbaum
Dort sorgte er sofort für die erste Überraschung, indem er den Vorjahressieger Flavio Coboli in geraden Sätzen ausschaltete. Die nächste Aussage erfolgte in der zweiten Runde: In 63 (!) Minuten schickte er Jakub Mensik aus dem Turnier und verlor nur drei Spiele. Im Viertelfinale musste er erstmals gegen Hugo Humbert antreten, konnte im 36. Aufschlag des Turniers erstmals seinen Aufschlag nicht halten und verlor seinen ersten Satz in Rothenbaum. Allerdings zog er mit seinem 6-3, 5-7 und 6-3 Erfolg in das zweite ATP-500-Halbfinale seiner Karriere ein.
Im Halbfinale ging die Nummer 57 der Welt erstmals als Favoritin in Rothenbaums Hauptfeld. Gegen Lucky Loser und Auger-Aliassime-Sieger Aleksandar Kovacevic (94.) startete Buse erneut in gewohnter Manier. Der US-Amerikaner schaffte es, das erste Aufschlagspiel zu überstehen, dann schaltete Busse den peruanischen Turbo ein und gewann den Satz in 26 Minuten mit 6:1.
Wie das ganze Turnier über konnte sich der 1,83 Meter große Peruaner auf seinen starken Aufschlag verlassen. Kovacevic konnte nur einen Punkt gewinnen, als Busse im ersten Satz aufschlug. Busse holte mit eigenem Aufschlag 20 (!) Punkte in Folge. Busse hatte im zweiten Satz nahezu keine Probleme und gewann souverän mit 6:4, ohne dass seine Aufschläge gefährdet waren. In gewohnter Manier sprintete er mit 1:04:20 ins Ziel. „Ignacio! Ignacio!“ riefen die Fans, einige trugen Peru-Trikots. Das Hamburger Publikum hatte den jungen Peruaner schon lange ins Herz geschlossen.
Hamburg Open: Der Peruaner wird Tennis-Millionär
„Ich denke, das ist die beste Woche meines Lebens“, sagte Busse wieder glücklich in der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Es ist mein erstes ATP-500-Finale, das ist etwas ganz Besonderes.“ Der 22-Jährige sorgt in Peru für großes Aufsehen. Zum Halbfinalspiel reiste sogar ein peruanischer Journalist an. Busse erhielt viele Nachrichten von berühmten Persönlichkeiten aus Peru. Doch am „wichtigsten“ seien Botschaften von Menschen, die „immer bei mir“ sind.
Vor Beginn des Qualifyings lag Busse auf Platz 62 der Weltrangliste. Durch den Einzug ins Finale konnte er sich in der Live-Weltrangliste bis auf Platz 36 vorarbeiten, bei einem Turniersieg würde er sogar auf Platz 31 vorrücken. Er ist erst der fünfte Peruaner, der es in die Top 50 der Tenniswelt schafft. Der 22-Jährige hat auf seinem Konto einen weiteren Meilenstein erreicht. Für die Teilnahme am Rothenbaum-Finale gibt es ein Preisgeld von 223.350 Euro. Das bedeutet, dass Busse, der zuvor 796.249 US-Dollar an Tour-Preisgeldern gewann (das niedrigste aller Viertelfinalisten bei den Hamburg Open), in Hamburg zum Tennis-Millionär wird. Bei dem Turnier gibt es 415.140 € (ca. 481.601 $) zu gewinnen.
Und Busse sammelte in seiner Zeit am Rothenbaum nicht nur Geld und Weltranglistenpunkte. Nach und nach erfuhr er auch etwas über seine Familiengeschichte. Nach seinem Erstrundenspiel verriet er, dass er einen Urgroßvater aus Deutschland hat. Dann erfuhr er, dass sein deutscher Vorfahre auf einem Schiff geboren wurde, das von Deutschland nach Amerika fuhr. Allerdings betonte er immer wieder seine peruanische Seite, er werde „immer Peruaner bleiben“ und galt auf der Tour als eine Art „peruanischer Botschafter“.
Busse trifft de Minaur oder Paul
Auf dem Weg ins Finale stand er in seinen sechs Spielen (einschließlich Qualifikationsspielen) 8:45:33 auf dem Feld. Im Finale trifft er auf den an Nummer sechs gesetzten Amerikaner Tommy Paul (26.). Zum Vergleich: Paul benötigte für seine vier Spiele 8:39:59 Stunden.
Paul gelang in seinem Halbfinale gegen Alex de Minaur (9.) ein unglaubliches Comeback. Schon früh sah es so aus, als würde der drittgesetzte Australier es ins Finale schaffen. Er führte bereits mit 6:4 und 3:0, doch Tommy Paul gab keine Sekunde auf. Der US-Amerikaner, der am Sonntag seinen 29. Geburtstag feierte, gewann neun (!) Spiele in Folge und überraschte mit einem Tor und einem Ständchen.
Paul: „Es wird auf jeden Fall eine Herausforderung“
Paul ließ sich das Spiel dann nicht entgehen und gewann schließlich mit 2:6, 6:3, 6:3 gegen den leicht favorisierten de Minaur. Mit seinem Sieg ist Paul (26.) bereits auf Platz 21 der Live-Rangliste vorgerückt. Ein Sieg im Finale könnte ihn auf den 18. Platz bringen. Der amerikanische Comeback-König spielte in der zweiten Runde das längste Drei-Satz-Match in der Geschichte von Rothenbaum und sicherte sich sieben Matchbälle gegen Thomas Etcheverry.
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Er selbst wusste nicht, dass er Turniergeschichte geschrieben hatte: „Ich wusste, dass das Match lang war, aber das wusste ich nicht. Es war ein gutes Spiel“, sagte Paul. „Ich glaube weiterhin an mich selbst“, erklärte er seine Comeback-Qualitäten. Auch wenn er auf dem Platz cool wirke, sei das Bild von außen „definitiv anders als von innen“. Er hatte Busse noch nie zuvor getroffen, aber „er ist jetzt definitiv ein anerkannter Spieler auf der Tour, ein starker Spieler, es wird definitiv eine Herausforderung“, sagte Paul, der Busse noch nie getroffen hat, nach seinem Match gegen de Minaur.
