Nach vier Jahren in Hamburg ist beim HSV Schluss: Ransford Königsdorfer spielt ab Sommer für Mainz 05. Foto: imago/Beautiful sports
Großer Wechsel nach Mainz: Warum Königsdörffer den HSV wirklich verlässt
Nicht wenige HSV-Fans rümpften bei der Bekanntgabe des Deals die Nase oder äußerten ihren Unmut in den sozialen Medien. Der ablösefreie Transfer von Ransford Königsdörffer zu Mainz 05 beschäftigt den HSV und seine Anhänger. Schnell machte sich der Verdacht breit, dass der Abgang vor allem rein finanzielle Gründe haben könnte. Tatsächlich war das zukünftige Gehalt des 24-Jährigen überhaupt nicht ausschlaggebend. MOPO kennt alle Umgebungen.
Mit einer größeren Urlaubsreise in diesem Sommer wird Königsdörffer vorerst zurückbleiben. In Ghana mehren sich die Anzeichen, dass der Stürmer in letzter Minute in den WM-Kader der Black Stars aufgenommen werden könnte und sich mit der Teilnahme an Turnieren in den USA, Kanada und Mexiko einen weiteren großen sportlichen Traum erfüllen könnte. So wie im vergangenen Sommer, als er mit dem HSV in die Bundesliga aufstieg. Eine schöne Erinnerung, die bleibt.
Der HSV möchte den Vertrag mit Königsdörffer verlängern
Königsdörffers Zukunft ist Mainz. Am Mittwoch gaben die 05er und der HSV den Wechsel des Stürmers bekannt. Der HSV hatte seit Monaten versucht, seinen auslaufenden Vertrag um drei Jahre zu verlängern. Doch nun bekamen die Rheinhessen den Zuschlag.
WochenMOPO – neu ab Freitag und Zeitungen gibt es überall!
Diese Woche unter anderem mit diesen Themen:
- Ein Neuanfang für die Alster: Wie das neue Naturbad die Hamburger begeistern soll
- Ein Kurzurlaub vor Ihrer Haustür: 30 Tipps der MOPO-Redaktion für eine Woche traumhaftes Wetter
- „Unmenschlich!“ Ein ukrainischer Flüchtling zeigte abscheuliche Fotos aus der Herberge in Hamburg
- Große Ergänzung zum Puzzle: Rätselspaß für die ganze Woche
- 16 Seiten Sport: Transformation der XXL-Aufstellung im Plan des HSV & St. Pauli für die 2. Liga
- 28 Seiten Plan 7: Gewinnen Sie Eintrittskarten für Konzerte im Stadtpark und Tipps für jeden Tag
Nicht wenige HSV-Fans fühlen sich in ihrer Ehre beleidigt, wer kann es ihnen verdenken? Hier tritt der glorreiche und stolze ehemalige Europapokalsieger HSV alle zwei Wochen vor 57.000 Fans im Hexenkessel Volkspark an. Da sind die Mainzer, die sich noch sesshaft fühlen, wo die Stadt, das Stadion und die Zahl der Fans zwei, drei Klassen weniger sind. Aber (und das soll der ausschlaggebende Grund für den Wechsel Königsdörffers sein): Im Vergleich zum HSV sind die 05er bereits eine etablierte Mannschaft in der Bundesliga, bei der die Spieler wissen, was sie ab dem Sommer erwartet.
Mainz erhielt zuletzt 20 Millionen mehr TV-Gelder als der HSV
Es ist kein Geheimnis, dass Königsdörffer bei Mainz eine Gehaltserhöhung vornimmt. Allerdings soll es nicht so groß sein, wie viele Leute annehmen. Der Stürmer soll künftig rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr verdienen, beim HSV hätte er bei einer Verlängerung auch die Millionengrenze geknackt. Auch in den Gesprächen gäbe es Verbesserungspotenzial. Die Wahrheit ist natürlich, dass die 05er finanziell deutlich besser dastehen als der HSV. Vor der letzten Saison erhielten sie allein aus der TV-Kasse rund 20 Millionen Euro mehr als der HSV (31,4 Millionen). Eine Differenz, die sich zur neuen Saison lediglich um drei bis vier Millionen Euro verringern dürfte.
Für Königsdörffer gab jedoch vor allem die sportliche Perspektive den Ausschlag für Mainz und zeigte sich auch von der Konsequenz der Gespräche beeindruckt. Die 05er knüpften erstmals zu Beginn des Jahres Kontakt mit dem gebürtigen Berliner und intensivierten diese Bemühungen im Februar. Gleichzeitig kämpfte laut MOPO-Informationen mit Union Berlin ein Zweitbundesligist intensiv um die Königsdorfer.
Beim HSV spielte Königsdörffer auf mehreren Positionen
Der Stürmer soll von den sportlichen Plänen, die ihm 05-Trainer Urs Fischer vorgelegt habe, voll überzeugt gewesen sein. Bei seinem neuen Verein wird er neben Mittelstürmer Philipp Tietz als zweiter Stürmer eingesetzt. Mainzer Wunsch: Königsdörffer muss immer wieder in tiefe Räume vordringen, um seine Schnelligkeit optimal auszunutzen. Beim HSV agierte der Nationalspieler jedoch hauptsächlich als Einzelstürmer oder Rechtsaußen – und fühlte sich in diesen Rollen nie ganz wohl. Man kann sagen: Mainz passt besser zu Königsdörffer als der HSV. „Die Trainer und Sportfunktionäre konnten mir in Gesprächen klar darlegen, was sie vorhaben. Das war sehr überzeugend“, sagte der Neuzugang unmittelbar nach Bekanntgabe des Wechsels der 05-Homepage. Es klingt wie eine allgemeine Industrie, aber zumindest in diesem Fall ist es viel mehr als das.
Auch im Kader des HSV zeichnet sich im kommenden Sommer der nächste große Umbruch ab. Mit 13 Abgängen nach der Aufstiegssaison (darunter Topspieler wie Ludovit Reis und Davy Selke) könnte die Zahl der Abgänge in diesem Sommer ebenso hoch ausfallen. Zudem besteht nach dem Verlust von Luka Vushkovic (nach Leihe zu Tottenham zurückgekehrt) auch die Gefahr, Star Fabio Vieira zu verlieren. Unterm Strich stehen derzeit viele Fragezeichen um den Kader des HSV, die Königsdörffer in Mainz nicht findet. Ein Sicherheitsniveau, das bei der Entscheidungsfindung des Angreifers eine wichtige Rolle gespielt haben soll.
Mainz-Trainer Fischer wollte Königsdorfer verpflichten
Auch die Chemie zwischen Fischer und Koenigsdorfer stimmt. Schon einmal wollte der Trainer den Deutsch-Ghanaer schlagen, und zwar im Sommer 2024, als dieser noch bei Union Berlin unter Vertrag stand. Doch ein Vertrag kam nicht zustande und Königsdörffer blieb beim HSV. Gute Entscheidung: Er steuerte in der Aufstiegssaison 14 Tore bei und wurde Hamburgs Bundesligaspieler. Doch nun haben Fischer und Mainz die Gelegenheit genutzt, den ablösefreien Deal zu perfektionieren.
Sie könnten auch interessiert sein an: Neun weitere neue? So plant der HSV seinen Kader
Für Königsdörffer, der den HSV nach 33 Spielen in der ersten Liga mit fünf Toren verlässt, ist es das bedingte Ende einer ereignisreichen Saison. All dies wird am 1. Juni abgeschlossen sein, wenn der ghanaische Fußballverband seinen Kader für die Weltmeisterschaft bekannt gibt. Randbemerkung: Im Rahmen der Gruppenspiele gegen Panama (18. Juni), England (23. Juni) und Kroatien (27. Juni) wird Königsdörffer weiterhin als HSV-Profi gelistet – denn sein Volkspark-Vertrag läuft erst am 30. Juni aus.
