Nach einem Jahr im Amt veröffentlichte Papst Leo XIV. am Montag seine erste Enzyklika. Unter dem Titel „Magnifica Humanitas“ (Große Menschheit) befasst sich die mehr als 100-seitige wissenschaftliche Abhandlung mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI). Die erste Enzyklika der Amtszeit eines neuen Papstes wird oft als eine Art offizielle Proklamation seines Pontifikats angesehen. Leo ist seit Mai letzten Jahres Oberhaupt der 1,4 Milliarden Katholiken weltweit.
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Der Papst selbst war bei der Präsentation im Vatikan anwesend – was es nach Angaben der katholischen Kirche noch nie zuvor gegeben hatte. Der erste Papst der USA hat sich in den letzten Monaten mehrfach zum Thema KI geäußert – sowohl zu seinen Chancen als auch zu seinen Gefahren.
Papst sieht in der digitalen Wirtschaft und dem Einsatz künstlicher Intelligenz erhebliche Bedrohungen für die Menschenwürde und die soziale Gerechtigkeit. Hinter scheinbar „immateriellen“ KI-Systemen verbirgt sich eine Kette von Exploits und Abhängigkeiten. „In der Welt der KI ist nichts abstrakt oder magisch“, heißt es im Text. Jede digitale Errungenschaft basiert auf der oft unsichtbaren Arbeit von Millionen Menschen.
Besonders kritisiert wird die Ausbeutung in globalen Liefer- und Datenketten, beispielsweise durch schlecht bezahlte Datenarbeit oder den Abbau gefährlicher Rohstoffe. „Körper werden verletzt, verstümmelt und benutzt, damit der Fluss der Berechnungen nicht abreißt“, sagt er dramatisch. Auch im digitalen Raum wird Menschenhandel diskutiert, der Menschen auf „Daten“ und „Pakete“ reduziert. Es heißt, wenn Technologie Befreiung verspricht, aber neue Abhängigkeiten schafft, widerspricht sie der Menschenwürde.
Besonders kritisch sieht der Papst die Macht globaler Technologiekonzerne. „Kleine, sehr einflussreiche Gruppen können Informationen und Konsum steuern, demokratische Prozesse gestalten und die wirtschaftliche Dynamik beeinflussen“, heißt es im Text. Dies wird oft als implizite Kritik an der milliardenschweren Tech-Elite in den USA angesehen.
Papst warnt vor Menschenhandel im digitalen Raum
Auch der Menschenhandel im digitalen Raum wird in der Enzyklika thematisiert. Kriminelle Netzwerke nutzen Plattformen, anonyme Zahlungssysteme und digitale Profile, um Menschen auszubeuten. Menschen werden auf „Daten“ und „Pakete“ reduziert. Es heißt, wenn Technologie Befreiung verspricht, gleichzeitig aber neue Abhängigkeiten schafft, steht sie im direkten Widerspruch zur Menschenwürde.
Auch Leo AI warnt in seinem Lehrbrief davor, auf Lügen und Fälschungen hereinzufallen: „Lasst uns der Wahrheit treu bleiben!“ Entscheidungen und Wahlmöglichkeiten können durch einen „ständigen Fluss von Informationen, Meinungen und Bildern“ mit immer ausgefeilteren Algorithmen leicht beeinflusst werden.
Gleichzeitig wird ein deutlicher Unterschied zur menschlichen Intelligenz hervorgehoben: KI „kann Sprache, Verhalten und Entscheidungen nachahmen“, sie habe aber kein Bewusstsein, kein moralisches Gewissen und verstehe auch nicht „Liebe, Arbeit, Freundschaft und Verantwortung“. Weiter heißt es, KI dürfe nicht als neutral angesehen werden: „Wir können KI nicht als moralisch neutral betrachten“, heißt es in der Enzyklika. Jedes System hat Entscheidungen darüber, was es misst, ignoriert oder bewertet. Der Papst fordert daher eine klare Rechenschaftspflicht und Kontrolle bei der Entwicklung und Nutzung von KI-Systemen zum Schutz der Menschenwürde und des Gemeinwohls.
Gleichzeitig warnen wir vor der Versuchung, angesichts globaler Probleme zurückzutreten. Auch wer wenig Einfluss hat, trägt Verantwortung. Entscheidend ist, ob Menschen die Logik der Gewalt verstärken – etwa durch Gleichgültigkeit oder Hass – oder der Logik des Friedens folgen. Internationale Organisationen und Diplomatie sind zentrale Instrumente zur Konfliktlösung. Dialog und multilaterale Zusammenarbeit sind unerlässlich, um die Krise einzudämmen und Vertrauen wiederherzustellen. Besonders hervorgehoben werden Worte und Kommunikation: Diese können spalten oder versöhnen. Daher ist es wichtig, bewusst und verantwortungsvoll mit der Sprache umzugehen und Konflikte nicht rhetorisch zu eskalieren.
Abschließend wird eine theologische Perspektive hervorgehoben: Der Mensch ist aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen und hoffnungsvoll in der Welt zu leben – auch in Zeiten technologischer und sozialer Umbrüche.
Leo bezieht sich auf die Sozialenzyklika seines Namens
Neben hochrangigen Kardinälen und Theologen nahm auch Chris Olah, Mitbegründer der KI-Gruppe Anthropic, an der Präsentation der Enzyklika teil – auch dies war ein Novum für die Präsentation einer Enzyklika. Das in San Francisco ansässige Unternehmen liegt im Streit mit der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, weil diese nicht will, dass ihre KI-Modelle in autonomen Waffensystemen und zur Überwachung der Zivilbevölkerung zur Verfügung stehen. Trump hat sowohl Anthropic als auch Pope in letzter Zeit mehrfach kritisiert.
Am 15. Mai gibt es eine Enzyklika. Dieser Tag markiert genau 135 Jahre seit Leos Namensvetter Leo XIII. Sein erkenntnistheoretisches „Rerum Novarum“ („Über neue Dinge“) wurde veröffentlicht. Damit legte der „Arbeiterpapst“ den Grundstein für die katholische Soziallehre im Zuge der Industriellen Revolution.
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